Spital in Rottweil
: Ein „Dachstuhl der Qual“ – Einblicke in  besondere Sanierung

Das Alte Spital in Rottweil wird zum Hotel: Welche Tücken die Sanierung hat und welche Hürden der Denkmalschutz bereithält, war vor Ort zu erfahren.
Von
red/pm
Rottweil
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Interessante Einblicke gab es für die Fraktion von Grünen und SPD+FFR  im künftigen Koncept Hotel in Rottweil.

Marcel
  • Altes Spital in Rottweil wird zum Koncept Hotel – Sanierung mit großen Denkmalschutz-Hürden.
  • Dachstuhl von 1570 war stark beschädigt, Teile des Gebälks vermodert und wurden ersetzt.
  • Auflagenwechsel verteuerte Bau um 300.000 Euro; Kupferrinnen statt Zink kosteten 78.000 Euro extra.
  • Außentreppe für Brandschutz nicht genehmigt, daher größere Gaubenfenster für Rettung vereinbart.
  • Hotel begrenzt bewusst auf 49 Zimmer, bietet Infos per QR-Codes und plant 25 bis 30 Arbeitsplätze.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Martin Stockburger, Gründer und Geschäftsführer der Koncept Hotels, nahm sich viel Zeit, um die Fraktionen von Grünen und SPD+FFR samt Anhang durch die Baustelle seines neuen Hotels im ehemaligen Spital zu führen. Eine riesige Baustelle, immerhin hat das Gebäude, aus dem Jahr 1570 den nach der Zehntscheuer größten erhaltenen Dachstuhl Rottweils.

Einen „Dachstuhl der Qual“, so nannte ihn Stockburger, denn die Zimmerleute hatten hier allerhand zu tun. Teile des Gebälks waren jahrelang hinter Verkleidungen vermodert und mussten ersetzt werden. Bevor die Handwerker hier oben loslegen konnten, wurde ausgeräumt: Die Vertreterinnen der Rottweiler Museen und Kirchen fanden hier allerhand, auch Teile des Herrenkramerschen Kripples.

Denkmalschutz macht zu schaffen

Der Denkmalschutz machte Stockburger arg zu schaffen, wie er erzählte: War vor Baubeginn alles geklärt und auch finanziert, gab es danach einen Wechsel der Sachbearbeiter und damit neue Auflagen, die die Arbeiten 300.000 Euro teurer machten und die Bauzeit um drei Monate verlängerten. So habe man erst abgesprochen, dass die Dachrinnen aus bemaltem Zink sein dürfen, danach wurde reines Kupfer verlangt, wie Stockburger berichtete – 78.000 Euro Mehrkosten. Auch sei im hinteren Bereich des Gebäudes zunächst Außendämmung erlaubt gewesen, später dann nicht mehr – also brauchte es Innendämmung. „Das war ein Wahnsinnsaufwand, um die Energieeffizienz zu erreichen.“

Martin Stockburger (Dritter von links) zeigte den Gästen von Grünen und SPD+FFR die Baustelle seines Hotels im ehemaligen Spital.

Marcel

Fast kurios war seine Beschreibung, wie Brand- und Denkmalschutz sich gegenseitig widersprechen können. So sei für den sicheren Abtransport von Liegenden im Brandfall eigentlich eine große Außentreppe nötig gewesen, die aber mit dem Denkmalschutz nicht vereinbar war. Also musste die Vertreterin des letzteren zustimmen, dass die Fenster in den Dachgauben größer gemacht werden –   um jemanden liegend hinauszubringen. Für Martin Stockburger in diesem Fall ein Vorteil.

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Zimmerzahl bewusst beschränkt

Er machte auch deutlich, dass sein Hotel durchaus 100 Zimmer haben könnte, er sich aber auf 49 beschränkt. Aus Rücksicht auf die anderen Hoteliers in der Stadt, wie er betonte: Mit günstigeren Preisen „würden wir den anderen das Geschäft kaputt machen.“ Und das sei nicht in seinem Sinn: „Ich glaube ans Karma!“ Dafür gabs von den Gästen Beifall.

Er hätte gern mehr historische Bauteile sichtbar gelassen, betonte Stockburger, doch aus Brand- und Lärmschutz sei das nicht möglich gewesen. Dafür können die Gäste später mit QR-Codes Filme über die Geschichte des Hauses anschauen. „So können Sie verstehen, was hier war, dass hier geboren und gestorben wurde.“ 25 bis 30 Arbeitsplätze wird es hier geben.

Prostitution? Daten werden gecheckt

Und dann kam noch das Thema Prostitution als Frage auf, denn ins neue Hotel kann man personallos einchecken. Aber nur mit Kreditkarte, und das sei in solchen Fällen ja eher nicht gewünscht. „Wir fragen die Daten der Gäste ab“, so Stockburger. Wenn jemand über ein Buchungsportal mit Paypal bezahle, „dann fragen wir nach.“ Zudem würden alle öffentlich zugänglichen Räume, auch die Flure, kameraüberwacht.

Dass die Spitalkapelle als solche erhalten bleibt und hier auch wieder Gottesdienste geplant sind, freute die Gäste ebenso wie die Info, dass Stockburger schon mit Gastronomen verhandelt und das Lokal dann für alle offen sein wird, nicht nur für Hotelgäste.