Schramberger Talumfahrung
: Planung gestoppt – Kosten explodieren

Es ist ein herber Rückschlag für Schramberg: Die seit Jahren geplante Talumfahrung wird vorerst nicht weiterverfolgt. Statt der ursprünglich kalkulierten 158 Millionen Euro kostet das Projekt inzwischen bis zu 302 Millionen Euro.
Von
Karin Zeger
Schramberg
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Die Verkehrsprognose für Schramberg fällt  laut Regierungspräsidium deutlich niedriger aus als ursprünglich angenommen.

Die Verkehrsprognose für Schramberg fällt laut Regierungspräsidium deutlich niedriger aus als ursprünglich angenommen.

Johannes Fritsche
  • Talumfahrung Schramberg liegt auf Eis – aktualisierte Kosten machen das Projekt unwirtschaftlich.
  • RP Freiburg nennt 206 bis 302 Mio. Euro statt zuvor geschätzter 158 Mio. Euro im Jahr 2019.
  • Neue Verkehrsuntersuchung: 2040 werden nur rund 7000 Fahrzeuge täglich im Tunnel erwartet.
  • Stadt und IHK forderten zuletzt Fortschritte, doch Bund, Land und RP stoppten die Planung.
  • RP: Fokus liegt nun auf Erhalt von Straßen, Brücken, Stützmauern und Felssicherung.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Die Planungen für die Talumfahrung Schramberg werden bis auf weiteres nicht mehr fortgeführt. Darüber informiert das Regierungspräsidium Freiburg (RP) in einer Medienmitteilung die „Planungspause“ heißt. Der Grund: Das Projekt sei nach einer aktualisierten Kostenschätzung nicht mehr wirtschaftlich.

Abhängig von der Trassenvariante liegen die voraussichtlichen Kosten des Vorhabens laut RP inzwischen bei 206 bis 302 Millionen Euro. Im Jahr 2019 wurden die Kosten auf Basis der Planung von 2007 noch auf 158 Millionen Euro geschätzt. Ursache für den Anstieg sind die seither stark gestiegenen Baukosten sowie die neue Planung auf Basis der zwischenzeitlich geltenden Richtlinien.

Weniger Fahrzeuge als gedacht

Gleichzeitig habe eine aktuelle Verkehrsuntersuchung gezeigt, dass die Verkehrszahlen deutlich weniger zugenommen haben als prognostiziert. Grund dafür ist, dass sich die Einwohnerzahlen und das Gewerbe nicht signifikant verändert haben, gepaart mit einem bereits ausgebauten überörtlichen Straßennetz. Statt einer Belastung des Tunnels mit rund 10.000 Fahrzeugen täglich wird nun damit gerechnet, dass im Jahr 2040 täglich nur rund 7000 Fahrzeuge den Tunnel passieren würden.

Das sagt der Landrat

Landrat Christoph Keckeisen äußert sich zu der Entscheidung des RR so: „Die Entscheidung, die Planung der Ortsumfahrung Schramberg auf Eis zu legen, ist ernüchternd und aus Sicht des Landkreises auch enttäuschend. Schramberg und Umgebung brauchen eine Verbesserung der Verkehrssituation. Es gibt zwar die Notwendigkeit, dass angesichts knapper finanzieller Ressourcen Prioritäten gesetzt werden müssen. Die Entscheidung, die Planungen jetzt zu stoppen, darf allerdings nicht dazu führen, dass in Berlin und Stuttgart die Verkehrsprobleme vor Ort nun aus dem Blick geraten. Gerade die Schramberger Talstadt ist durch die hohe Verkehrsbelastung in ihrer weiteren Entwicklung eingeschränkt. Sie braucht dringend eine tragfähige Perspektive und wirksame Entlastung. Gleichzeitig geht es um die Verkehrssituation in der gesamten Region.“ Deshalb erwarten wir von Bund und Land, dass alternative Lösungen und konkrete Kompensationsmaßnahmen entwickelt werden, die sowohl der Talstadt Schramberg als auch den verkehrlichen Anforderungen unserer Region gerecht werden.“

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Noch vor wenigen Tagen haben sich Vertreter der Stadt Schramberg sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg zu einem Arbeitsgespräch im Schramberger Rathaus zum Thema Talumfahrung getroffen. Damals hieß es in einer Mitteilung: „Stadt und IHK fordern spürbare Fortschritte bei der weiteren Planung.“

„Ich verstehe inzwischen alle Bürger, die daran zweifeln, dass die Talumfahrung jemals kommt. Was wir jetzt brauchen, sind klare Aussagen, idealerweise ein klares Bekenntnis zur Talumfahrung. Dann muss es auch zügig mit der Planung voran gehen“, so Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr nach diesem Gespräch. „Von Bund und Land erwarten wir ein zügiges ‚Go‘ für die weitere Planung durch das Regierungspräsidium“, so Eisenlohr.

„Vernünftige Entscheidung“

Die Entscheidung gegen die Talsumfahrung ist das Ergebnis der Abstimmung zwischen den Verkehrsministerien des Bundes und des Landes und dem RP als zuständiger Straßenbaubehörde. Dem RP zufolge wurden für das Vorhaben alle Optimierungspotenziale ausgeschöpft, so dass aktuell keine wirtschaftliche Umsetzungsperspektive absehbar ist. Es bleibe abzuwarten, ob im Zusammenhang mit der Aufstellung eines neuen Bundesverkehrswegeplans zu gegebener Zeit Ansätze vorliegen, mit denen sowohl den verkehrlichen als auch den wirtschaftlichen Anforderungen Rechnung getragen werden kann, um das Projekt weiter zu verfolgen.

Das sagt die OBin

Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr teilt nach der jüngsten Entscheidung mit: „Es trifft uns, dass dieses über Jahrzehnte verfolgte Projekt, nach jahrelangem Hinhalten, vom Bund eingestellt wird: Für die Anwohner an der Oberndorfer Straße und Schrambergs weitere Stadtentwicklung ist das keine gute Nachricht. Gleichzeitig müssen wir jetzt, wo wir Klarheit haben, alles tun, um für Schrambergs Stadtentwicklung und die Anwohner der Bundesstraße kompensatorische Maßnahmen zu bekommen. Diese reichen von Fördermitteln für Fassadensanierung und Lärmschutz über Unterstützung für verkehrliche Umgestaltung in der Innenstadt. Hier stehen Bund und Land jetzt in der Pflicht.“

Das sagt Stefan Teufel

Der stellvertretende Vorsitzende der CDU Landtagsfraktion und Landtagsabgeordnete Stefan Teufel kritisiert das Bundesverkehrsministerium in Berlin. Der ländliche Raum mit der speziellen topographischen Lage im Schwarzwald erfordert einen „Topographie-Zuschlag“ bei der Bewertung zur Kosten-Nutzen-Relation der Ortsumfahrung in Schramberg. Die topographische Lage im Schwarzwald ist den Ministerien im Bund und dem Land bekannt. „Ich fordere das Bundesverkehrsministerium sowie das Landesverkehrsministerium in Baden-Württemberg auf, zügig Verbesserungen der Verkehrssituation vorzulegen“, so Teufel in einer Mitteilung. Die Ortsumfahrung Schramberg sei ein wichtiger Lückenschluss zwischen Offenburg und Rottweil. Des Weiteren diene sie zur verkehrlichen Entlastung der Menschen vor Ort.

„Uns ist klar, dass dies keine gute Nachricht für die Stadt Schramberg ist. Die Planung angesichts der mangelnden Wirtschaftlichkeit zum jetzigen Zeitpunkt nicht fortzuführen, ist jedoch die einzig vernünftige Entscheidung. Wir müssen unsere Kapazitäten bündeln, insbesondere dort, wo es am dringendsten ist – in der Erhaltung von Straßen, Brücken, Stützmauern sowie der Felssicherung“, erklärte Regierungspräsident Carsten Gabbert. Bei den Neubauprojekten ist der Fokus auf bereits fortgeschrittene Planungen zu legen, um sie zügig zum Abschluss bringen zu können.

Planung 2019 übernommen

Die Talumfahrung beschäftigt Schramberg seit Jahrzehnten. Für die Stadt ging es dabei vor allem darum, die hohe Verkehrsbelastung in der Innenstadt dauerhaft zu reduzieren und den Durchgangsverkehr angesichts der besonderen topografischen Lage künftig besser zu führen. Das RP hatte die Planung der Straße im Auftrag des Bundes im Jahr 2019 aufgenommen.