Nach Hype auf Social Media: Stadt Schramberg sieht leerstehende Klinik nicht als „Lost Place“

Das ehemalige Klinikareal in Schramberg wird auf Social Media immer wieder als Lost Place angepriesen. (Archivfoto)
WegnerDas ehemalige Krankenhaus in Schramberg wird auf Social Media immer wieder als sogenannter Lost Place angepriesen. Erst vor kurzem hatte ein Beitrag zu der leerstehenden Klinik auf TikTok mehr als 300.000 Aufrufe erzielt – und damit neue Aufmerksamkeit auf das Areal gelenkt. Immer wieder dringen Unbefugte ein, vor zwei Wochen ist es zuletzt zu einem Fall von Vandalismus gekommen.
„Wir müssen akzeptieren, dass das Gebäude auf Social Media kursiert, ob uns das gefällt oder nicht“, sagt der Schramberger Pressesprecher Achim Ringwald auf Anfrage unserer Redaktion. Die Stadt betrachte das frühere Krankenhaus selbst jedoch nicht als Lost Place. „Der Begriff wird auf Social Media sehr inflationär verwendet“, ist Ringwald der Meinung.
So soll das Betreten verhindert werden
Um illegales Betreten zu verhindern, setze die Stadt auf verschiedene Maßnahmen: Alle Türen des Gebäudes seien verschlossen, das Gelände zusätzlich mit Bauzäunen gesichert und mit Ketten abgeschlossen.

Der Außenbereich rund um das ehemalige Krankenhaus in Schramberg ist abgeschlossen – das Betreten ist für Unbefugte verboten. (Archivfoto)
Foto: FritscheHinweisschilder machen außerdem deutlich, dass das Betreten und Befahren des Geländes verboten ist. „Aufgrund der Größe des Gebäudes lassen sich Vandalismusaktionen leider nicht immer verhindern“, bedauert Ringwald.
Dass alle Türen verschlossen sind, hält nicht jeden neugierigen Besucher vom Betreten des Gebäudes ab. In der Vergangenheit wurden schon häufiger Scheiben eingeschlagen und auch der Innenraum verwüstet. Auf TikTok geben mehrere Nutzer zu, sich selbst Zutritt zum Gebäude verschafft zu haben.
Anfang August wurden laut Polizei erneut mehrere Fensterscheiben im Bereich des alten Cafes eingeworfen. Ob dies im Zusammenhang mit den sogenannten Lost-Place-Besuchern waren, ist weiterhin unklar. „Ob es Lost-Place-Besucher waren, lässt sich von unserer Seite nicht verifizieren“, sagt der städtische Sprecher und dies bestätigt auch die Polizei.
Vandalismus und Diebstahl sind tabu
Er ist sich aber sicher: „Interessierte an sogenannten Lost Places sind in der Regel nicht auf diese Art unterwegs, werfen Scheiben ein und richten Sachschaden an.“ Laut Kodex der „Urbexer“ – das sind Personen, die Lost Places aufsuchen – sollten Plätze und Gebäude so verlassen werden, wie sie vorgefunden wurden. Vandalismus und Diebstahl sind tabu. Außerdem gilt es auch als „No-go“, Adressen von Lost Places im Internet zu verraten.
Die Faszination um „Lost Places“
„Lost Places“ sind verlassene Orte, etwa stillgelegte Fabriken, alte Krankenhäuser oder leerstehende Villen, die oft fotografiert oder gefilmt werden. Solange man das Gebäude nicht betritt, ist der Besuch in der Regel erlaubt. Wer jedoch ohne Zustimmung des Eigentümers hineingeht, macht sich in den meisten Fällen wegen Hausfriedensbruch strafbar. Wichtig ist außerdem: Nichts darf beschädigt oder entwendet werden.
Auch für Besucher kann das Betreten oft gefährlich sein: Viele „Lost Places“ sind marode, Teile der Bausubstanz können einstürzen, Glasscherben oder Metallteile stellen Verletzungsgefahren dar.
