Mitmachen ist gefragt: Hier werden in der Ortenau Barrieren abgebaut

Die interaktive Karte auf dem Online-Portal von „einfach, barrierefrei“ der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch-Lahr bündelt Informationen zu inklusiven Angeboten in der Ortenau - vom Restaurant über die Bankberatung bis hin zum Spielplatz.
Lebenshilfe- „einfach, barrierefrei“ macht barrierefreie Angebote in der Ortenau sichtbar.
- Seit Juni gibt es online eine interaktive Karte mit Suche auf barrierefreieortenau.de.
- Die Lebenshilfe zeichnet seit 2022 Betriebe, Vereine und Einrichtungen aus.
- Pragmatiker-Ansatz: Nicht nur Normen zählen, sondern was Betroffene als praktikabel sehen.
- Bisher 60–70 Einträge – Aufruf an Anbieter und Betroffene, weitere Orte zu melden.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Rollstuhlgerechte Toiletten, ein Aufzug, Behindertenparkplätze, unterfahrbare Tische, Texte in einfacher Sprache – Einrichtungen, die für Menschen mit Einschränkungen den Restaurantbesuch, die Bankberatung oder die Arbeit erleichtern. „Dabei ist Barrierefreiheit viel mehr als nur eine Rampe an der Eingangstür“, zeigt sich Katharina Reich von der Öffentlichkeitsarbeit der Lebenshilfe im Gespräch mit unserer Redaktion überzeugt. „Barrierefreiheit bedeutet Teilhabe für alle Menschen.“
In diesem Sinne zeichnet die Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch-Lahr seit 2022 Betriebe, Vereine und Co., die sich um Barrierefreiheit bemühen, mit dem Zertifikat „einfach, barrierefrei…“ aus. Seit diesem Jahr gibt es unter barrierefreieortenau.de eine Webseite mit interaktiver Übersichtskarte, auf der die so ausgezeichneten Einrichtungen zu finden sind. Auch eine Stichwortsuche ist dort möglich.
Lebenshilfe verfolgt einen pragmatischen Ansatz
„Wir wollen diese Betriebe sichtbar machen“, erläutert Reich die Idee hinter der Auszeichnung und der Online-Plattform. Es handele sich um ein Angebot für Menschen mit Behinderung, bei dem sie anhand ihrer Bedürfnisse entsprechende Suchanfragen stellen können. „Wir machen einfach das sichtbar, was es gibt.“ Gleichzeitig solle das natürlich auch Unternehmen, Gastro-Betriebe und sonstige Einrichtungen anregen, einen Schritt mehr zu gehen. „Es soll Anreiz sein, sich Gedanken zu machen“, bringt Reich es auf den Punkt. Dabei müsse auch nicht alles den Normen entsprechend barrierefrei sein.
Denn die Lebenshilfe verfolgt einen pragmatischen Ansatz: „Es macht schon Sinn, dass es Normen gibt. Aber wenn es die Menschen, die es betrifft, als gut empfinden, ist das Angebot vielleicht barrierefrei, auch wenn es die Norm nicht erfüllt“, erläutert die Expertin der Lebenshilfe. Darum soll die Einladung, bei „einfach, barrierefrei“ mitzumachen, niederschwellig sein.

Der Inklusionsspielplatz in Oppenau bietet Geräte, an denen Kinder mit und ohne Behinderung miteinander spielen können.
LebenshilfeDie Kontaktaufnahme erfolgt über ein Formular auf der Webseite. Einrichtungen können sich selbst bewerben oder von jemandem vorgeschlagen werden – etwa von Menschen mit Einschränkungen selbst. Diese seien schließlich Experten in eigener Sache, so Reich. Denn: „Wenn jemand selbst blind ist oder im Rollstuhl sitzt, weiß er ja selbst, wo er gut zurechtkommt.“
„Wir setzen uns dann in Verbindung und schauen uns die Situation an“, berichtet sie weiter. Das Maßband werde dabei nicht angelegt, „sondern es muss praktikabel sein“. Die Webseite informiert dabei auch über Einschränkungen bei gelisteten Orten. Immer wieder zeige die Erfahrung, dass es Betriebe gebe, die ein gutes barrierefreies Angebot haben, das sie jedoch nicht kommunizierten. „Das ist schade, für den, der es braucht, weil er das Angebot vielleicht nie findet.“
Inklusion ist auch Einstellungssache
Grundsätzlich gehe es dabei nicht immer um eine „räumliche Barrierefreiheit, die man womöglich im Kopf hat“, erläutert Reich. Informationen in einfacher Sprache, Einkaufen in einer reizreduzierten Umgebung oder spezielle Angebote für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen – auch Orte mit solchen Angeboten finden sich auf der Online-Plattform. Zudem gibt es dort Informationen, wie Barrierefreiheit auch aussehen kann. Reich nennt als Beispiel den Athletenclub Oppenau. Laut Webseite trainieren dort junge Männer mit kognitiven Einschränkungen. „Aus der Gruppe sind bereits Welt- und Landesmeister hervorgegangen“, betont die Sprecherin der Lebenshilfe.
Einen Nutzen aus der Barrierefreiheit ziehen dabei nicht nur Menschen mit Behinderung. „Die Zielgruppe ist relativ groß“, betont sie. „Wir leben in einer älter werdenden Gesellschaft, mit zunehmendem Alter sehen sich Menschen mit Einschränkungen konfrontiert. Auch Eltern mit einem Kinderwagen wissen zu schätzen, wenn sie irgendwo gut hereinkommen.“
„Inklusion ist dabei nicht immer nur eine bauliche Anpassung, sondern zeigt sich auch im Umgang miteinander“, ist sich Reich sicher. Viele Kollegen mit Behinderung berichteten immer wieder, dass mit ihnen kommuniziere wird, wie mit einem Kind, und nicht auf Augenhöhe. „Manche Barrieren lassen sich einfach durch menschliches Miteinander beheben“, betont sie.
Aufruf zum Mitmachen
„Noch ist die Karte sehr überschaubar – das muss noch wachsen“, räumt Katharina Reich von der Öffentlichkeitsarbeit der Lebenshilfe Offenburg-Oberkirch-Lahr ein. 60 bis 70 Restaurants, Museen, Hotels und Co. seien bisher gelistet. „Grade im Lahrer Gebiet sieht es noch mau aus“, stellt sie fest – und ruft zum Mitmachen auf. Wer selbst einen barrierefreien Zugang bietet oder andere Erleichterungen, solle sich über das Kontaktformular auf barrierefreieortenau.de melden. Gleichzeitig bittet Reich auch Ortenauer mit Behinderung, positive Beispiele für die Auszeichnung „einfach, barrierefrei“ und die Listung auf der Webseite vorzuschlagen.