Blick in die Zukunft
: Diese Sorgen haben Südbadens Azubis

Die wirtschaftliche Unsicherheit beschäftigt Auszubildende am südlichen Oberrhein zunehmend. Gleichzeitig wollen 82,5 Prozent nach ihrer Ausbildung eine Weiterbildung machen. Das zeigt eine Umfrage der IHK.
Von
red/ld
Ortenau
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Junge Menschen in Ausbildungsberufen äußerten Sorgen zu den Themen Krieg und Terror.

Junge Menschen in Ausbildungsberufen äußerten Sorgen zu den Themen Krieg und Terror.

Bernd Weißbrod/dpa
  • IHK-Umfrage: Sorgen steigen, doch persönliche Zukunftserwartung bleibt überwiegend positiv.
  • 71,6 Prozent fürchten 2026 schlechte Wirtschaft, 67,8 Prozent Krieg in Europa, 66,4 Prozent Krankheit.
  • Ausbildungsalltag wird besser bewertet – fair behandelt fühlen sich 86,4 Prozent.
  • 82,5 Prozent planen Weiterbildung, doch 40,5 Prozent fehlen Infos zu Angeboten und Förderung.
  • Finanzen sind zentral: Gutes Gehalt ist Top-Kriterium, 21,8 Prozent sehen eigene Lage kritisch.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Etwa 71,6 Prozent der befragten Auszubildenden haben 2026 Angst vor einer schlechten Wirtschaftslage und steigender Armut – mehr als doppelt so viele wie noch 2024. Auch die Sorge vor einer schweren Krankheit ist gegenüber dem Vorjahr deutlich gestiegen. Gleichzeitig bleibt die persönliche Zukunftserwartung der jungen Menschen erstaunlich positiv: 46,7 Prozent blicken eher zuversichtlich nach vorn, nur 7,5 Prozent sehen ihre Zukunft eher düster. Das zeigt die dritte Azubi-Umfrage der IHK Südlicher Oberrhein mit 800 Teilnehmern. Die IHK informiert darüber in einer Mitteilung.

Damit zeichnet sich über die drei Erhebungen ein bemerkenswerter Gegensatz ab: Die allgemeine Krisenwahrnehmung verschärft sich, während die Zuversicht in die eigene berufliche Zukunft nicht einbricht. 2024 hatten 37 Prozent Angst vor einer schlechten Wirtschaftslage, 2025 waren es bereits 70 Prozent. 2026 steigt der Wert erneut auf 71,6 Prozent. Auch die Angst vor einem Krieg in Europa liegt mit 67,8 Prozent leicht über dem Vorjahreswert von 67 Prozent. Die Sorge vor einer schweren Krankheit steigt von 62 auf 66,4 Prozent. Die Angst vor Terroranschlägen bleibt mit 60,3 Prozent auf dem hohen Niveau des Vorjahres.

Viele wünschen sich Weiterbildung

„Unsere Umfrage zeigt: Die Sorgen der jungen Menschen nehmen nicht ab – bei einigen Themen werden sie sogar noch größer“, sagt Simon Kaiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der IHK Südlicher Oberrhein. „Gleichzeitig verlieren die Auszubildenden nicht das Vertrauen in ihren eigenen Weg. Das ist vielleicht die auffälligste Entwicklung, die wir nach drei Jahren Azubi-Umfrage sehen.“

Denn der Blick auf den Ausbildungsalltag fällt deutlich positiver aus. 86,4 Prozent der Befragten geben laut IHK an, in ihrem Ausbildungsbetrieb fair behandelt zu werden. 2025 waren es 80 Prozent. Der Anteil derjenigen, die ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen würden, steigt von 73 auf 76,9 Prozent.

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Besonders deutlich zeigt sich die berufliche Zuversicht bei den Plänen nach der Ausbildung. 80,6 Prozent halten eine Übernahme durch ihren Ausbildungsbetrieb für sicher oder wahrscheinlich. 82,5 Prozent möchten sich nach der Ausbildung weiterbilden. Für die IHK sei das ein wichtiger Befund: Die Bereitschaft, den eigenen beruflichen Weg aktiv weiterzuentwickeln, ist unter den Auszubildenden sehr hoch.

Dabei setzen die jungen Menschen unterschiedliche Schwerpunkte. Von denjenigen mit konkreten Vorstellungen über den nächsten Schritt wollen 54,9 Prozent eine Weiterbildung im erlernten Beruf machen. 27,3 Prozent planen ein Studium, weitere 10,9 Prozent möchten sich in einem anderen Berufsfeld qualifizieren. Gleichzeitig zeigt sich hier eine deutliche Informationslücke: 40,5 Prozent haben nach eigenen Angaben von niemandem Informationen über Weiterbildungsmöglichkeiten und finanzielle Unterstützung erhalten. 85,3 Prozent haben noch nie von Förderpreisen oder Weiterbildungsstipendien gehört.

„Hier klaffen Wunsch und Wissen deutlich auseinander. Mehr als vier von fünf Auszubildenden wollen sich weiterentwickeln, aber die große Mehrheit kennt zentrale Fördermöglichkeiten nicht. Diese Informationen müssen früher, verständlicher und dort ankommen, wo junge Menschen tatsächlich nach Informationen suchen“, so Kaiser.

Ein Fünftel sieht die eigene finanzielle Lage kritisch

Auch finanzielle Fragen spielen für die Auszubildenden eine wichtige Rolle. Für 63,8 Prozent gehört ein gutes Gehalt zu den drei wichtigsten Kriterien bei der Berufswahl. Damit liegt das Einkommen deutlich vor anderen Kriterien. 46,1 Prozent nennen sinnvolle Arbeit, 40,8 Prozent die Nähe zum Ausbildungsort und 40,6 Prozent ein gutes Arbeitsklima.

Gleichzeitig bewertet mehr als ein Fünftel die eigene finanzielle Situation kritisch: 21,8 Prozent bezeichnen ihre finanzielle Lage als schlecht oder sehr schlecht. 37,7 Prozent beurteilen sie als gut oder sehr gut, 40,5 Prozent als „okay“.

„Die dritte Azubi-Umfrage zeichnet kein Bild einer pessimistischen Generation. Sie zeigt junge Menschen, die die Unsicherheit ihrer Zeit sehr wohl wahrnehmen, zugleich aber konkrete Vorstellungen von ihrem eigenen Leben haben und bereit sind, dafür etwas zu tun. Für Unternehmen, Schulen und Politik heißt das: Diese Bereitschaft sollten wir unterstützen – mit guter Ausbildung, verlässlicher Begleitung und besseren Informationen über die nächsten beruflichen Schritte“, fasst Kaiser zusammen.

Die Umfrage

Die IHK Südlicher Oberrhein führt die Azubi-Umfrage seit 2024 jährlich unter Auszubildenden im Kammerbezirk durch. Die Befragung 2026 umfasst bis zu 801 Datensätze; da nicht alle Teilnehmer jede Frage beantwortet haben, variiert die Zahl der gültigen Antworten je nach Fragestellung. Die Ergebnisse geben Einblick in die Erfahrungen, Erwartungen und Sorgen der Auszubildenden und zeigen Entwicklungen über die vergangenen drei Befragungen.