Gäubahn-Debatte im Kreis Rottweil: Grüner Bahnexperte – Pfaffensteigtunnel „viel zu teuer“ und nur zweite Wahl

Michael Joukov beantwortete zahlreiche Fragen zur Gäubahn und Stuttgart 21.
BondzioSonja Rajsp-Lauer, Sprecherin der Kreisgrünen, ging am Abend zunächst auf den Vertrag von Lugano ein, der eine Magistrale von Mailand nach Stuttgart zum Ziel hat: „Die Schweiz hat ihre Hausaufgaben längst gemacht, Deutschland nicht.“
Die damals beschlossene Ertüchtigung der Gäubahn sei in weiter Ferne, „und inzwischen wollen die Schweizer unsere Züge nicht mehr bei sich fahren lassen, weil sie denen ständig den Fahrplan kaputt hauen wegen ihrer Unpünktlichkeit.“
Politik habe den Plan „durchgeprügelt“
Landtagskandidat Artur Eichin stellte klar: „1,4 Millionen Menschen dürfen nicht abgehängt werden – die Gäubahn keine Nebenstrecke, sie ist eine Lebensader für unsere Region.“
Für Bahnexperte Michael Joukov ist der geplante Pfaffensteigtunnel eine viel zu teure Lösung, mit der die Kritiker ruhiggestellt werden sollen. Keinesfalls, ist er überzeugt, werde der Tunnel wie versprochen bis 2032 fertig, keinesfalls reichten die eingeplanten Millionen aus. Solange die Alternativen politisch verbaut seien und die CDU nur gackere, aber nicht lege, sei der Pfaffensteigtunnel die einzige realisierbare Option. Bevor gar nichts käme, gelte es, diesen zu bauen. Aber er sei auch sehr teuer, es gebe deutlich günstigere Lösungen.
Der Tunnel bei Sulz
Von der auch beim Volksentscheid versprochenen Ertüchtigung der Gäubahn sei bis heute nur die Doppelspurinsel zwischen Horb und Neckarhausen realisiert. Dazu sei nun ein Tunnel bei Sulz geplant, einspurig, „dabei brauchen wir definitiv zwei Gleise“, betonte Sonja Rajsp-Lauer. Sonst würden die Züge weiterhin ständig Verspätung haben, weil sie aufeinander warten müssen.
Joukov stellte klar, dass es anstelle des viel zu teuren Pfaffensteigtunnels einfachere und billigere Lösungen gebe wie den Weiterbetrieb der Panoramabahn und zweier Gleise im Hauptbahnhof.
Umstieg funktioniert nicht
Den geplanten Umstieg in Vaihingen hat Michael Joukov selbst ausprobiert und ist überzeugt: Die Bahnsteige sind dort viel zu klein für die Menschenmassen. Das bestätigte Sonja Rajsp-Lauer, die kürzlich mit 50 anderen beim Aktionstag von Pro Gäubahn und dem VCD diesen Umstieg testete. „Da war alles total überlastet. Und dann kam noch eine Kindergartengruppe dazu, dann war das Chaos perfekt. Das geht gar nicht. Wir wollen weiterhin umstiegsfrei zum Hauptbahnhof.“
Unterstrichen wurde das von Michael Leibrecht vom Bündnis Pro Gäubahn: „Wir haben das ausprobiert, der Umstieg in Vaihingen funktioniert überhaupt nicht.“
Doch auch wenn der Pfaffensteigtunnel gebaut werde, könne man den direkten Anschluss an den Hauptbahnhof während der Bauzeit beibehalten. „Es gibt genug zu tun, ohne dass man an jeder Ecke mit dem Bau anfangen muss.“
Resolution des Regionalverbands
Sonja Rajsp-Lauer verwies auf die Resolution des Regionalverbands: „Der Forderung, die Unterbrechung in Vaihingen so kurz wie möglich zu halten, können wir nicht zustimmen. Darum haben wir reinverhandelt, dass es gar keine Unterbrechung geben darf. Und wir haben auch die Forderung reinverhandelt, dass der Ausbau des südlichen Abschnitts schnell kommt. 1,4 Millionen Menschen sind darauf angewiesen, fahren teils werktäglich nach Stuttgart.“