Abschied aus dem Kulturamt: So hat Andreas Dobmeier die Kultur in Villingen-Schwenningen verändert

Hier hat sich der scheidende Kulturamtsleiter Andreas Dobmeier besonders gerne aufgehalten: im Villinger Theater am Ring, dessen Bühnenprogramm er – zusammen mit dem des Franziskaner Konzerthauses – 20 Jahre lang kuratierte.
Mareike Kratt- Abschied aus dem Kulturamt: Andreas Dobmeier geht ab Juli in den Ruhestand.
- Er leitete seit 2005 das Kulturamt, kuratierte 20 Jahre Theater und Konzerte.
- In der Interims-Phase 2024 übernahm er erneut und stellte die Spielzeit 2024/25 auf.
- Er etablierte neue Formate, stärkte Kinder- und Jugendarbeit und verdoppelte Veranstaltungen.
- Nachfolge geregelt – Anetta Käfer führt operativ, Jens Daryousch Ravari ist künstlerischer Leiter.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eigentlich könnte Andreas Dobmeier schon seit mehr als vier Jahren seinen Ruhestand genießen, könnte – außer seiner noch bestehenden Engagements in der Kulturarbeit, etwa der Vorsitz im Sinfonieorchester VS – mit seiner Frau die bereits anvisierte große Reise durch Europa unternehmen.
Doch nach rund zwei Jahren Vorruhestand sollte 2024 alles wieder anders kommen, nämlich als es darum ging, die kurzfristig wieder vakant gewordene Stelle des Kulturamtsleiters vorübergehend nochmals zu übernehmen – jene Stelle, die Dobmeier zuvor mehr als 17 Jahre gewissenhaft und mit Passion erfüllt und 2022 abgegeben hatte.
Viele Herausforderungen warten in der Interims-Zeit
„Als der OB mich angerufen hatte, war klar, dass ich's mache“, sagt der gebürtige Bayer sofort. Und er wusste, worauf er sich nochmals einlassen sollte: Nicht nur die Stelle des Leiters der Städtischen Galerie, sondern auch die der Schwenninger Museen war damals unbesetzt. Unklar auch die Frage, wie es mit der Schwenninger Museumslandschaft überhaupt weitergeht, nachdem das Museumsprojekt Bürk-Areal gestorben war.
Zudem musste die neue Spielzeit 2024/25 noch auf den Weg gebracht werden – zusammen mit Kulturamtsmitarbeiterin Sandra Bummel sei das innerhalb von sechs Wochen auch geglückt. Überhaupt hätte das – zum größten Teil neu aufgestellte – Kulturamtsteam super mitgezogen, habe man die Herausforderungen gemeinsam gut gemeistert.
Doch wenn Andreas Dobmeier nochmals innehält, blickt er nicht nur auf die letzten zwei Jahre, sondern auf seine grundsätzliche Schaffenszeit seit 2005 zurück, in der er weitreichende Projekte, neue Veranstaltungsformate und strukturelle Meilensteine initiierte, organisierte und etablierte: An erster Stelle nennt er das Theater- und Konzertprogramm, das der Leiter 20 Jahre lang kuratierte und dessen Veranstaltungen er verdoppeln und infolge die Abozahlen kontinuierlich steigern konnte.
Internationale Stars sind regelmäßig zu Gast
Nicht ohne Stolz erwähnt Dobmeier dabei, dass gerade die Meisterkonzerte immer wieder von internationalen Musikern und Dirigenten gespikt waren, man auch in der Kammermusik hervorrangende Ensembles engagieren konnte. Das liege aber auch an den gegebenen Möglichkeiten mit Franziskaner-Konzerthaus und Theater am Ring.
Fürs Theater habe man ebenso immer wieder hochkarätige Bühnen aus Großstädten herbekommen, und auch in der Sparte Tanz, die der Kulturamtschef eigens eingeführt hatte, seien regelmäßig Bühnen aus der ganzen Welt zu Gast. Nicht umsonst also bezeichnet Andreas Dobmeier das Theater am Ring als „Fenster der Welt“.
Ohne Kinder- und Jugendarbeit geht's nicht
In diesem Zusammenhang erwähnt er auch die Kinder- und Jugendarbeit. Da ist nicht nur das umfangreiche Jugendtheaterprogramm, da ist auch das Kindertheater, mit denen Impulse gesetzt werden sollen, ebenso wie mit der Auftakt-Konzertreihe für junge Menschen oder die Reihe Junges Podium in Kooperation mit der Musikhochschule in Trossingen. Die Gründung der Musikakademie 2005 als Alternative nach Schließung der Jugendmusikschule kann sich Dobmeier ebenso auf seine Fahnenstange schreiben.
Erfolge gab es zudem mit Formaten wie VSswingt oder den diversen Veranstaltungen im Zuge der 1200-Jahr-Feier wie Lange Tafel, Bürgertheater oder Blasmusikfestival.
Das Dilemma mit der Schwenninger Kulturnacht
Ebenso aus seiner Feder stammt die Lange Schwenninger Kulturnacht, die erstmals 2005, angelegt als Fest von Bürgern für Bürger, stattfand und sich immer mehr zu einer Großveranstaltung entwickeln konnte. Die größte Herausforderung in den letzten Jahren seien die steigenden Sicherheitsmaßnahmen, durch die eine Kostendeckelung kaum mehr möglich sei – ein Dilemma, wie Dobmeier findet. Dass die Kulturnacht im Zuge der Haushaltseinsparungen nun mehr alle zwei Jahre stattfindet, sei nachvollziehbar – im Übrigen sei dieser Vorschlag aus dem Kulturamt selber gekommen.
Dass die Kultur als freiwillige Leistung immer auf dem Prüfstand stand und steht und um ihre Existenzberechtigung zu kämpfen hat, hat Andreas Dobmeier aber schon immer begleitet. Herausfordernd seien manche Diskussionen und Entscheidungen mit dem Gemeinderat gewesen, „die mögliche Schließung des Theaters am Ring hat mich umgetrieben“, gibt der scheidende Leiter heute zu.
Zurück bleibt ein gutes Gefühl
Dankbar zeigt er sich, dass die beiden Oberbürgemeister – Rupert Kubon und Jürgen Roth – während seiner Amtszeit ihm stets vertraut und freie Hand gelassen hätten. Dadurch habe er kreativ sein und versuchen können, ein adäquates Kulturangebot zu schaffen und aufrecht zu erhalten. „Ich glaube, es ist mit weitestgehend gelungen“, kann Dobmeier mit einem guten Gefühl auf 20 ereignisreiche Jahre zurückblicken.
Was ihn in erster Linie angetrieben habe: die Kulturarbeit als Bildungsarbeit anzusehen, die heute wichtiger denn je sei. Impulse setzen und Möglichkeiten schaffen, damit Kinder mit Kultur in Berührung kommen, sei dabei grundlegend, auch für die kulturelle Zukunft der Stadt. Denn: „Das Kulturangebot macht etwas mit einer Stadt“, findet er. „Es verändert die Atmosphäre und erhöht die Lebensqualität.“
Die neue Führungsspitze im Kulturamt Villingen-Schwenningen
Zum 1. Juli verlässt Andreas Dobmeier nach mehr als 20-jähriger Tätigkeit das Kulturamt VS. Als Nachfolgerin ist bereits seit Anfang des Jahres Anetta Käfer im Amt, die Dobmeier noch eingelernt hatte. Während sie für operative und strategische Planungen zuständig ist, ist Jens Daryousch Ravari neuer künstlerischer Leiter. Diese neu geschaffene Intendanten-Stelle hat er im Frühjahr angetreten.

