Debatte im Furtwanger Stadtgarten
: Zwischen Erinnerung und Abriss – was soll mit dem Kriegerdenkmal geschehen?

Sanieren, erhalten, abreißen? Das Denkmal von 1937 ist marode und steht bei der Neugestaltung des Stadtgartens plötzlich im Fokus. Im Furtwanger Gemeinderat prallen die Meinungen aufeinander.
Von
Stefan Heimpel
Furtwangen
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Kriegergedenken

Das Kriegerdenkmal aus dem Jahr 1937 im Furtwanger Stadtgarten, Alois-Herth-Anlage, war Thema bei einem Ortstermin des Gemeinderates. Bürgermeister Florian Merz (rechts) und Christian Marzahn vom Bauamt (links) gingen auf den schlechten Zustand des immer noch offiziell als Denkmal anerkannten Bauwerks ein. Hier sei eine Diskussion über die Zukunft und den Umgang mit diesem Denkmal nötig.

Stefan Heimpel
  • Gemeinderat diskutiert Zukunft des maroden Kriegerdenkmals im Stadtgarten Furtwangen.
  • Optionen stehen im Raum: erhalten, sanieren oder abreißen – Versetzung gilt als unwahrscheinlich.
  • Renaturierung der Breg macht das Denkmal sichtbarer, wodurch die Debatte an Fahrt gewinnt.
  • Bürgermeister betont Denkmalschutz, warnt aber vor weiterem Zerfall und Müllablagerungen.
  • Meinungen reichen von Erinnerungskultur bis Abriss für einen Spielplatz, Entscheidung steht aus.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Zu einem Lokaltermin traf sich der Gemeinderat im Stadtgarten, der Alois-Herth-Anlage gegenüber der Friedrichschule. Erstes Thema war der Zustand und die Zukunft des Kriegerdenkmals mitten im Stadtgarten. Auch eine ganze Reihe interessierter Bürger war dazu in den Stadtgarten gekommen.

Bürgermeister Florian Merz machte deutlich, dass man, gerade im Blick auf die Neugestaltung des Stadtgartens und vor allem des Uferbereichs an der Breg, auch die Zukunft des Denkmals überdenken müsse. Denn im Rahmen dieser Maßnahmen wird auch dieses Denkmal wieder mehr sichtbar, in den Mittelpunkt gerückt.

Gemeinsam mit Christian Marzahn vom Bauamt stellte Bürgermeister Merz Möglichkeiten vor. Es gelte nun, diese zu prüfen und zu diskutieren. Ganz wesentlich sei es, dass dies ein offiziell eingetragenes Kulturdenkmal ist. Allerdings sei der Zustand des Denkmals miserabel. So sei die früher einmal genannte Möglichkeit, das Denkmal zu versetzen, wohl nicht mehr möglich. Eine Sanierung sei denkbar, aber nur mit einem hohen finanziellen Aufwand. Die möglichen Zuschüsse für Sanierungen von einem solchen Denkmal seien häufig nicht so hoch.

Es wäre daher sinnvoll,  eine Entscheidung zu treffen, wie man künftig grundsätzlich mit diesem Denkmal umgehen wird, was man macht und ob man es hier behalten möchte. Wenn die Renaturierung der Breg – ein weiteres Thema bei diesem Ortstermin – durchgeführt wird, rückt das Denkmal mehr in den Mittelpunkt. Denn rundherum werden unter anderem auch Gehölze entfernt. Und dann wird die Diskussion um dieses Denkmal sicher zunehmen.

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Aktuell, so Bürgermeister Merz, sei das Denkmal kein Schmuckstück, sondern werde sogar als kleines Versteck mit Müllablagerungen genutzt. Wenn man hier nichts unternimmt, wird es durch massive Schäden am Beton zunehmend zerfallen. Roland Thurner (UL) deutet den Zerfall dieses Denkmals als Symbol des Zerfalls des Dritten Reiches. Daher sollte es erhalten, aber auf keinen Fall saniert werden. In der weiteren Diskussion wurde gesagt, dass das Denkmal optisch störe, aber als Teil der Erinnerungskultur erhalten werden sollte. Andere Äußerungen bezweifelten dagegen den Wert dieser Erinnerung, es komme niemand hierher, um dieses Denkmal anzusehen. Gerade auch für die junge Generation habe dieses Denkmal keine Aussage.

Kriegergedenken2

Neben den Furtwanger Gemeinderäten war auch eine ganze Reihe interessierter Bürger zum Ortstermin in den Stadtgarten gekommen. Die hier geäußerten Meinungen zum Kriegerdenkmal waren zum Teil sehr kontrovers. Diese Diskussion müsse in nächster Zeit weitergeführt werden.

Stefan Heimpel

Florian Klausmann forderte gar, es abzureißen und an dieser Stelle etwa einen Kinderspielplatz zu errichten. Dieses Thema wird also den Gemeinderat und auch die Bevölkerung in nächster Zeit noch beschäftigen.

Das Kriegerdenkmal

Das Denkmal wurde im Jahr 1937 – also während der Zeit des Nationalsozialismus – aufgestellt. Die Figurengruppe zeigt drei Frontsoldaten (teils stehend, teils kniend/kauernd). Monumentale Soldatendarstellungen dieser Art waren in den 1930er-Jahren weitverbreitet und sollten Stärke und opferbereiten Wehrwillen demonstrieren. Auf der Vorderseite steht unter anderem: „Sie hielten aus im Kampf und Sturmeswettern… Doch einen Heldenwillen beugt es nicht.“ Kritisiert wird bei diesem Denkmal unter anderem die Heroisierung von Krieg und Kampf. Monumente aus den 1930er-Jahren wurden oft gezielt dazu genutzt, die Millionen Verluste des Ersten Weltkriegs nachträglich mit einem angeblich „höheren Sinn“ aufzuladen und die Bevölkerung ideologisch auf kommende militärische Konflikte, den nächsten Weltkrieg, einzustimmen. 1977 wurde in einer Nacht am Furtwanger Kriegerdenkmal der Oberkörper des Soldaten, der hochaufgerichtet eine Handgranate genau Richtung Frankreich wirft, mithilfe eines Seilzugs abgetrennt.