Verband Schönau erhalten: Gemeindefusion brächte nur Nachteile

Im Schönauer Rathaus sitzt die Verwaltung für den Gemeindeverwaltungsverband. Fröhnds Bürgermeister Michael Engesser spricht sich dagegen aus, den Verband aufzulösen.
Verena WehrleAktuell steht der Zusammenschluss von Gemeinden des Gemeindeverwaltungsverbands Schönau (GVV) mit der Stadt Schönau im Raum – konkret mit Tunau. Erst kürzlich hatte die Kommunalaufsicht des Landratsamts angeregt, dass die finanziell stark gebeutelte Gemeinde Tunau sich der Stadt Schönau anschließen solle. Auf diesen Vorschlag reagiert nun ein anderer Bürgermeister des GVV: Michael Engesser aus Fröhnd.
Er wolle dem Landratsamt mit seiner Stellungnahme deutlich machen, warum der GVV sehr wohl noch eine zeitgemäße Verwaltungsform sei, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Auch macht er klar, warum ein Zusammenschluss aus seiner Sicht nur Nachteile mit sich brächte.„Das will keine Gemeinde im GVV.“
„Schönau ist faktisch pleite“
„Das finanziell größte Sorgenkind in unserem Verbund ist nicht Tunau, sondern Schönau“, sagt Engesser deutlich. „Schönau ist meiner Meinung nach faktisch pleite.“ Wenn Tunau also nach Schönau eingemeindet würde, wie es nun die Kommunalaufsicht vorgeschlagen hat, hätte das keine positiven, sondern finanziell negative Folgen, so Engesser.
Sorgen um die finanzielle Situation der Stadt
Er habe bereits vor zwei Jahren in einer Sitzung des GVV darauf hingewiesen, dass er sich Sorgen um die finanzielle Situation der Stadt Schönau mache und sei dabei nicht ernstgenommen worden. Die Lage der Stadt Schönau heute habe er also vorhergesagt. Die Haushaltslage der Stadt sieht tatsächlich schwierig aus: Zum Ende des Jahres 2024 weise die Stadt liquide Eigenmittel von rund Minus 676 180 Euro aus. Zum Ende des Jahres 2025 liegen diese jedoch bereits bei einem Minus von rund 1,8 Millionen Euro.
Engesser erläutert als einen der Gründe, dass der Kostenanteil der Stadt Schönau an den Projekten des GVV am höchsten ist, wie etwa Schwimmbad, Buchenbrand-Areal, Mehrzweckhalle oder Friedhof. Und: Er bezeichnet das MTB-Gebäude (Mehrzweck, Tourismus, Biosphäre) als „finanziellen Sargnagel“. Es habe Schönau finanziell massiv geschadet.

Das MTB-Gebäude ist laut Michael Engesser ein Prestigeobjekt, das der finanziellen Lage der Stadt Schönau massiv geschadet habe.
Foto: Verena WehrleDie Stadt Schönau müsse sich konsolidieren. Er habe die Gemeinde Fröhnd in den vergangenen Jahren konsolidiert, gut gewirtschaftet und aus einer schwierigen finanziellen Lage befreit. Zudem habe man im vergangenen Jahr erreicht, dass jeder Ortsteil im Gemeinderat vertreten ist, damit sich jeder mitgenommen fühle. Auch dies wäre mit einer Auflösung des GVV nicht weiter möglich.
Zusammenschluss bedeute mehr Kosten als Einsparungen
Die Verwaltung des GVV sei, so Engesser, effizient aufgestellt. Eine angesprochene Auflösung des Gemeindeverwaltungsverbands würde seiner Ansicht nach noch viel mehr Kosten verursachen als sie einsparen würde. Auch das Personal – etwa für den Werkhof – müsse dann aufgestockt werden. Er verweist dabei auf eine Studie, die Auswirkungen von Gebietsreformen untersucht hat und zu dem Ergebnis kam, dass diese kein Geld eingespart hätten. „Für die Gemeinden ergibt sich daraus gar kein Vorteil“, macht er seinem Ärger über einen solchen Vorschlag Luft.
„Unsere Vielfalt würde verloren gehen“
Was ihm dabei wichtig ist: „Unsere Vielfalt und unsere Biodiversität würden mit einem Zusammenschluss verloren gehen.“ Doch: „Davon leben wir.“ Er bezieht sich dabei auf das Engagement der Bürger, die etwa die Landschaft offenhalten oder sich in Vereinen einbringen. „Umso größer der Verbund, umso anonymer wird es, und umso mehr geht das Engagement zurück“, lautet die Einschätzung des Fröhnder Bürgermeisters.
