Rottweil in den USA: Testturm auch bei CNN – an Trump kommt er nicht vorbei

Der Wolkenkratzer, in dem niemand lebt, beschäftigt auch den Nachrichtensender CNN in den USA.
Screenshot edition.cnn.comEs scheint eine kleine „Turm-Manie“ zu herrschen: Nicht nur das englische Boulevard-Blatt „Sun“ berichtet über den Testturm in Rottweil – auch einer der größten Nachrichtensender Amerikas, CNN, widmet sich auf seiner Homepage dem Bauwerk in Rottweil. Auch andere Türme kommen da vor – der Testturm im Süden Deutschlands ist aber der, der die Nachrichtenmacher von CNN am meisten fasziniert.
Es sei ein „eigenartiges Bauwerk“, wird da in der Rubrik „Style“, wo es unter anderem um Architektur geht, geschrieben. Ein Wolkenkratzer, in dem niemand wohnt, dominiere die Gegend nahe der mittelalterlichen Stadt Rottweil. Das „auffällige Fehlen von Fenstern“ verrate, dass das Hochhaus nicht mit Büros oder Luxuswohnungen gefüllt sei – der Hauptzweck verberge sich im Kern: 12 Schächte, in denen die neuesten Aufzugsmodelle getestet werden.
TK Elevator in Atlanta
Und schnell tritt die Gemeinsamkeit zu Atlanta, dem Sitz von CNN, zutage: Der Hersteller TK Elevator, der Aufzüge für Wolkenkratzer wie das One World Trade Center in New York City geliefert hat, verfügt nämlich auch über einen Testturm in Atlanta – ein 129 Meter hohes Bauwerk im „Battery“, der Heimat des Baseballteams Atlanta Braves – und außerdem über einen in Zhongshan, China.
Erwähnt wird im dann folgenden weltweiten Aufzugstestturmvergleich auch, dass der TK Elevator Testturm in Rottweil über einen 200 Tonnen schweren Schwingmassendämpfer verfügt, der an vier Stahlseilen aufgehängt ist und von zwei Motoren in Bewegung versetzt werden kann. Die Schwingung simuliert Wind und Erdbeben, die laut TK Elevator zu den größten Herausforderungen bei der Aufzugsentwicklung gehören.
Ein Wahrzeichen
Der CNN-Style-Autor kommt auch angesichts des Rottweiler Turm-Designs ins Schwärmen. Die Außenseite aus Glasfasergewebe verleihe ihm ein elegantes, undurchsichtiges Aussehen. Dies habe dazu beigetragen, das Gebäude zu einem „lokalen architektonischen Wahrzeichen“ zu machen.
Tragischer Unfall
Dem sei die tragische Nachricht hinzugefügt, dass Stararchitekt Helmuth Jahn, Architekt des Testturms und weiterer herausragender Bauwerke, 2021 bei einem Fahrradunfall in der Nähe von Chicago ums Leben kam.
Seit seiner Eröffnung im Jahr 2017 sei der Turm jedenfalls zu einer Touristenattraktion geworden, schreibt CNN völlig zurecht. Und ein jährlicher Treppenlauf, so wissen jetzt auch die Amerikaner, ziehe über 1000 Teilnehmer an. Die meisten Besucher kämen jedoch wegen der Aussichtsplattform, die einen „uneingeschränkten Blick auf den Schwarzwald“ biete.
Per E-Mail-Interview mit CNN kommt sogar Turmmanagerin Beate Höhnle zu Wort. „In 30 Sekunden werden Besucher auf eine Höhe von 761 Fuß gebracht“, sagt die Turmmanagerin. Das sind 232 Meter – so weit oben liegt die Besucherplattform des 246 Meter hohen Turms. Zum Vergleich: Die Freiheitsstatue in New York ist vom Sockel bis zur Fackel 93 Meter hoch.
Trump beherrscht die Schlagzeilen komplett
Wie viele Leser sich nun tatsächlich bei CNN für den Rottweiler Testturm interessieren, lässt sich aus der Ferne nicht feststellen. Direkt unter dem Testturm-Bericht steht die Liste mit den „most read“, also den meistgelesenen aktuellen Artikeln. Und die zeigen, was die USA-Bürger tatsächlich bewegt. Die Liste des – den Demokraten nahe stehenden – Senders wird fast vollständig von Donald Trump beherrscht. Die Titel der ersten drei Plätze: „Donald Trump hat eine geschlossene Grenze und Massenabschiebungen versprochen. Die Betroffenen werden jetzt aktiv“, „Trump übt bereits Macht aus und verursacht massive Störungen“ und „Melania Trump wird voraussichtlich das Treffen im Weißen Haus mit Jill Biden am Mittwoch auslassen“.
Daran kommt der Testturm in Rottweil natürlich nicht vorbei. Vor allem Architektur- und Technikfans dürften aber vielleicht doch „Rottweil“ nun auch außerhalb des Hundethemas abgespeichert haben.
