Kinderbetreuung in Schonach
: 620 Euro für zwei Kindergartenkinder – Elternbeiträge steigen

Mit der beschlossenen Gebührenerhöhung wächst die Belastung für Familien. Die Gemeinde verweist auf steigende Kosten und hohe Zuschüsse für die Betreuung.
Von
Claudius Eberl
Schonach
Jetzt in der App anhören
Kindergarten Gebühren

Familien in Schonach müssen künftig mit höheren Ausgaben für die Betreuung ihrer Kinder rechnen. Der Gemeinderat hat die Erhöhung der Elternbeiträge beschlossen. (Symbolbild)

© Mediaparts – stock.adobe.com
  • Schonach erhöht Elternbeiträge für Kitas, Gemeinderat stimmte zu mit einer Gegenstimme.
  • Empfehlung der Verbände: plus 4,5 Prozent für das Kindergartenjahr 2026/2027.
  • Beispielbelastung: Für U3 und Ü3 an fünf Tagen fallen im St. Raphael rund 620 Euro pro Monat an.
  • Kostendeckung bleibt niedrig: 14,34 Prozent St. Raphael, 12,59 Prozent Waldkindergarten, 13,83 Prozent Kinderhaus.
  • Elternvertreter fordern Differenzierung statt pauschaler Erhöhung – Gemeinde zahlt pro Kind rund 1000 Euro.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Nachdem die Diskussion um die Schließung einer der beiden Waldkindergartengruppen im Mai hohe Wellen geschlagen hatte, stand das Thema Kindergarten nun erneut auf der Tagesordnung. Grundlage der Beratung waren die aktuellen Empfehlungen der kirchlichen und kommunalen Landesverbände. Diese sehen für das Kindergartenjahr 2026/2027 eine Erhöhung der Elternbeiträge um 4,5 Prozent vor.

Bereits im vergangenen Jahr hatten die Verbände eine Erhöhung von 7,5 Prozent empfohlen. Dieser Empfehlung war die Gemeinde Schonach jedoch nicht vollständig gefolgt und hatte die Gebühren lediglich um fünf Prozent angehoben. Bürgermeister Jörg Frey erläuterte dabei auch die unterschiedlichen Berechnungsmodelle für die Elternbeiträge. Während Schonach das sogenannte württembergische Modell anwendet, bei dem alle Kinder eines Haushalts bis zum 18. Lebensjahr berücksichtigt werden, zählt beim badischen Modell ausschließlich die Zahl der Kinder, die gleichzeitig einen Kindergarten besuchen.

Aufgrund der angespannten Haushaltslagen werde in vielen Kommunen inzwischen eine Rückkehr zum badischen Modell diskutiert. Angestrebt werde grundsätzlich eine Kostendeckung der Kindergärten durch Elternbeiträge von rund 20 Prozent.

Weit entfernt von der Kostendeckung

Davon ist Schonach derzeit jedoch deutlich entfernt. Die Kostendeckungsgrade liegen aktuell bei 14,34 Prozent im Kindergarten St. Raphael, 12,59 Prozent im Waldkindergarten sowie 13,83 Prozent im Kinderhaus Gipfelstürmer. Mit Blick auf die rückläufigen Geburtenzahlen rechnet die Verwaltung auch künftig mit sinkenden Kinderzahlen. Dies könne weitere Gruppenschließungen und damit verbundene Personalanpassungen erforderlich machen.

„Wie jedes Jahr müssen wir uns mit diesem Thema beschäftigen – auch wenn wir das nicht gerne tun“, erklärte Bürgermeister Frey. Die vorgeschlagenen Erhöhungen seien zuvor im Kuratorium gemeinsam mit Vertretern der katholischen Kirche und den Elternvertretern beraten worden. Die Elternvertreter hätten die Erhöhungen zwar kritisch gesehen, gleichzeitig aber Verständnis für die finanzielle Situation gezeigt. Sie regten jedoch an, die Mehrkosten nicht ausschließlich den Eltern aufzubürden, sondern auch Gemeinde, Kirche, private Träger und Land stärker zu beteiligen.

So stark sind Familien belastet

Wie hoch die Belastung für Familien inzwischen ist, verdeutlichte Frey anhand eines Beispiels: Für eine Familie mit einem Kind in der U3- und einem Kind in der Ü3-Betreuung an jeweils fünf Betreuungstagen pro Woche würden im Kindergarten St. Raphael künftig rund 620 Euro monatlich anfallen.

Gemeinderätin Petra Hettich verwies darauf, dass Schonach gemessen an seiner Größe über ein außergewöhnlich breites und vielfältiges Betreuungsangebot verfüge. Ihrer Ansicht nach sollte die Kinderbetreuung grundsätzlich Aufgabe des Landes sein. Unverständnis äußerte sie darüber, dass in Thüringen kostenfreie Kindergartenplätze angeboten würden, während das Bundesland zugleich zu den Empfängern im Länderfinanzausgleich gehöre. Am Ende beschloss der Gemeinderat die vorgeschlagene Beitragserhöhung bei einer Gegenstimme.

Diskussion mit Elternvertretern

Im Anschluss an die Sitzung nutzten Elternvertreter die Gelegenheit für Nachfragen zu den Kindergartengebühren. Dabei wurde hinterfragt, wie die angestrebte Kostendeckung von 20 Prozent berechnet werde. Zudem wurde der Eindruck geäußert, die Gebührenerhöhung sei nach nur kurzer Diskussion beschlossen worden. Außerdem regten Elternvertreter an, die Gebühren nicht pauschal prozentual zu erhöhen, sondern die einzelnen Betreuungsformen unterschiedlich zu gewichten. Bürgermeister Frey verwies darauf, dass diese Überlegungen bereits mehrfach im Kuratorium diskutiert worden seien. Eine solche Änderung würde letztlich eine Umverteilung der Kosten bedeuten und müsste dort mehrheitsfähig sein. Zugleich machte er deutlich, dass die Gemeinde derzeit pro Kind monatlich rund 1000 Euro zuschieße. „Das zahlen am Ende auch wieder alle über ihre Steuern“, betonte Frey. Gemeinderätin Julika Reiner ergänzte, dass sich die Fraktionen bereits im Vorfeld intensiv mit dem Thema beschäftigt hätten. Von einer Entscheidung ohne ausführliche Beratung könne deshalb keine Rede sein.

Das Schwarzwälder BAARometer
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.