Einblicke in landwirtschaftliche Arbeit: So halten Ziegen der Schwarzwälder Geisserie in Lauterbach die steilen Hänge offen

Vincent Mayer betreibt die Schwarzwälder Geisserie in Lauterbach.
privat- Vincent Mayer bewirtschaftet die Schwarzwälder Geisserie in Lauterbach mit über 100 Ziegen.
- Die Tiere halten steile Wiesen offen – Weidepflege prägt die Landschaft des Schwarzwalds.
- Gemolken wird im Melk-Karussell; aus der Milch entstehen Joghurt, Frisch- und Schnittkäse.
- Die gesamte Wertschöpfung liegt auf dem Hof, teils gehen Käse an den Gasthof Adler in Lauterbach.
- Geplant ist ein Hofladen: Besuch von Stall oder Weide sowie Käseverkauf und -verkostung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Es dauert nicht lange, dann ist Vincent Mayer von seinen „Mädels“ umringt. Eine Ziege zupft an seiner Kleidung, eine andere schnuppert neugierig an seinem Hirtenstab. Vincent Mayer krault einer der Ziegen die Ohren. „Manche kuscheln gerne“, sagt er und schmunzelt. Kurz darauf wollen alle gestreichelt werden.
Vincent Mayers Ziegen sind wählerisch, neugierig und intelligent. Jede hat ihren eigenen Charakter. Wenn sie zickig sind, ist ein hohles Klacken und Schaben zu hören. Dann tragen gerade wieder einmal zwei Ziegen mit ihren bis zu 30 Zentimeter langen, gebogenen Hörnern eine kleine Meinungsverschiedenheit aus.
Gemeinsam mit seiner Herde ist der 31-Jährige Mayer unterwegs auf den steilen Wiesen rund um den Hof der Schwarzwälder Geisserie in Lauterbach. Das Gras steht dank des Regens in letzter Zeit saftig und knöchelhoch. Dazwischen wachsen Schwarzwälder Kräuter.
Die im Sonnenlicht goldbraun leuchtenden „Deutschen Edelziegen“ suchen sich mit ihren weichen Oberlippen und den unteren Schneidezähnen die besten Blüten, Kräuter und Grasspitzen heraus. Dabei tun sie etwas, das für den Schwarzwald von großer Bedeutung ist: Sie halten die Wiesen offen. Denn die idyllische Landschaft, die heute so selbstverständlich zum Schwarzwald gehört, ist über Jahrhunderte durch das Zusammenspiel von Menschen und Tieren entstanden. Ohne Bewirtschaftung würden viele der steilen Flächen verbuschen und langsam wieder zu Wald werden.
Ziegen, Schafe und Rinder sind deshalb echte Landschaftspfleger. „Das mache ich viel zu selten: Hier mit den Ziegen auf der Weide stehen. Den Ausblick genießen. Es ist ein Traum!“, sagt Vincent Mayer und tätschelt einer Ziege den Rücken.
Ein Hof, eine Gemeinschaft
Auf dem Hof gibt es immer etwas zu tun. Viel auf einmal muss man stemmen können, flexibel sein, lösungsorientiert mit Ehrgeiz für die Sache und bei all dem darf der Spaß nicht verloren gehen. Wer das mitbringt, ist gut für das Hofleben gerüstet, meint Mayer.
„Manchmal gibt es Tage, an denen ein Unglück auf das nächste folgt. Da verendet der Schlepper bei der Heuernte auf der Wiese. Gleichzeitig geht die Wasserpumpe für die Wasserversorgung des Hofes kaputt. Und beim Pasteur geht der Temperaturfühler kaputt, sodass du keinen Käse mehr machen kannst. Das sind drei riesen-riesengroße Probleme“, beschreibt Mayer. „Wenn du da Handwerker hast, die direkt kommen und die Maschinen und Geräte reparieren, ist das ein Glücksfall. Wir haben es mit unseren Handwerkern sehr, sehr gut! Und wenn du dann abends zusammensitzt und gemeinsam lachen kannst, ist das viel wert!“, sagt er und schaut zu seiner Partnerin Josi. Neben ihr gehören Vincent Mayers Jagdhund Wilma sowie Vera und Tile zur Hof-Familie. Beim Frühstück und Mittagessen besprechen sie den Tag und treffen Entscheidungen.
Rundfahrt im Karussell
Vera und Tile haben den Hof im Schafhof 1 in Lauterbach 2002 gekauft. Damit haben sich die beiden in ihrem Ruhestand einen Traum verwirklicht. Das Hofgebäude haben sie saniert, den Stall neu gebaut. Es ist ein hoher, lichtdurchfluteter Stall, in dem es angenehm nach frischem Heu und erstaunlich wenig nach Ziege riecht. Im Frühjahr 2025 gaben sie dann eine Anzeige in einem Online-Portal auf: „Bieten Rundfahrt im Karussell“. Mayer führte damals eine Physiotherapiepraxis in Pforzheim. Josi arbeitete als Heilerziehungspflegerin. Sie meldeten sich auf die Anzeige hin. Im April besuchten sie Vera und Tile auf dem Hof. Ein Jahr später zogen sie ein. Josi arbeitet weiterhin als Heilerziehungspflegerin mit Menschen mit Behinderung. Wenn Not am Mann ist, hilft sie auf dem Hof aus. Mayer gab seine Praxis auf und pachtete die Geisserie. „Einen Hof kaufen ist teuer. Auch einen vererbt bekommen, würde ich keinen. Die Verpachtung und die Unterstützung durch Vera und Tile bei der Hofarbeit sind ein großer Glücksfall!“, berichtet Mayer. Die „Rundfahrt im Karussell“ war übrigens eine Anspielung auf das Melk-Karussell. Dabei handelt es sich um eine karussell-ähnliche Maschine, in die die Ziegen vom Stall aus hineinlaufen. Sie stellen sich auf einen Platz, erhalten ein Leckerli und werden gemolken, während sich das Karussell dreht. Eine Runde dauert etwa zwei Minuten. Dann ist die Ziege fertig gemolken und kann zurück in den Stall gehen.
„Ziege Molly liebt das Melkkarussell so sehr, dass sie gleich mehrmals versucht, dranzukommen“, berichtet Mayer und sagt mit einem Schmunzeln: „Die Ziegen!“ komplette Käse-Wertschöpfung findet auf dem Hof statt. Auch Mayer steht gerne im Melkkarussell. Zusammen mit Tile melkt Mayer die über 100 Ziegen morgens um 7 Uhr und abends um 17 Uhr. Eine Ziege gibt rund 500 Liter Milch pro Jahr. Davon ernähren sie auch die Zicklein. Die restliche Milch wird in der Schwarzwälder Geisserie zu Joghurt und Ziegenkäse jeglicher Art verarbeitet: Frischkäse, Schnittkäse unterschiedlicher Reifegrade und mit verschiedenen Gewürzen, Camembert, Grillkäse, Zeta. Rund elf Liter Milch braucht es für ein Kilogramm Käse. „Die gesamte Wertschöpfung findet hier auf dem Hof statt. Unsere Wiesen bieten das Futter. Die Zicklein werden hier geboren. Manche ziehe ich selbst mit der Flasche groß. Dann wird das Zicklein zur Ziege, wird selbst Mutter.
Einige Mayers Käse gehen auch an den Gasthof Adler auf dem Fohrenbühl in Lauterbach, einem ausgezeichneten Naturpark-Wirt. Auf zahlreichen Naturpark-Märkten ist Vincent Mayer mit Unterstützung von Familie und Freunden mit einem Stand vertreten. Und auch bei der diesjährigen Naturpark-Genuss-Messe in Nagold am 25. Oktober wird er mit seinen Ziegenkäsen dabei sein. Der Käse, den er dort verkauft, trägt viele Geschichten in sich: von Menschen und Ziegen, Landschaft, Geschmack und Gerüchen. Wer in ein Stück Ziegenkäse von der Schwarzwälder Geisserie aus Lauterbach beißt, schmeckt deshalb nicht nur Milch, Kräuter und Handwerk. Es steckt auch ein Stück Schwarzwaldlandschaft drin. Aktuell gestalten Mayer, Josi, Vera und Tile einen Hofladen. „Dann können die Leute selbst vorbeikommen, die Ziegen im Stall oder auf der Weide besuchen und bei uns den Käse probieren und kaufen“, berichtet Mayer voller Vorfreude.
