Technik in der Gastronomie: Wenn ein Roboter die Speisen bringt

Marta und Christopher Rastetter sind zufrieden mit ihrem neuen Bedien-Roboter.
Marta Rastetter/Verena Wehrle„Es wird immer schwieriger, gute und verlässliche Mitarbeiter zu finden – und die wenigen, die man hat, sind oft am Limit“, schreibt das Wirte-Ehepaar Marta und Christopher Rastetter vom Haus Tannenberg in Todtnauberg in seinem Post als sie sie ihren „Neuzugang im Team“, ihren Roboter Tannika, in den sozialen Medien vorstellen.
Einige der Vorteile, die dann aufgezählt werden, könnten dem ein oder anderen Gastronomie-Angestellten sauer aufstoßen: „beklaut niemanden, meckert nicht“, steht dort unter anderem. Doch beim Vor-Ort-Gespräch machen die Wirte klar, was dahinter steckt und, dass für sie die Menschlichkeit eben doch am meisten zählt.
Endstation Todtnauberg: Personalsuche besonder schwer
„Keiner will mehr in der Gastro arbeiten“, sagt Marta Rastetter. Wenn sie Personal bekommen, dann fast nur Quereinsteiger. Es sei immer schwieriger Personal zu finden. Und das mitten in der Tourismusregion? „In Todtnau ist es schon schwierig, aber hier oben ist Endstation, da gestaltet sich die Suche noch schwieriger“, sagt Christopher Rastetter. Und: Dass Mitarbeiter klauen, und immer wieder für den gleichen Tag kurzfristig absagen – all dies hätten sie schon erlebt, wenn auch nur in Ausnahmefällen.
Nachwuchs war mit ein Grund
Doch auch der sechsmonatige Nachwuchs Elias habe die beiden zur Entscheidung geführt, sich einen Service-Roboter anzuschaffen, auch wenn dies durchaus eine Rieseninvestition bedeutete. Denn Marta Rastetter falle als stärkste Kraft immer wieder aus und wenn sie bediene, habe sie den Kleinen in der Trage dabei. Getränke und heiße Speisen zu transportieren, sei für sie dann nicht mehr möglich.

Marta und Christoph Rastetter mit Tannika
Foto: Verena Wehrle„Den Menschen nicht ersetzen“
„Der Roboter soll auf keinen Fall den Menschen ersetzen, sondern nur Unterstützung leisten“, macht Marta Rastetter klar. „Es klappt auch nur mit unseren Mitarbeitern zusammen und die sind uns Gold wert“, betont sie. Wie sehr Tannika seit zwei Wochen das Team aus sieben Mitarbeitern in Küche und Service tatsächlich entlastet, macht das Paar deutlich. Acht Essen plus Beilagen könnten gleichzeitig an den Tisch gebracht werden.

Der Roboter wird in der Küche mit Tellern beladen, die er dann an die Tische bringt. Foto:
Marta RastetterEin noch größerer Effekt: Kürzlich brachte der Roboter 25 Suppen gleichzeitig an einen Tisch. „Mein Mitarbeiter muss dafür 13 Mal laufen“, sagt Christopher Rastetter. Und genau dafür soll sie gut sein: damit die Angestellten Wege sparen. Auch beim Abräumen der Tische helfe der Roboter. All dies entlaste die Mitarbeiter auch körperlich.
Und das Wichtigste: „Dann hat der Mensch mehr Zeit für die Gäste, kann sich um ihre Wünsche kümmern“, sagt Marta.
Und wie läuft das ab?
Tannika begrüßt die Gäste, begleitet sie an den Tisch. Die Wirte können sie per App zu sich rufen, sie beladen oder entladen und zu den jeweiligen Tischen schicken. Ein Mitarbeiter läuft immer mit und verteilt dann die Essen.
Die Rastetters setzen aber klare Grenzen beim Einsetzen der Technik. Sie könnten noch viele mehr Optionen dazu buchen. Die Bestellungen sollen aber weiterhin beim Menschen selbst aufgegeben werden. „Das war für uns gleich klar“, sagt Marta.
Die Reaktionen der Gäste
Bei den Gästen käme der Roboter gut an, besonders bei Familien. Dafür sorgen auch kleine Spielereien. So kann man Tannika streicheln und sie reagiert dann, etwa mit einem Zwinkern. Für Geburtstagskinder spielt sie auch ein Liedchen ab. Ältere Gäste hätten erst Skepsis gezeigt – „aber die war dann ganz schnell wieder weg“, erzählt Marta.
Das junge Wirtepaar ist sich sicher, dass diese Technik in Zukunft immer mehr eingesetzt werde. „Wir wollen sie jetzt schon nicht mehr missen“, sagt Marta. „Man steht morgens auf und weiß, sie ist da“, sagt Christopher über die neue Verlässlichkeit seiner Roboter-Mitarbeiterin.
