Grüne im Kreis Rottweil küren Kandidaten: AfD und Windkraftgegner bereiten Kopfzerbrechen

Die Grünen nominierten Artur Eichin als Landtagskandidaten, Ersatzkandidatin ist Sonja Rajsp-Lauer (beide vorne Mitte).
RajspArtur Eichin ist in Polen geboren, „in Deutschland verwurzelt und in Europa zu Hause“, wie er sich selbst beschreibt. Sein Weg nach Deutschland „war ein Weg voller Herausforderungen, aber auch voller Chancen“, und so wisse er auch, was es heißt, hart zu arbeiten. Und kenne die Herausforderungen des ländlichen Raums aus erster Hand, von Mobilität über Fachkräftemangel bis zum bezahlbaren Wohnen.
„Unsere Region braucht eine starke Stimme in Stuttgart, die wirtschaftliche Stärke mit sozialer Verantwortung und ökologischer Nachhaltigkeit verbindet.“ Artur Eichin ist 43 Jahre alt, im Projektmanagement tätig, „als langjährige Führungskraft habe ich gesehen, wie Transformation funktioniert – und wo es hakt.“ Er habe Verlagerungen ins Ausland geleitet und „erkannt, wie wichtig es ist, regionale Arbeitsplätze zu sichern.“
Einsatz „für ein starkes Europa“
Eichin ist im Vorstand der Grünen im Hochschwarzwald, Sprecher des Arbeitskreises Migration in Freiburg und in den Landesarbeitsgemeinschaften für Migration, Wirtschaft und Europa.
2024 war Eichin Kandidat für das Europäische Parlament. Sein Einsatz gilt daher auch einem Europa, das für ihn „ein konkretes Versprechen für Frieden, Wohlstand und Zusammenarbeit ist. Ich kämpfe für ein starkes Europa, das seine Werte verteidigt und Lösungen für unsere regionalen Herausforderungen bietet.“
„Politik mit Akzent“
Nur gemeinsam ließen sich Fachkräftemangel, Energiewende und Klimaschutz lösen. „Politik mit Akzent“ nennt er sein Engagement mit ironischem Blick auf seine Herkunft: „Ich möchte Brücken bauen statt Gräben zu vertiefen.“
Er blickte auch auf die Erfolge der Grünen im Land, unter anderem auf die schnellsten Verfahren in Sachen Windkraft und 200 000 PV-Anlagen. Seinen Fokus möchte Eichin auch auf die Gäubahn richten: „Die Abhängung vom Hauptbahnhof wäre ein Schlag ins Gesicht“, und die legale Zuwanderung von Fachkräften. „Migration ist das pulsierende Herz der Zukunft. Wir müssen legale, bedarfsgerechte Wege schaffen.“
Sonja Rajsp-Lauer hat bereits zweimal kandidiert – einmal verpasste sie nur knapp das Direktmandat – und möchte nun ihre Wahlkampf-Erfahrung einbringen. Für sie stehen die ländlichen Räume im Fokus, und als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Abgeordneten Cindy Holmberg hat sie so „mein Hobby zum Beruf gemacht.“
Ärztliche Versorgung
Die dreifache Mutter ist Kreisrätin, Mitglied im Regionalverband, Sprecherin des Kreisverbands und setzt sich auch für bessere ärztliche Versorgung im ländlichen Raum ein: mit Telemedizin oder mit „physician assistants“, medizinisch ausgebildetem Personal, das sich im Notfall mit Ärzten verbinden kann.
Die Sprecherin des Kreisverband setzt sich zudem für ökologische Agrarpolitik ein, gute landwirtschaftliche Produkte brauche es. „Wir können nicht mit Beton und Straßen den Wohlstand sichern. Dafür braucht es uns Grüne!“
„Eine Wand des Hasses“
Die Versammlung wählte außerdem ihre Delegierten für die anstehende Landeswahlversammlung in Heidenheim, anschließend stellten sich die neuen Mitglieder vor. Der Kreisverband sei in den vergangenen Monaten um gut 50 Prozent gewachsen, heißt es in einer Pressemitteilung der Grünen.
Im Mittelpunkt der abschließenden Diskussion standen die wiederkehrenden AfD-Veranstaltungen in der Rottweiler Stadthalle, die Möglichkeiten, diese zu verhindern, und die Diskussion über Windkraft in Sulz. Thomas Busch berichtete von Versammlungen der Windkraftgegner, bei denen mit Argumenten wenig erreicht werden könne. „Man sitzt da gegenüber einer Wand des Hasses“, berichtete er.