Kirchenkonzert in Triberg: Barockensemble verabschiedet sich mit herrlicher Musik

Einen grandiosen Schlusspunkt setzte das Barockensembles der Wiener Symphoniker. In vorderer Front (von links): Konzertmeister Alexander Burggasser, der zweite Geiger Helmut Lackinger, Trompeter Andreas Gruber, Dirigent Christian Birnbaum und Trompeter Heinrich Bruckner. Cellist Andreas Pokorny (rechts) verlässt das Ensemble nach 37 Jahren.
Siegfried KoubaEin großes Publikum erlebte euphorisch das „Festkonzert 300 Jahre Alessandro Scarlatti“ des Barockensembles der Wiener Symphoniker in der Wallfahrtskirche Maria in der Tanne.
In die Begeisterung mischten sich Wermutstropfen, denn möglicherweise war es nach zwanzig Jahren der letzte Auftritt in Triberg. Dessen ungeachtet: Das Positive soll überwiegen, denn herrliche Musik von Scarlatti und seinen Zeitgenossen wurde geboten. Ausgewählt hatte sie Christian Birnbaum. Ihm war neben energisch-lebhafter Dirigierkunst eine sympathische Moderation mit nuancenreicher Information zuzuschreiben.
Heraus ragten die Solisten-Werke wie die „Sonata a cinque“ von Guiseppe Torelli, wobei Andreas Gruber mit dem „Instrument der Könige“ glänzte. Der Ton seiner Piccolo-Trompete war bestechend direkt, voluminös und hell schallend. Sein Spiel war technisch perfekt mit eingängiger musikalischer Gestaltung, besonders der Ornamentik.
In nichts nach stand ihm sein Kollege Heinrich Brucker. Markant und strahlend erklang auch seine Trompete. Bestens war das Zusammenspiel auch bei Echowirkung – ein perfektes Duo bei Telemanns gehaltvoller „Ouvertüre in D-Dur“, das zusammen mit dem Tutti einen festlich-bombastischen Auftakt (Pauken: Daniel Piedl), ein munteres Menuett mit ruhigem Trio, fürstlichen Glanz einer Gavotte, prächtige Tonentfaltung der Passacaglia, eine innige „Air“, Hörnerklang bei „Les Postillons“ und eine schmetternde Fanfare bot.
Intensiv bis einfühlsam
Als Pendant traten Violinisten bei Bachs populären Doppelkonzert BWV 1043 auf: Der Nachfolger von Guillermo Büchler, Konzertmeister Alexander Burggasser, der mit intensiv-starkem, leicht metallischem Ton gefiel, und der Mann am zweiten Pult, Helmut Lackinger, der eher geschmeidig-einfühlsam und mit samtigem Klang seinen Part übernahm.
Mitreißend waren die Tempi der Ecksätze. Geradezu atemberaubend war der Einstieg ins Vivace, das von Themenbehandlung über Intervallsprünge bis Zusammenspiel begeisterte. Weit ausschwingend, ruhig, unbeschwert, mit herzlicher Ausstrahlung und mit elegantem Fluss wurde das Largo geboten, gleichzeitig Zeugnis für die geniale Kompositionsarbeit des Meisters. Prickelnd spritzig war schließlich das finale Allegro.
Streitbarer Neapolitaner
Zu den bekanntesten Musiken des Barock gehört Vivaldis „Alla Rustica“. Als Konzertauftakt geboten, bewies das Ensemble seine Qualität. Lebendige Frische bewegte das Presto, festlich erklang das Adagio mit schönem Zierrat des Cembalos, und überzeugend gelang der tänzerische Impetus des Schlusssatzes.
Mit zwei Kompositionen wurde des am 24. Oktober 1725 verstorbenen Alessandro Scarlatti gedacht. Der streitbare Neapolitaner war eine Berühmtheit, die für Neuerungen sorgte. Die ideenreiche Fülle seiner Schöpfungen wurde beispielhaft mit den Concerti grosso F-Dur und f-Moll demonstriert.