Schienenbus in Schiltach: Der „Rote Brummer“ darf wieder brummen

Die Motoren aus dem „Roten Brummer“ sind nun in den Händen des Fördervereins Schienenbus.
Niklas OrtmannDrei Reisende, die sich mit Rucksäcken und Koffern bepackt vom Bahnhof auf den Weg ins Städtle machen, schauen etwas verduzt, als sie sehen, wie eine Handvoll Männer in schmutzigen roten Overalls einen Motor mit den Maßen eines mittelgroßen Kühlschranks auf einen Anhänger verladen, begleitet von einem Herrn mit dunkelblauer Uniform und Schirmmütze sowie einem Kamerateam des SWR.
Etwas unauffälliger kommt ein Mann mit einer noch fleckenlosen blauen Strickjacke daher, dessen Hände aber ebenfalls von Arbeit zeugen und gleich eine Unterschrift auf ein weißes Papier setzen werden, das zuvor schon Bürgermeister Thomas Haas unterzeichnet hat. Als Gerd Hesse stellt sich der Mann vor, Vorsitzender des Fördervereins Schienenbus aus Kornwestheim, den er gemeinsam mit Edgar Seitz, dem Mann in Uniform, gegründet hat.
Auch wenn man Seitz’ Montur entnehmen könnte, dass die Fahrt gleich losgeht, wurde hier kein Vertrag über die Reaktivierung des vor mehr als 30 Jahren stillgelegten „Roten Brummers“ geschlossen – stattdessen haben es die Männer auf das Herzstück des Schienenbusses am Bahnpunkt Schiltach abgesehen, der nur noch als Ausstellungsstück von einem längst abgeschlossenen Kapitel Bahngeschichte zeugt.
„Man kann nicht einfach einen bestellen“
Anders sieht es hingegen beim Förderverein aus, der mit seinem „roten Flitzer“ laut Hesse auch heute noch „überall da, wo Gleise liegen“ fahren darf – und das auch regelmäßig tut. Um der hohen Nachfrage, vor allem in der Weihnachtszeit, gerecht zu werden, hat der Verein im vergangenen Jahr zwei Schienenbusse aus der Wachau in Österreich erworben.

Ein Handschlag besiegelt die Übergabe: Die Stadt um Bürgermeister Thomas Haas (links) überlässt die Motoren dem Förderverein um Edgar Seitz.
Foto: Niklas OrtmannDann aber ist ihnen ein Motor aus dem Bestand „um die Ohren geflogen“ – und einer der Wachau-Wagen musste „geplündert“ werden. „Es gibt ja keine Motoren mehr zu kaufen. Man kann nicht einfach einen beim Otto-Versand bestellen“, verdeutlicht Hesse.

Ein Team des SWR filmt die Übergabe.
Foto: Niklas OrtmannDer Verein machte sich auf die Suche nach einem Ersatzmotor für seinen neuen Wagen. Nachdem ein Lokführer nach Schiltach fuhr, um sich den „Roten Brummer“ anzuschauen, kam er am nächsten Tag begeistert zu Hesse: „Die haben ja noch die Motoren drunter! Da müssen wir doch mal fragen, ob wir die nicht kriegen können.“ Nachdem sich die Techniker die Motoren genauer angeschaut hatten, lautete das Fazit: „Das müsste klappen. Die Motoren sind noch zu retten“ – auch wenn sie dafür komplett zerlegt werden müssen.

Die Helfer verladen einen der Motoren aus dem „Roten Brummer“ auf einem Anhänger. In einem Schienenbus des Fördervereins sollen die Teile wieder zum Einsatz kommen.
Foto: Niklas OrtmannHesse wendete sich mit seinem Anliegen an die Stadt, bei der er auf offene Ohren stieß: „Als die Anfrage kam, war es nur ein ganz kurzes Gespräch im Gemeinderat, und wir haben sofort gesagt, wir überlassen ihnen die Motoren natürlich gerne“, berichtet Bürgermeister Haas. Es sei schön, dass der Verein Fahrten unternehme – und dabei hin und wieder auch nach Schiltach komme. „Werden wir nächstes Jahr im Februar wieder machen“, verkündet Seiz. Vielleicht ja dann mit Teilen aus dem „Roten Brummer“, der nun in neuer Umgebung wieder brummen darf.