Hubschrauber über Furtwangen
: Wie Kalk kranke Waldböden im oberen Bregtal heilen soll

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau – doch über Wäldern im oberen Bregtal hängen weiße Wolken. Grund ist die Waldkalkung. Wozu sie dient – und was man nun wissen sollte.
Von
Helen Moser
Oberndorf
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Vom Kussenhof aus sind die derzeit laufenden Arbeiten zu beobachten.

Fridolin Bensel

Große Mengen an Kalk werden derzeit per Hubschrauber über den Wäldern bei Furtwangen, Neukirch und Gütenbach ausgebracht – zur Freunde des Ökosystems, nicht aber von Spaziergängern.

Über Details zur Bodenschutzkalkung informiert das die untere Forstbehörde des Landratsamts Schwarzwald-Baar-Kreis. Das sind die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wie lange dauert die Waldkalkung noch an?

Den Angaben des Landratsamts zufolge begannen die Arbeiten Ende Juli. Im Forstrevier Gütenbach/Neukirch soll die Waldkalkung bis Mitte August abgeschlossen sein, in Furtwangen wird sie der Mitteilung des Landratsamts zufolge noch bis Anfang September andauern.

Welche Auswirkungen hat die Waldkalkung auf Spaziergänger und Co.?

Die Arbeiten sorgen dafür, dass der „Waldzutritt räumlich eingeschränkt sein“ kann, erklärt das Landratsamt. Wege können gesperrt sein, da sie von Lastwagen befahren werden. Diese liefern Material an, welches dann über den Wäldern ausgebracht werden. Zudem ist neben Staubentwicklung auch mit „gelegentlich mit herabfallenden Klumpen verbackenen Kalkstaubs aus dem Streukübel des Helikopters zu rechnen“. Davor sollen Passanten geschützt werden.

Per Hubschrauber wird der Kalk über den Wäldern ausgebracht. (Archivfoto)

Foto: LFV, C. Dorsch

Eine gesundheitliche Gefährdung für Menschen stelle das Kalkmaterial, das aus natürlichem Dolomitgestein, Holzasche und Wasser besteht, jedoch nicht, wird Hubert Grieshaber vom Kreisforstamt in der Mitteilung des Landratsamts zitiert.

Wie läuft die Waldkalkung ab?

Es gibt zwei Möglichkeiten, die Bodenschutzkalkung vorzunehmen – entweder per Hubschrauber oder mit einem speziell ausgerüsteten Fahrzeug, das den Kalk vom Boden aus verbläst. Beide Methoden kamen im oberen Bregtal schon zum Einsatz; derzeit wird mit Hubschraubern gekalkt.

Was bringt die Waldkalkung?

Das erklärt Grieshaber in der Mitteilung des Landratsamts: „Mit der Ausbringung von Kalk wird der wurzelschädigenden, menschengemachten Versauerung der Waldböden entgegengewirkt und die natürlichen Regenerationsprozesse der Böden werden unterstützt. Eine entscheidende Grundlage für klimastabile Wälder, die viele wichtige Funktionen haben, beispielsweise als Wasserfilter, Rohstofflieferant, Kohlenstoffspeicherung und Erholungsraum. Im Ergebnis steigt damit die Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen spürbar an, was auch die Kohlenstoffspeicherung in den Böden verbessert.“

Wieso ist die Waldkalkung notwendig?

Viele Waldböden Baden-Württembergs sind dem Landratsamt zufolge in ihrer Funktion als Trinkwasserfilter, Pflanzenstandort und Lebensraum beeinträchtigt – maßgeblich durch die Industrialisierung insbesondere im 20. Jahrhundert. Säureeinträge aus der Luft in den Boden führten dazu, dass Nährstoffe ausgewaschen wurden und ein für viele Bodenlebewesen zu saures Milieu entstand. „Die Schäden durch die Bodenversauerung aus der Vergangenheit können die Waldböden nur zu Teilen selbstständig regenerieren“, teilt das Landratsamt mit – genau hier soll die Waldkalkung ansetzen und den Bodenzustand verbessern, indem der pH-Wert erhöht wird.

Wieso findet die Waldkalkung gerade an diesen Orten statt?

Um zu entscheiden, welche Waldböden gekalkt werden sollten, wertet die untere Forstbehörde des Kreises Informationen über den Bodenzustand durch die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) in Freiburg aus und ergänzt diese durch Bodenproben aus den betroffenen Waldflächen, informiert das Landratsamt. Die Maßnahmen werden dann mit der Naturschutz- und Wasserbehörde abgestimmt.

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