Reinigung in St. Georgen: Wie sieht es eigentlich in einer Orgel aus?

Ein Blick hinter den Orgelprospekt wirft Orgelbauer Markus Hilberl.
Helen Moser- In St. Georgen wird die Orgel in St. Georg grundgereinigt – 1744 Pfeifen sind ausgebaut.
- Orgelbauer reinigen, prüfen und polieren die Pfeifen und erneuern Leder an Balgen.
- Arbeiten umfassen auch elektrische Anlagen; die Maßnahme soll bis Weihnachten enden.
- Danach intonieren Experten jedes Register, anschließend wird die ganze Orgel gestimmt.
- Erste Grundreinigung seit dem Einbau vor 36 Jahren, empfohlen sind Wartungen jedes Jahr.
Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.
Es wird gewerkelt auf der Empore im hinteren Teil der katholischen Kirche in St. Georgen. Ein Balg, der üblicherweise für die Verteilung der Luft in der Orgel sorgt, hat seinen Platz im hinteren Teil der Orgel geräumt. Er liegt derzeit – aus dem Instrument ausgebaut und bereits mit neuem Leder versehen – einige Meter entfernt von seinem angestammten Platz auf einem Tisch. Unzählige Pfeifen aus Holz und Metall lagern aktuell links und rechts der Orgel. Und an allen Ecken und Enden des Balkons liegt Werkzeug.
Nach und nach nehmen Markus Hilberl und Christoph Keinert von Stehle Orgelbau im Haigerlocher Stadtteil Bittelbronn dieser Tage die Orgel der St.-Georgs-Kirche auseinander. Und setzen sie wieder zusammen – aber nicht, ohne zunächst sowohl das Innere der Orgel als auch die Pfeifen zu reinigen.
1744 Pfeifen sind es, welche die Orgelbauer gleich mehrfach in die Hand nehmen müssen – auch, um sie auf eventuelle Schäden zu überprüfen. Bevor sie wieder ihren Weg in die Orgel finden, müssen Macken etwa an den Metallpfeifen ausgebessert und die Pfeifen vom Dreck der Jahrzehnte befreit werden. Für die extra-attraktive Optik werden die Pfeifen zudem poliert.
Hinter der Schauseite verstecken sich tausende Pfeifen
Wobei Gottesdienstbesucher nur einen Bruchteil der Anstrengungen sehen werden: Von den mehr als 1700 Pfeifen, die der Orgel in der St.-Georgs-Kirche ihren Klang verleihen, ist beim Blick aus dem Kirchenraum auf die Empore nur ein Bruchteil sichtbar. Der sogenannte Orgelprospekt, also die Schauseite des Instruments, prägt die Optik des Instruments. Hinter diesen prominent platzierten Pfeifen befindet sich aber noch Reihe um Reihe weiterer Pfeifen, die ebenso die Aufmerksamkeit der Orgelbauer benötigen.

Normalerweise steht in jedem der Löcher eine Orgelpfeife – derzeit sind viele von ihnen zur Reinigung jedoch ausgebaut.
Helen MoserWobei die Pfeifen nicht die einzige Baustelle sind. Denn wo normalerweise Pfeife an Pfeife dicht an dicht steht, ist derzeit im Gehäuse der Orgel einiges an Platz. Viele der Rasterbretter, auf denen die einzelnen Register – sie vereinen jeweils die Pfeifen einer bestimmten Klangfarbe in verschiedenen Tonhöhen – im Inneren der Orgel normalerweise angeordnet sind, sind aktuell leer. Die Pfeifen warten, bereits gereinigt, ein paar Meter entfernt darauf, wieder an ihren angestammten Platz in die Orgel eingebaut zu werden. So erreiche man im Zuge der Reinigung Teile der Orgel, „wo man sonst einfach nicht so rankommt“, erklärt Hilberl.
Orgelbauer rechnen mit zwölf Wochen
Erneuert wird im Zuge der Reinigungsarbeiten etwa das Leder an den verschiedenen Balgen in der Orgel, welche die Luft – sie sorgt beim Ausströmen durch die richtigen Pfeifen für den unverwechselbaren Klang – im Instrument verteilen und für den richtigen Luftdruck sorgen. Das werde mit der Zeit porös, erklärt Hilberl. Auch an den elektrischen Anlagen wird gearbeitet – die sind teils in die Jahre gekommen und entsprechen nicht mehr den heutigen Anforderungen und Vorschriften.

Die ausgebauten Orgelpfeifen warten neben dem Instrument darauf, wieder eingebaut zu werden.
Helen MoserInsgesamt nehmen diese ganzen Arbeiten viele Stunden in Anspruch. Wie viele genau, sei schwierig zu sagen, meint Hilberl. „Aber wir reden auf jeden Fall von mindestens zwölf Wochen Arbeit“, welche die Orgelbauer in St. Georgen verrichten. „Das Ziel ist, dass wir bis Weihnachten fertig sind“, gibt er eine grobe Einschätzung.
Danach soll die Orgel wieder in voller Pracht erklingen. Auch dafür sorgen die Orgelbauer im Zuge der Reinigung, wie Hilberl erklärt: Zuerst werde jedes Register nach seinem Einbau in die Orgel intoniert. So stellen die Experten sicher, dass das Klangbild gleichmäßig ist und keine kratzenden, pfeifenden, zu lauten oder zu leisen Töne störend herausstechen. Und wenn wieder alle 27 Register eingebaut sind, wird die Orgel noch einmal als Ganzes gestimmt.

An der Orgel in der katholischen Kirche St. Georg wird derzeit gearbeitet.
Helen MoserAlle 20 bis 25 Jahre, sagt Hilberl, sollte die durchschnittliche Orgel grundgereinigt werden. Denn über die Jahre sammelt sich Staub aus der Luft in den Ritzen und Winkeln – so viel, dass sich die Verschmutzung irgendwann sogar im Klang der Orgel bemerkbar macht. „Man fragt sich gerne, wo der ganze Staub herkommt“, meint Hilberl. Aber im Laufe der Jahre und Jahrzehnte „ist da viel los“. Kirchenbesucher, die von außen ins Gebäude kommen, und auch Kerzenruß seien die beiden Hauptquellen.
„Wie ein Kundendienst beim Auto“
Die Reinigung und Überholung der Orgel „ist wie ein Kundendienst beim Auto“, zieht Hilberl eine Parallele. Die Maßnahme helfe, die Orgel langfristig in Schuss zu halten. Wobei man mit dem Kundendienst in St. Georgen genau genommen schon etwas im Verzug ist: Aktuell wird die Orgel in der St.-Georgs-Kirche erstmals grundlegend gereinigt, seit sie vor 36 Jahren eingebaut wurde.

Die Pfeifen, die in diese Löcher gehören, werden gereinigt und erst danach wieder eingebaut.
Helen MoserDamit ist die Orgel zwar noch vergleichsweise jung, wie Hilberl sagt: „Eine Orgel, die 40 Jahre alt ist, ist eine neue Orgel.“ Dennoch: Die Reinigung ist längst überfällig – das zeigt auch ein Gutachten des Orgelsachverständigen Georg Koch aus Singen. „Die Verschmutzung im Bereich des Pfeifenwerkes ist überdurchschnittlich“, schreibt er. Dadurch „leidet die Intonation etlicher Pfeifen“. Er listet einen umfangreichen Maßnahmenkatalog auf, den die Orgelbauer aus Bittelbronn derzeit abarbeiten.
Richtige Pflege ermöglicht lange Lebensdauer
Danach, empfiehlt Hilberl, sollte die Orgel jährlich gewartet werden. Eine größere Reinigung ist dann erst wieder in ein paar Jahrzehnten vonnöten. Und mit der richtigen Pflege steht einer langen Lebensdauer nichts im Wege, wie der Experte sagt. Natürlich gebe es immer Risiken – Schimmel oder einen Holzwurmbefall zum Beispiel. Und auch einen Brand würde das Instrument natürlich nicht überstehen. „Aber davon abgesehen: Wenn man sie hegt und pflegt, gibt es keinen Grund, dass sie kaputtgehen sollte.“

Die Schauseite der Orgel, den Prospekt, kennen die meisten Gottesdienstbesucher. Dahinter verbergen sich jedoch noch zahlreiche weitere Pfeifen und viel Mechanik.
Helen MoserIn St. Georgen könne man froh sein, über eine so große Orgel eines namhaften Herstellers zu verfügen. „Da haben sie damals alles richtig gemacht“, findet Hilberl.
Die Orgel
Die Orgel in der St.-Georgs-Kirche besitzt 1744 Pfeifen und 27 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Sie sorgt seit Ostern 1990 in der katholischen Kirche für den musikalischen Rahmen.
Ihre Geschichte beginnt bereits einige Zeit früher: Schon mit dem Abriss der alten St.-Georgs-Kirche und dem Bau des neuen Gotteshauses im Jahr 1960 war klar, dass für die neue Kirche auch eine neue Orgel angeschafft werden soll. Infolge der finanziellen Belastungen durch den Kirchenneubau wurde das Vorhaben jedoch erst mit einigen Jahrzehnten Verspätung umgesetzt.
Die ersten Planungen für das neue Instrument wurden in den 1970er-Jahren in Angriff genommen. Am 3. Dezember 1987 wurde die neue Orgel schließlich bei der Bonner Orgelbaufirma Klais bestellt. Im März 1990 kamen die Orgelbauer in die St.-Georgs-Kirche, um die Einzelteile zu montieren, das Eichenholzgehäuse aufzustellen und die technischen Einrichtungen zu installieren. Fünf Mitarbeiter des Bonner Unternehmens benötigten sechs Wochen für die Montage.



