Bürgermeisterwahl in Schopfheim: Vom Rohkaffee zur Röstung

Bürgermeister-Kandidat Thomas Kuri informierte sich beim Verein Dikome/Kamerun über fair gehandelten Kaffee.
zVg/Kuri- CDU-Kandidat Thomas Kuri besuchte den Verein Dikome/Kamerun und lobte dessen Arbeit.
- Der Verein vermarktet seit 1993 fairen Rohkaffee aus Dikome Balue und röstet in Schopfheim.
- Produktion sank von rund 30 auf etwa 20 Tonnen, Gründe sind Konflikt, Kosten und Kakao-Wechsel.
- Aktuell 3,20 Euro pro Kilo für Bauern, hohe Weltmarktpreise verhindern den sonst doppelten Satz.
- Kuri will städtische Hilfe: Partnerschaftstag, feste Ansprechperson und Weitergabe von Ausstattung.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Anderthalb Stunden nahm sich CDU-Bürgermeisterkandidat Thomas Kuri heute Zeit, um sich beim Verein Dikome/Kamerun in Schopfheim ein genaues Bild von einem der ältesten und erfolgreichsten Entwicklungshilfeprojekte der Stadt zu machen. Richard Renz, langjähriger Ansprechpartner des Vereins, führte ihn durch alle Produktionsschritte vom Lager über die Röstung, Portionierung, Verpackung und Etikettierung bis zum Versand und gab Einblicke in die Gepflogenheiten der Kaffeebranche.

Richard Renz erläuterte Thomas Kuri die einzelnen Schritte der Kaffeeherstellung.
zVg/KuriDer Verein vermarktet seit 1993 unter dem Namen „Glory Halleluja Kaffee" fair gehandelten Rohkaffee von Kleinbauern aus Dikome Balue, einem rund 5000 Einwohner zählenden Ort in der Südwest-Region Kameruns. Die Partnerschaft reicht noch weiter zurück: 1980 begründete der evangelische Kirchenbezirk Schopfheim eine kirchliche Direktpartnerschaft mit Dikome, aus der 1998 der gemeinnützige Verein hervorging. Im Jahr 2000 wurde die Verbindung mit einer offiziellen Städtepartnerschaftsurkunde besiegelt. Drei Beteiligte – der frühere Bürgermeister Klaus Fleck, der Chirurg Günter Zabel und Initiator Helfried Heidler – wurden für ihren jahrzehntelangen Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
„Was hier seit über drei Jahrzehnten rein ehrenamtlich geleistet wird, ist beeindruckend und verdient weit mehr Aufmerksamkeit, als es bisher bekommt", so Kuri nach dem Besuch. Bei seinem Rundgang erlebte er hautnah, wie eng verzahnt Idealismus und unternehmerische Professionalität hier zusammenspielen: Während die Röstmaschine lief, waren die Lager fast leergelaufen – ein Frachtschiff mit der aktuellen Ernte wird erst am 28. August vor Gran Canaria erwartet, bevor der Rohkaffee über einen europäischen Hafen weiter nach Schopfheim transportiert wird.
Der Verein zahlt den Kleinbauern in Dikome derzeit 3,20 Euro pro Kilogramm Rohkaffee, direkt bei Abgabe an lokale Agenten. Normalerweise liegt dieser Preis beim Doppelten des Weltmarktpreises. Aktuell ist das wegen der ohnehin außergewöhnlich hohen Weltmarktpreise nicht leistbar, sodass der Verein bei den 3,20 Euro bleibt. Für die Bauern bedeutet das trotzdem ein gutes Einkommen. Bis der Rohkaffee in Schopfheim ankommt, kostet ein Sack rund 250 Euro; der Verein erwirtschaftet mit dem Verkauf des Kaffees einen Jahresumsatz von etwa 430.000 Euro.
Doch die Rahmenbedingungen verschärfen sich: Wegen des anhaltenden Bürgerkriegs in der Region erheben Dörfer entlang der Transportstrecke wieder informelle Durchfahrtsgebühren von 5 bis 10 Euro, mancherorts stehen bewaffnete Aufständische an den Kontrollpunkten. Ein eigenes Transportfahrzeug in Kamerun ist defekt, sodass der Verein für jede Fahrt mit 600 Kilogramm Kapazität rund 300 Euro an externe Transporteure zahlen muss. Die Jahresproduktion ist von rund 30 Tonnen vor der Corona-Pandemie auf aktuell etwa 20 Tonnen gesunken, auch weil manche Kleinbauern wegen höherer Erträge auf Kakao umsteigen. Hinzu kommt ein anstehender Generationenwechsel, sowohl bei den Ansprechpartnern in Dikome als auch unter den derzeit rund 40 aktiven von insgesamt 350 Vereinsmitgliedern in Schopfheim.
Aus Sicht des Bürgermeisterkandidaten gibt es gute Ansatzpunkte, wie die Stadt den Verein noch besser unterstützen könnte. „Die Städtepartnerschaft mit Dikome wird im Wesentlichen vom Verein mit Leben gefüllt. Das ist eine großartige, beständige Leistung. Ich finde, hier steckt Potenzial: Wenn die Stadt als offizieller Partner künftig noch sichtbarer mitwirkt, können wir diese wertvolle Verbindung gemeinsam mit dem Verein weiter stärken“, erklärt Kuri.
Medizinische Ausstattung weitergeben
Sollte das Schopfheimer Krankenhaus an die Stadt zurückfallen, könnte ausrangierte, aber funktionstüchtige Grundausstattung dem Gesundheitszentrum in Dikome zugutekommen.
Die Städtepartnerschaft beleben
Ein regelmäßiger städtischer Partnerschaftstag mit dem Verein im Zentrum sowie eine feste Ansprechperson im Rathaus für das Netzwerk Dikome würden die Verbindung wiederbeleben. Eine Kooperation mit Schulen, etwa der bereits im Netzwerk Dikome aktiven Friedrich-Ebert-Schule, könnte helfen, jüngere Ehrenamtliche für den anstehenden Generationenwechsel zu gewinnen.
„Dikome ist ein Paradebeispiel für ehrenamtliches Engagement und dafür, wie nachhaltige Entwicklungshilfe funktionieren kann: fair, direkt und ohne Zwischenhandel. Genau deshalb würde ich mir wünschen, dass wir dieses wertvolle Engagement künftig noch stärker gemeinsam mit der Stadt tragen und in die Zukunft führen“, so Kuri abschließend.