Nach Reizgas-Vorfall in Donaueschingen
: „Nicht reiben“ – was tun bei Kontakt mit Pfefferspray?

Nach dem Vorfall an der Donaueschinger Schule: Ein Notfall-Mediziner erklärt, wie gefährlich Reizgas ist, welche Symptome auftreten – und was man selbst tun kann.
Von
Cornelia Spitz
Schwarzwald-Baar-Kreis
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ARCHIV - 13.06.2024, Baden-Württemberg, Stuttgart: Eine Hand hält eine Kartusche mit Pfefferspray. (zu dpa: «Zahl der Reizgas-Attacken in Schulen gestiegen - weniger Verletzte») Foto: Bernd Weißbrod/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Eine Hand hält eine Kartusche mit Pfefferspray – dieses unterscheidet sich von Reizgas in seiner Wirkungsweise beträchtlich. Worauf es im Ernstfall ankommt, weiß der Mediziner.

dpa
  • Nach Reizgas am Fürstenberg-Gymnasium: 80 Verletzte, sechs kamen ins Krankenhaus.
  • Mediziner erklärt Unterschiede: CS/CN-Reizgas und Pfefferspray mit Capsaicin.
  • Häufige Symptome reichen von Augenbrennen und Husten bis zu Panik und Atemnot.
  • Erste Hilfe: Augen 10–15 Minuten spülen, Kontaktlinsen raus, kontaminierte Kleidung aus.
  • Zum Arzt bei starker Atemnot, anhaltenden Augenschmerzen oder allergischen Reaktionen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

80 Verletzte, sechs davon im Krankenhaus, und jede Menge Verunsicherung – all das zog der Reizgas-Vorfall am Fürstenberg-Gymnasium in Donaueschingen nach sich.

Doch was soll man tun im Falle eines Reizgas-Austritts – und womit ist zu rechnen?

Wir sprachen mit Bernhard Kumle, dem Direktor der Klinik für Akut- und Notfallmedizin am Schwarzwald-Baar-Klinikum in Villingen-Schwenningen.

Der Fachmann unterscheidet: Da gibt es Reizgas, meist CS- oder CN-Gas, und sogenanntes Pfefferspray mit Capsaicin aus Chilischoten, erklärt Kumle auf Anfrage. Beide können verschiedene medizinische Probleme verursachen, wobei Pfefferspray im Allgemeinen als stärker reizend als CS-Reizgas gelte.

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Das sind die häufigsten Auswirkungen

Das Reizgas oder Pfefferspray wirkt an verschiedenen Stellen auf unterschiedliche Weise. Zu den häufigsten Auswirkungen gehören:

  • Augen: starke Schmerzen, Brennen, Tränenfluss, verschwommenes Sehen und unwillkürliches Schließen der Augen. In seltenen Fällen können Kratzer der Hornhaut oder andere Augenverletzungen auftreten.
  • Atemwege: Husten, Niesen, Halsschmerzen, Atemnot und Engegefühl in der Brust. Menschen mit Asthma oder anderen Lungenerkrankungen können schwere Atembeschwerden entwickeln.
  • Haut: Brennen, Rötung, Juckreiz und Hautreizungen. Bei empfindlicher Haut oder längerer Einwirkung können stärkere Entzündungen auftreten.
  • Nase und Mund: starkes Brennen, vermehrter Speichelfluss und Schluckbeschwerden.
  • Allgemein: Panik, Desorientierung und vorübergehende Beeinträchtigung der Seh- und Handlungsfähigkeit

In seltenen Fällen könne es, so Kumle, zu schwerwiegenden Komplikationen kommen. Dazu gehören: schwere Asthmaanfälle oder Atemversagen, insbesondere bei Vorerkrankungen, allergische Reaktionen, Augenverletzungen mit anhaltenden Sehproblemen, Verletzungen durch Stürze oder Panikreaktionen.

Was sollte man tun?

Wer mit Reizgas konfrontiert wird, kann einige recht einfache erste Maßnahmen ergreifen. Der Klinikdirektor rät beispielsweise dazu, die Augen ausgiebig mit reichlich sauberem Wasser oder Kochsalzlösung zu spülen, und das mindestens zehn bis 15 Minuten lang. Kontaktlinsen seien zu entfernen und kontaminierte Kleidung sollte ausgezogen werden. Auch die Haut mit Wasser und milder Seife zu waschen, hilft. Ganz wichtig: „Die Augen nicht reiben, da dies die Reizung verstärken kann.“

Wann muss man zum Arzt?

In manchen Fällen wird auch der Gang zum Arzt angeraten. Laut Bernhard Kumle sollten Betroffene nach einem Kontakt mit Reizgas das bei anhaltender oder starker Atemnot tun. Auch wenn die Augenschmerzen oder Sehverschlechterungen nach dem Spülen anhalten oder Bewusstseinsstörungen auftreten.

Das Auge einer Patientin beim Augenarzt: ILLUSTRATION - Fremdkörper im Auge? Vorsichtig ausspülen oder doch zum Arzt – es kommt drauf an. (zu dpa: «Ins Auge gegangen: Wann spülen hilft - und wann der Arzt») Foto: Marijan Murat/dpa/dpa-mag - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes dpa-Magazin +++ dpa-Magazin +++

Die Augen sorgfältig und lange ausspülen, das ist eine der wichtigsten Sofortmaßnahmen im Ernstfall, so Bernhard Kumle.

Marijan Murat/dpa-mag/dpa

Bei schweren allergischen Reaktionen, etwa Schwellungen im Gesicht oder Hals, rät Kumle ebenso zum Arztbesuch wie wenn Symptome sich nach etwa einer Stunde nicht deutlich gebessert haben oder sich gar verschlimmern. Generell gilt: Bei Personen mit Asthma, COPD oder anderen Atemwegserkrankungen könne die Reaktion jedoch deutlich schwerer ausfallen und eine ärztliche Behandlung erforderlich sein.

Doch der Mediziner des Kreisklinikums hat auch eine beruhigende Information für alle Betroffenen: „Bei den meisten gesunden Menschen klingen die Beschwerden innerhalb von 30 Minuten bis wenigen Stunden ab.“