Interkommunale Zusammenarbeit
: Fachtagung in Kehl zeigt Wege zur digitalen Verwaltung

Wie kann die Digitalisierung die öffentliche Verwaltung effizienter machen? Bei einer Fachtagung an der Hochschule Kehl haben Experten aus Wissenschaft und Praxis über digitale Lösungen diskutiert.
Von
red/ld
Kehl
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v.l.n.r. Ministerialdirektorin und CDO Ronja Kemmer, Studiendekanin Prof. Dr. Antje Dietrich, Prof. Dr. Jörn von Lucke, Prorektorin Prof. Dr. Ina Klingel

Ministerialdirektorin Ronja Kemmer, Studiendekanin Antje Dietrich, Jörn von Lucke, und Prorektorin Ina Klingel waren bei der Fachtagung zur digitalen Verwaltung dabei.

Hochschule Kehl
  • Fachtagung „Digitale Verwaltung“ fand an der Hochschule Kehl statt – Fokus auf Zusammenarbeit.
  • Ronja Kemmer betonte Automatisierung, da mehr Personal künftige Aufgaben nicht lösen wird.
  • Studie zeigte: Nachnutzung digitaler Lösungen gilt als gut, ist aber schwer umzusetzen.
  • Workshops behandelten KI, digitaltaugliches Recht, Datenschutz und europäische Datenräume.
  • Podium diskutierte „Digitalrendite“: Nutzen und Sinn standen über technischer Berechnung.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bereits zum fünften Jahr in Folge hat am Donnerstag die Fachtagung „Digitale Verwaltung“ stattgefunden, dieses Jahr wieder an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. An der gemeinsam mit der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen Ludwigsburg organisierten Veranstaltung haben erneut zahlreiche Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis sowie Vertreter von Kommunen, der kommunalen Spitzenverbände und der zuständigen Ministerien teilgenommen.

Thematisch im Vordergrund der Fachtagung des Bachelorstudiengangs „Digitales Verwaltungsmanagement (DVM)“ standen laut einer Mitteilung der Hochschule Kehl der Ausbau der interkommunalen Zusammenarbeit und die Weiterverwendung von digitalen Verwaltungsservices.

Mehr Personal ist nicht die Lösung

Die sogenannte Keynote wurde von Ronja Kemmer, Ministerialdirektorin und Chief Digital Officer der Landesregierung im Ministerium des Inneren für Digitalisierung und Europa, gehalten. In ihrem Vortrag zeigte sie auf, wie die Landesregierung Baden-Württembergs den aktuellen Erwartungen an die künftige Digitalisierung gerecht werden möchte. „Wenn man Veränderung in ein System bringen will, ist die erste Reaktion darauf oftmals Skepsis. Wir müssen es schaffen, diesen Knoten zu lösen, denn unser Land ist an vielen Stellen sehr komplex geworden und damit die Bürgerinnen und Bürger dem Staat vertrauen, muss er widerspiegeln, was die Menschen im privaten Bereich bereits gewohnt sind. Mehr Personal wird künftig nicht mehr die Lösung für die Vielzahl an Verwaltungsaufgaben sein. Um also handlungsfähig zu bleiben, müssen wir automatisieren, und der Schlüssel dazu liegt im Bereich der Digitalisierung.“

Landrat Thorsten Erny begrüßte die Gäste.

Landrat Thorsten Erny begrüßte die Gäste.

Hochschule Kehl

Zu den diesjährigen Schwerpunktthemen interkommunale Zusammenarbeit und der Weiterverwendung digitaler Verwaltungsservices waren einige Redner geladen. Sie wurden von Joachim Beck, Rektor der Hochschule Kehl, Landrat des Ortenaukreises Thorsten Erny und Antje Dietrich, Studiendekanin des Bachelorstudiengangs „Digitales Verwaltungsmanagement“ (DVM).

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Im Anschluss stellte Theresa Amberger die Ergebnisse der Next-Studie zur Nachnutzung in der öffentlichen Verwaltung vor, die bereits bundesweit große Aufmerksamkeit erfahren hat. Unter Nachnutzung wird im Rahmen der Studie die gezielte Übernahme, Wiederverwendung oder Mitnutzung bereits entwickelter (digitaler) Lösungen, Methoden, Prozesse, Vorgehensweisen oder Daten durch andere Behörden oder Organisationseinheiten verstanden.

„Mit vielen kleinen Insellösungen zu arbeiten bedeutet, für jede davon Ressourcen aufwenden zu müssen“, so Theresa Amberger während ihrer Präsentation. „Unsere Studie zeigt, dass das Konzept der Nachnutzung in der Verwaltung derzeit als eine grundsätzlich gute, aber schwierig umsetzbare Idee wahrgenommen wird.“. Ebenfalls fester Bestandteil des Tagungsprogramms waren eine Vielzahl an interaktiven Workshops, in denen neue Ideen sowohl für die digitale Transformation der kommunalen Verwaltung als auch für den Bachelorstudiengang „Digitales Verwaltungsmanagement“ der Hochschulen Kehl und Ludwigsburg entwickelt wurden. So ging es um Themen wie Künstliche Intelligenz, digitaltaugliches Recht, Veränderungen im Datenschutz, europäische Datenräume und Erfahrungsaustausch zu aktuellen Digitalisierungsprojekten in den Kommunen, heißt es in der Mitteilung weiter.

Diskussion über die Digitalrente

Am Nachmittag gab es eine finale Podiumsdiskussion zum Thema „Digitalrendite? Wo wird sie berechnet und warum sollten wir es tun?“. Die Moderation übernahm Jörg Röber, Professor für Verwaltungsmanagement mit dem Schwerpunkt Prozessmanagement an der Hochschule Kehl. Auf dem Podium saßen Steffen Jäger, Hauptgeschäftsführer des Gemeindetags Baden-Württemberg, und Tassilo Keiber, stellvertretender Pressesprecher des Regierungspräsidiums Karlsruhe. Im Mittelpunkt der Diskussion stand dabei weniger die technische Frage der Berechnung und Quantifizierung einer solchen Rendite, sondern eher die Frage nach ihrem Nutzen und ihrer Sinnhaftigkeit.

Bachelorstudiengang „Digitales Verwaltungsmanagement“

Vor sechs Jahren hat das Land Baden-Württemberg den Bachelorstudiengang „Digitales Verwaltungsmanagement“ (DVM) ins Leben gerufen mit dem Ziel, die Kommunen mittels  Experten in das digitale Zeitalter zu führen. Zu den Studieninhalten gehören neben rechtlichen Fächern auch Grundlagen in Verwaltungsmanagement und anwendungsbezogener Informatik. Als Beamte auf Widerruf erhalten die Studenten monatlich Bezüge in Höhe von circa 1600 Euro. Mehr Informationen zum Studium finden sich unter hskehl.de/dvm. Bewerbungsstart für den nächsten Jahrgang ist Anfang Februar 2027. Interessierte öffentliche Institutionen und Kommunen im Bundesland können über eine Registrierung als Ausbildungsstelle im Bewerberportal der Hochschulen Kehl und Ludwigsburg einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen, um Digitalisierungsinitiativen in ihrer Organisation zu unterstützen.