Energiewende
: So ist der Stand bei Rottweils erster Agri-PV-Anlage

Ein Biotop, ein Merowingergrab und die Blockadehaltung der EU beim „Solarpaket I“ – wer eine Photovoltaik-Anlage plant, kann auf so manche unvorhergesehene Hürde stoßen.
Von
Alexandra Alt
Oberndorf
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Hier, zwischen dem Berner Feld und Neukirch, soll der erste Agri-PV-Park entstehen

Alt

Ein Landwirt und ein Solar-Unternehmen planen gemeinsam Rottweils erste Agri-PV-Anlage. Selbst die Rottweiler CDU, die den Flächenverbrauch durch PV-Parks kritisch sieht und mit einer Art Blockadehaltung begleitet, kann sich damit anfreunden. 2023 startete das Verfahren. Doch nun kam es Verzögerungen, wie Rainer Christ vom beauftragten Ingenieurbüro BIT in der Sitzung des Umwelt-, Bau- und Verkehrsausschusses (UBV) berichtete.

Auf dem Tisch hatte das Gremium eine neue Fassung des Bebauungsplanentwurfs für die Photovoltaikanlage am Oberen Weiher. Das Gebiet, auf dem die geplante Agri-PV-Anlage entstehen soll, befindet sich östlich des Bilgerhofs an der B27 Richtung Neukirch. Die Anlage soll eine Leistung von 4,6 Megawatt haben und durch einen Batteriespeicher ergänzt werden.

Rettungsgrabung vom Tisch

Zuletzt wurde das Projekt im Juni 2025 öffentlich beraten. Im Zuge der frühzeitigen Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung traten jedoch Aspekte zu Tage, die eine Überarbeitung der Planung verlangten. Zum einen ein Biotop im Süden, von dem abgerückt werden muss, zum anderen ein Reihengräberfeld aus der Merowingerzeit.

Das Landesamt für Denkmalpflege war zunächst davon ausgegangen, dass der Anlagenbau die Zerstörung des unter dem Boden verborgenen Denkmals bedeuten könnte, und forderte eine Rettungsgrabung. Wie Christ erklärte, sei der Eingriff jedoch deutlich geringer und eine Beschädigung des Denkmals praktisch ausgeschlossen. Schwerer wiegt da ein politischer Faktor, der das Verfahren bremst.

„Solarpaket“ I wird ausgebremst

Hofnahe PV-Anlagen sollten eigentlich privilegiert behandelt werden. Die Ampel-Bundesregierung hatte 2024 mit dem „Solarpaket 1“ den Photovoltaik-Ausbau beschleunigen und bürokratische Hürden für Freiflächenanlagen abbauen wollen. Doch die EU-Kommission blockiert das Paket bis heute.

Für Investor und Grundstückseigentümer bedeutete das: Der Geltungsbereich der Anlage muss um 1,3 Hektar vergrößert werden – auf nun 5,9 Hektar. Zwar ist das zunächst nur eine Zahl auf dem Papier, denn die Fläche war schon zuvor für PV vorgesehen, allerdings in zwei getrennten Genehmigungsverfahren. Nun wird daraus ein einziges Verfahren, was zusätzlichen Abstimmungsbedarf und damit Zeit kostete.

Noch ein Solarpark-Projekt

Mit vier Enthaltungen und neun Ja-Stimmen geht es für das Agri-PV-Projekt nun in die nächste Runde. Weniger Zustimmung erhielt das benachbarte Vorhaben auf dem Berner Feld Richtung Dietingen: Der Offenlagebeschluss für den genossenschaftlichen Solarpark der Klimaregion Rottweil passierte den Ausschuss mit fünf Nein-Stimmen, zwei Enthaltungen und sieben Ja-Stimmen.

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