Aktionstag in Schönwald: Klimawandel und Wolf – Weidetierhalter stehen vor großen Herausforderungen

Simon Zimmermann stellte Anschauungsobjekten zur Gestaltung von Zäunen zum Herdenschutz aus.
Stephan Hübner- Herdenschutz und schwierige Gelände prägten den dritten Schwarzwälder Weidetag in Schönwald.
- Organisatoren aus BLHV, EZB Weiderind und Naturpark zeigen praxisnahe Lösungen.
- Schutz durch Zäune, Hirtenschutzhunde und Beratung – Monitoring meldet fünf Wolfs-Territorien.
- Technik im Fokus: Pfähle per Raupe, mobile Zaunabwickler, Stromschlag beim Sprung.
- Zaunüberwachung via Bluetooth/Wlan; Erdung ist entscheidend, Prüfen an 15 Betrieben möglich.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Effektiver Herdenschutz war das Hauptthema des dritten Schwarzwälder Weidetags im Naturpark Südschwarzwald, der beim Hofcafé Näbbe Duss stattfand.
Laut Clemens Hug, Vorsitzender des Kreisverbands Villingen des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbands (BLHV), entstand das Herdenschutzprojekt vor vier Jahren als Kooperation von BLHV, Erzeugergemeinschaft (EZB) Weiderind und Naturpark Südschwarzwald. Die Organisatoren seien Leute aus der Praxis.
Weide sei für Biodiversität wichtig, auch seien Landwirte mit ihrem Maschinenpark bei Waldbränden aktiv. Manche Betriebe bekämen aber von der Haltungsform her Probleme.
Für Schönwald sei Weidetierhaltung von großer Relevanz, so Bürgermeister Christian Wörpel. Davon profitiere auch der Tourismus. Wichtig sei, dass es nicht nur Festzäune gebe. Herausforderungen seien auch Naturschutz, Steillagen, Wildtiere und Klimawandel.

Clemens Hug begrüßte die Besucher des dritten Weidetags.
Stephan HübnerMan könne stolz sein, im Kreis noch so viele Landwirte zu haben, so Landrat Sven Hinterseh. Der Strukturwandel sei ein stetiger Prozess, mit Betrieben gehe man sehr dialoghaft um, könne aber die Entwicklung bei der Anbindehaltung nicht aufhalten.
Faire Preise gefragt
Mit braunen Wiesen und Starkregen stünden Landwirte vor großen Herausforderungen. Diskutieren müsse man auch den Umgang mit Wolf und Biber. In Villingen-Schwenningen gebe es 450 Tiere in 55 Revieren. Das alles sei sehr aufwändig und koste viel. Er glaube aber nicht, dass die von Triberg initiierte Förderung von Weidetierhaltung der richtige Weg ist. Besser sei, dass der Verbraucher an der Ladentheke faire Preise zahlt.

Florian Armbruster demonstrierte mit Mitarbeitern das Einschlagen von Pfählen für Festzäune.
Stephan HübnerLaut Projektkoordinatorin Rebecca Müller gibt es in Sachen Zäune vieles, das im Schwarzwald noch nicht angekommen ist. 2021 habe man im Kreis den ersten Wolfsriss an Rindern festgestellt, schlichtweg unmöglich sei der Schutz nur durch Zäune, deshalb seien Herden wehrhaft zu gestalten.
Eine Möglichkeit seien auch Hirtenschutzhunde, so Ronja Schütz von der Forstlichen Versuchsanstalt. Wichtig für Betriebe seien Wahlmöglichkeiten und die Beratung am Betrieb. Sie stellte Monitoring von Beutegreifern vor. Für Wölfe gebe es in Baden-Württemberg derzeit fünf Territorien mit eindeutigen Nachweisen.

Sebastian Walter zeigte die automatisierte Abwicklung von mobilen Zäunen.
Stephan HübnerFlorian Armbruster, Geschäftsführer von „Zaunflo“, zeigte mit Mitarbeitern, wie per Raupe und Schlepper Pfähle metertief in den Erdboden gerammt werden.
Raupe und Hänger legen Mobilzäune aus
Sebastian Walter aus Rostock zeigte Abwickelmaschinen als selbstfahrende Raupe und Hänger für Traktoren, mit denen schnell Mobilzäune ausgelegt werden können. Zudem erläuterte er technische Möglichkeiten, durch die Raubtiere schon beim Sprung einen Stromschlag bekommen, nicht erst bei Berührung mit dem Boden.

Ronja Schütz von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt erläuterte die Verbreitung von Wölfen in der Region.
Stephan HübnerDie Firma Gallagher demonstrierte Zaunüberwachung per Bluetooth oder Wlan, um Störungen wie einen herabgefallenen Ast zu erkennen. Simon Zimmermann, Betriebsberater beim Herdenschutzprojekt, erklärte, dass Erdung Hauptbestandteil eines gut funktionierenden Zauns ist und zeigte Prüfmöglichkeiten. Die Spitzen müssten lang genug sein, um in feuchte Bodenbereiche zu kommen, ansonsten komme beim Tier zu wenig Strom an. Entsprechende Einrichtungen könne man bei 15 Betrieben in Augenschein nehmen, die im auf vier Jahre angelegten Projekt begleitet werden.
