Arbeitszeiten im Schwarzwald-Baar-Kreis: Verlässlichkeit ist wichtiges Gut

Ob Pflege von Angehörigen oder Kinderbetreuung - beides muss mit dem Beruf vereinbar sein und mit den Arbeitszeiten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten warnt vor einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags.
Mascha Brichta/dpa- NGG warnt vor Aufweichung des Acht-Stunden-Tags – Sorge um Vereinbarkeit von Job und Familie.
- Im Schwarzwald-Baar-Kreis hat nur knapp 29 Prozent der Unter-Dreijährigen einen Kitaplatz.
- Landesweiter Bedarf laut DJI: Eltern wünschen 46 Prozent Betreuungsquote bei Unter-Dreijährigen.
- Längere Arbeitstage erschweren Kinderbetreuung und Pflege, besonders für Frauen.
- NGG fordert bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kita-Plätze statt längerer Arbeitszeiten.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es für rund 1.730 Kinder unter 3 Jahren einen Kitaplatz. Die Betreuungsquote liegt damit nach Angaben der amtlichen Statistik bei knapp 29 Prozent. „Das ist zu wenig. Vor allem wenn Eltern arbeiten, müssen sie sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden“, sagt Burkhard Siebert von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG).
Gewerkschaft sieht erhebliche Probleme
So liege der landesweite Bedarf, den Eltern bei der Betreuungsquote von Unter-Dreijährigen in Baden-Württemberg haben, bei 46 Prozent. Die NGG beruft sich dabei auf eine Studie des Deutschen Jugendinstituts (DJI). Erhebliche Probleme sieht die Gewerkschaft jetzt auf Eltern im Schwarzwald-Baar-Kreis zukommen. Grund sind Pläne der Bundesregierung, das Arbeitszeitgesetz zu ändern und den Acht-Stunden-Tag abzuschaffen: „Wenn das passiert, dann bricht für Eltern jede Planung bei der Kinderbetreuung zusammen. Denn dann kann ein Arbeitstag auch mal zwei oder sogar dreieinhalb Stunden länger werden. Mit Verlässlichkeit, die Eltern dringend brauchen, hat das nichts mehr zu tun“, sagt Burkhard Siebert. Denn eine verlässliche Betreuung sei gerade für berufstätige Eltern wichtig.
„Meistens sind Kita- und Arbeitszeiten schon jetzt auf Kante genäht – also eng miteinander abgestimmt: Wer sein Kind in der Kita hat, der muss es auch pünktlich wieder abholen, bevor die Kita schließt. Aber wenn der Chef demnächst aus einem Acht-Stunden-Tag einen Arbeitstag mit zehn oder zwölf Stunden am Stück machen kann, wird es für Familien nahezu unmöglich, ihren Alltag verlässlich zu planen“, sagt Burkhard Siebert. Am Ende beeinträchtige das sogar die Berufstätigkeit der Eltern.
Mehr Frauen als Männer betroffen
Kritisch werde das auch für die Pflege: „Wer sich zu Hause – zum Beispiel in enger Absprache mit Pflegediensten – um Angehörige kümmert, kann alles gebrauchen, aber keinen XL-Arbeitstag“, sagt der Geschäftsführer der NGG Baden-Württemberg-Süd. Auch bei der Pflege gelte: „Verlässlichkeit ist das A und O“, so Siebert. Schon deshalb sei die von der Bundesregierung geplante Aufweichung des Acht-Stunden-Tages „Gift für alle, die im Moment alles daransetzen, den Spagat zwischen Job und Familie zu schaffen“.
Betroffen seien hier vor allem Frauen: 51 Prozent von ihnen gaben, so die NGG, bei einer bundesweiten Beschäftigtenbefragung (Index Gute Arbeit) des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) an, sich zu Hause um Angehörige – gerade um Kinder oder Ältere – zu kümmern. Bei den Männern seien es 41 Prozent.
Es braucht bessere Bedingungen
Schon heute hätte gut ein Fünftel aller Beschäftigten häufig Probleme, Familie und Job zeitlich zu vereinbaren. Bei alleinerziehenden Frauen seien dies aktuell sogar 42 Prozent. „Sollte Schwarz-Rot jetzt den Acht-Stunden-Tag abschaffen und bei der Wochenarbeitszeit ein Höchstlimit von 48 und in Ausnahmefällen sogar bis zu 73,5 Stunden setzen, würde die Bundesregierung damit echte Probleme für viele Familien im Schwarzwald-Baar-Kreis provozieren – im Job und in der Familie“, warnt NGG-Geschäftsführer Burkhard Siebert.
Dabei suchten nicht nur das Gastgewerbe und das Lebensmittelhandwerk, sondern auch viele Betriebe der Nahrungsmittelindustrie händeringend qualifiziertes Personal. „Den Arbeitskräftemangel in diesen Betrieben lösen wir nicht durch längere Arbeitstage, sondern durch bessere Arbeitsbedingungen und mehr Kita-Plätze“, so Burkhard Siebert. Außerdem seien längere Arbeitstage auch eine Gefahr für die Gesundheit: „Nach acht Stunden im Job steigt das Unfallrisiko immer mehr an. Nach zwölf Stunden ist es sogar doppelt so hoch wie bei einem regulären Acht-Stunden-Tag“, so Siebert. Aber auch Schlafstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Burnout könnten die Folge von zu langen Arbeitstagen sein.
