Wirtschaft in Oberndorf: City-Manager dringend gesucht

Ein City-Manager, wie er dem HGV vorschwebt, soll Oberndorf noch einmal voran bringen. Dabei ist Netzwerkarbeit ein wichtiger Baustein, aber auch Betreuung und Ausbau des Gutscheinprogramms könnten lohnen.
oxinoxi - stock.adobe.com, pressmaster - stock.adobe.com, freepikAndere Städte haben schon lange einen, Oberndorf will sich jetzt da einreihen: Ein City-Manager soll her. Angesiedelt wäre die Stelle mit einem Volumen von 25 Wochenstunden beim Handels- und Gewerbeverein, der die Idee entwickelt und auch den entsprechenden Vorschlag an die Stadt herangetragen hat. Denn die soll 60 Prozent der Stelle finanzieren.
Deshalb beschäftigt sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Geschichte mit dem Thema – und hat Fragen. Zum Beispiel danach, ob es so eine Stelle überhaupt braucht. Immerhin arbeitet der HGV ja recht erfolgreich, und beim Thema Wirtschaftsförderung ist die Stadt ja schon aktiv. Und wenn City-Manager – weshalb sollte die Stadt den Löwenanteil bezahlen, während der Arbeitgeber HGV 40 Prozent zusteuert?
Auf drei Jahre befristet
Auch die Ausgestaltung einer möglichen Stelle wird diskutiert. Schnell wird klar, dass eine Befristung angezeigt ist, damit der Gemeinderat mitgehen kann. Die nimmt der HGV dann auch in Kauf: Man könne Kandidaten ja eine Weiterbeschäftigung in Aussicht stellen, lenkt Adrian Hägele aus dem HGV-Vorstandsteam ein und gibt sich überzeugt: Er werde das Gremium dann in drei Jahren dafür begeistern, den City-Manager auch weiterhin zu halten.
Der Großteil der Vorbehalte, die sich auch im Abstimmungsergebnis – rund ein Drittel der Stadträte stimmten gegen das Vorhaben – widerspiegeln sollten, hatte aber neben der Frage nach der Notwendigkeit die Frage nach einem möglichen Interessenkonflikt zum Inhalt.
Gutschein-Programm läuft
Bei einem ist der HGV ein bisschen Opfer seines Erfolgs. Dass man den Weihnachtsmarkt in die Hand der Stadt gegeben hat, kommt hinzu – da seien ja Kapazitäten frei geworden. Und das „Stadtgutschein“-Programm läuft geräuschlos, aber sehr wirkungsvoll. Etwa eine halbe Million Euro Kaufkraft habe man damit in Oberndorf gehalten, erklärt Hägele. Und sein Kollege Frank Bühler ergänzt: Im März sei man vor Abrechnungsschluss „bereits schon fast wieder 40 000 Euro“. Geld, das Arbeitgeber ihren Mitarbeitern zur Begleichung von Rechnungen bei angeschlossenen Oberndorfer Unternehmen in Gutscheinform zukommen lassen.
Vorstand hat Kapazitäten ausgereizt
Doch diese Arbeitgeber wollen betreut sein, berichtet Bühler, und der Umfang habe inzwischen ein Maß erreicht, das er eben nicht mehr leisten könne. Und Hägele erklärt: Rund 120 Mitglieder vom Ein-Mann-Betrieb bis zum ausgewachsenen mittelständischen Industrieunternehmen erfordern einen Einsatz, der vom mehrköpfigen, ehrenamtlichen Führungsteam in dem jeder noch Verantwortung in seinem Unternehmen trägt – und trotz Zuarbeit einer geringfügig beschäftigten Kraft – kaum zu stemmen ist.
Vor allem, wenn die Entwicklung vorangehen soll. Und das ist das Ziel. Nicht nur einmal stellt er den Vergleich mit Schramberg an. Dort habe ein vergleichbares Gutscheinprogramm Kaufkraft im Millionenhöhe für die Stadt gesichert. Und ein City-Manager könne sich zudem nachhaltig um die Akquise von Fördermitteln unterschiedlichster Art und Ausloberschaft kümmern.
Interessenkonflikt allenfalls auf dem Papier
So weit so gut. Wenn Geld reinkommt, wachsen auch die Optionen, verschiedene Arten von Stadtmarketing, die das Wirtschaftsförderer-Portfolio ergänzen, umzusetzen. Bleibt aber ein großes Aber: In seiner Satzung sieht sich der HGV als Vertreter der Mitglieder beziehungsweise „aller ihrer Belange gegenüber den Behörden“. Würde die Stadt damit eine Stelle mehrheitlich finanzieren, die die Aufgabe hat, sich gegen sie einzusetzen?
Das soll so nicht sein, versichern HGV und Verwaltung, die auch von einem „guten Miteinander“ berichten. Die inzwischen zwar in anderer Hinsicht aktualisierte Satzung sei nach Jahrzehnten einfach überholungswürdig. Der seinerzeitige Wortlaut entspreche nicht mehr dem aktuellen Handeln.