Schramberger Krankenhaus
: TikToker brechen in Lost Place ein – und stellen alles online

Ein TikToker veröffentlicht Videos, wie er in die Schramberger Klinik einbricht und das Gebäude durchsucht. Eine Straftat, die nicht ohne Folgen bleibt.
Von
Julia Maria Meene
Oberndorf

Auf TikTok zeigen drei Männer ihren Besuch im Schramberger Lost Place.

Fritsche / TikTok

Ein TikToker hat sich dabei gefilmt, wie er mit anderen Personen das verlassenes Krankenhaus in Schramberg betreten und durchsucht hat. In einem der Videos ist unter anderem zu sehen, wie die Männer durch einen Kellerschacht in das Gebäude einbrechen.

Das ehemalige Krankenhaus in Schramberg wird auf Social Media immer wieder als Lost Place angepriesen – insbesondere auf der Videoplattform TikTok. Erst vor kurzem hatte ein Beitrag zu der leerstehenden Klinik mehr als 300.000 Aufrufe erzielt und damit neue Aufmerksamkeit auf das Areal gelenkt. Unter dem Beitrag gaben einige Nutzer zu, schon einmal dort gewesen zu sein – und räumten damit öffentlich Hausfriedensbruch ein.

Auch im aktuellen Fall scheinen sich die Männer nicht bewusst darüber zu sein, dass Online-Geständnisse strafrechtliche Folgen haben können. In einer sechsteiligen Videoserie filmen die Männer ihren Besuch im Lost Place und stellen alles online zur Schau. Zwei der Männer sind in den Videos zu sehen, ein weiterer Mann scheint hinter der Kamera zu stehen und das Erlebte zu filmen.

Erst am vergangenen Mittwoch hat die Polizei drei Männer gestellt, die sich unbefugt im ehemaligen Krankenhaus aufgehalten haben. Laut Polizeiangaben gaben alle drei an, das alte Gebäude aufgesucht zu haben, um es als Lost Place zu filmen. Bei einem der Männer fanden die Beamten zudem Werkzeug und alte Schlüssel, die er als „Erinnerungsstücke“ mitgenommen hatte. Handelt es sich dabei um die drei Männer aus den TikTok-Videos?

Nicht zum ersten Mal am Klinik-Areal

Sie seien nicht zum ersten Mal vor Ort, sagt einer der Männer im Video: „Wir waren in diesem Lost Place schon mal und haben Stunden nach einem Eingang gesucht, aber keinen gefunden.“ Diesmal wollten sich die Männer damit wohl nicht geschlagen geben.

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„Wir konnten mit der Niederlage nicht leben, die wir letztes Jahr hier erlebt haben“, hört man eine Stimme sagen. „Dieses Mal finden wir einen Weg“, ist sich der Tiktoker sicher. „Wir sind den ganzen Tag hier und bleiben so lange, bis wir einen Weg finden.“

Einen offiziellen Eingang zum Gebäude gibt es aber nicht. Um illegales Betreten zu verhindern, sind alle Türen verschlossen. Die Stadt Schramberg hat das Gelände zusätzlich mit Bauzäunen gesichert und mit Ketten abgeschlossen. Dass sich die Männer bereits beim Betreten des Geländes strafbar gemacht haben, scheint ihnen egal zu sein.

Gitter entfernt und in Schacht geklettert

Zugang zum Gebäude verschaffen sich die Männer schließlich über einen Schacht, der in den Keller führt. Sie filmen sich dabei, wie sie das Gitter entfernen und einer der Männer in das Loch klettert.

In den Videos wird nach und nach gezeigt, wie es im verlassenen Krankenhaus aussieht – mit düsterer Musik und KI-Sprecherstimme unterlegt. Los geht es im großen Keller, der schließlich auch zu einer Treppe nach oben in das Hauptgebäude führt.

„In diesem Lost Place konnte man sich schnell verlaufen, wenn man nicht richtig aufpasst“, moderiert die KI-Stimme das Video. Nach ungefähr einer halben Stunde seien sie zu einer Tür nach draußen gelangt, die sich öffnen ließ. „Und damit fängt der Spaß erst richtig an“, heißt es im Video.

Dass der „Spaß“ für die drei Männer scheinbar mit der Polizei geendet hat, wird in den Videos nicht gezeigt. Stattdessen gibt es eine Tour durch fast das gesamte Gebäude inklusive Dachterrasse.

Müssen sich die drei Männer verantworten?

In den Kommentaren gibt der TikToker an, die Videoaufnahmen seien am vergangenen Mittwoch entstanden. Auch wenn davon in den Videos nichts zu sehen ist: Der Mann gibt zu, vor Ort erwischt worden zu sein. Er habe eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs erhalten.

Von einer weiteren Anzeige wegen Diebstahls schreibt er aber nichts. Ob es sich bei den Männern im Video tatsächlich um die Täter handelt, die vergangene Woche auf frischer Tat ertappt wurden, konnte das Polizeipräsidium Konstanz uns aus datenschutzrechtlichen Gründen weder bestätigen noch verneinen.

Wer beim Betreten fremder Grundstücke und Gebäude erwischt werde, habe laut Polizeisprecher Marcel Ferraro aber grundsätzlich zumindest mit einer Anzeige wegen Hausfriedensbruchs zu rechnen. Wer etwas beschädigt oder mitgehen lässt, gegen den wird zusätzlich wegen Sachbeschädigung oder Diebstahl ermittelt.

Die Faszination um „Lost Places“

„Lost Places“ sind verlassene Orte, etwa stillgelegte Fabriken, alte Krankenhäuser oder leerstehende Villen, die oft fotografiert oder gefilmt werden. Solange man das Gebäude nicht betritt, ist der Besuch in der Regel erlaubt. Wer jedoch ohne Zustimmung des Eigentümers hineingeht, macht sich in den meisten Fällen wegen Hausfriedensbruch strafbar. Wichtig ist außerdem: Nichts darf beschädigt oder entwendet werden.

Auch für Besucher kann das Betreten oft gefährlich sein: Viele „Lost Places“ sind marode, Teile der Bausubstanz können einstürzen, Glasscherben oder Metallteile stellen Verletzungsgefahren dar.

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