Trauer um Myrta Stieber
: St. Georgener Mundartdichterin ist tot

Das Dichten in St. Georgener Mundart war ihre Leidenschaft, die sie von klein an und noch bis ins hohe Alter begleitete. Nun ist Myrta Stieber im Alter von 98 Jahren gestorben.
Von
Helen Moser
Oberndorf
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Myrta Stieber – hier auf einem Foto von 2016 zu sehen – ist für ihre Gedichte in St. Georgener Mundart bekannt. Nun ist sie im Alter von 98 Jahren gestorben. (Archivfoto)

Stephan Hübner

Myrta Stieber ist tot. Als echtes St. Georgener Urgestein traute sich nicht nur als erste Frau in der Bergstadt in die Bütt und machte sich mit ihren Gedichten in Mundart um den Erhalt des hiesigen Dialekts verdient, sondern war auch sonst vielfältig engagiert.

Geboren wurde sie am 28. Oktober 1926 als Myrta Übelhardt in St. Georgen. Und der Bergstadt blieb sie als Wohnort treu, so lange sie lebte. Aufs Gymnasium ging es nach Villingen, wo sie auch ihr Abitur ablegte. Besonders die Fächer Geschichte und vor allem Deutsch hatten es Stieber angetan – und schon während der Schulzeit verfasste sie immer wieder Gedichte, etwa für Hochzeiten und Klassenfeste.

Das Dichten war eine Leidenschaft, die Stieber bis ins hohe Alter nicht losließ. „Das Mundwerk läuft noch“, scherzte sie 2016 anlässlich ihres 90. Geburtstags – das sei das Wichtigste. Und auch schreiberisch sei sie hin und wieder noch immer aktiv, berichtete sie damals.

Immer wieder drehten sich ihre Texte auch um Geschichten „aus dem Städtle“ – natürlich verfasst in St. Georgener Mundart. Denn diese zu bewahren, war Stieber ein großes Anliegen. Zwei Büchlein brachte Stieber heraus: „Von de alde Zit un de luschtige Lit“ und „Alde Gschichtle un Gedichtle zum Lache un Bsinne“.

Beruflich schon in jungen Jahren viel erlebt

Auch wenn die Leidenschaft fürs Dichten stets eine Konstante war, erlebte Stieber beruflich wechselvolle Zeiten. Nach dem Abitur arbeitete sie beim Unternehmen Kieninger und Obergfell, heute Kundo. Danach kam sie für ein halbes Jahr zum Reichsarbeitsdienst, wo sie unterschiedliche Arbeitseinsätze zugewiesen bekam: als Hausmagd bei kinderreichen Familien arbeiten oder beim Apotheker Pillen sortieren gehörten dazu.

Und Stieber war – wie viele andere junge Frauen – aufgefordert, Briefe an Soldaten im Krieg zu schreiben. Sie schrieb an mehrere Soldaten, unter anderem an Walter Stieber, der aus dem Sudetenland stammte. Nach anderthalb Jahren besuchte er die damals 18-Jährige erstmals. Bei Kriegsende musste er flüchten – und stand plötzlich vor der Tür. 1948 heirateten die beiden. 1953 wurde Sohn Gerd geboren.

Im Gemeinderat und in Vereinen aktiv

Zusammen mit ihrem Mann betrieb Myrta Stieber ab den 1960er- bis Anfang der 1980er-Jahre ein Elektrofachgeschäft in St. Georgen. 1994 starb Walter Stieber.

Auch sonst war sie in der Stadt überaus aktiv: Zwei Wahlperioden lang gehörte sie dem Gemeinderat an. Darüber hinaus war sie Gründungsmitglied des Fördervereins Schwarzes Tor sowie Mitglied im Tierschutzverein, in der Narrenzunft und im Verein für Heimatgeschichte.

Die Beerdigung findet am Mittwoch, 27. August, ab 12.30 Uhr auf dem Waldfriedhof in St. Georgen statt.

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