Religion in Sulz: Tierschutz und geistlicher Gesangsverein

Die Referenten Pfarrer Sebastian Schnauder (links) und Karl Mutschler stellten bekannte Sulzer vor.
LehrkeIm Sulzer Bürgersaal waren unlängst alle Stühle besetzt, als die Apis und der Freundeskreis „Magnus Friedrich Roos“ zu einem historischen Rückblick auf christliche Persönlichkeiten in und aus Sulz eingeladen hatten.
Mit dabei waren Pfarrer Sebastian Schauder aus Holzelfingen und Karl Mutschler aus Sulz. Sie entführten die Anwesenden in vergangene Jahrhunderte und konnten interessante und humorvolle Geschichten zu sieben geistlichen Persönlichkeiten erzählen.
Ein Name mit Geschichte
Erstgenannt wurde der pietistische Bibellehrer und -wissenschaftler Pfarrer Johann Albrecht Bengel, der Anfang des 18. Jahrhunderts über seinen einzigen Bruder Joseph, der mit seiner Familie im Sulzer Vogtshaus, hinter der Stadtkirche, wohnte und arbeitete, Bezüge hierher hatte.
Die Bibel hatte für ihn Vorrang vor dem Gefühl und spontanen Eingebungen. Eine Anekdote, die zum Schmunzeln anregte, war die Interpretation des Namens Bengel, die der frühere Sulzer Dekan Karl Hartmann nach dem Studium der Bengelschen Grabplatte auf dem Sulzer Friedhof überlieferte.
Gelassenheit und Mut
Erwähnt ist auf dem Epitaph: „aus dem alten Geschlechte der Teutsche Scipionum entsprossen“. Demnach hat das Bengelgeschlecht seinen Namen auf dem bekannten römischen Feldherrn Scipio zurückgeführt, denn scipio wird als Stab oder Stecken übersetzt – und im Schwäbischen eben als Bengel.
Ein gebürtiger Sulzer war Pfarrer Immanuel Gottlob Brastberger, dessen Vater Anfang des 18. Jahrhunderts Dekan in Sulz war. Von Brastberger ist eine viel zitierte Gebetsbitte überliefert: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann; den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann; und die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden.“
Pfarrer Bauder und seine Tochter
Auch Pfarrer Magnus Immanuel Roos ist 1727 in Sulz geboren. Der Bibeltheologe schrieb mehr als 60 Bücher. So etwa die „Einleitung in die biblischen Geschichten“ und das christliche „Hausbuch“, ein Andachtsbuch, das noch heute noch vielfach in Gebrauch ist.
Den Sulzern zumindest vom Namen her bekannter sind Johann Georg von Bauder und seine Tochter Christiane Gottliebin Bauder, die Mitte des 18. Jahrhunderts in Sulz lebten. Er wurde Stadtpfarrer und später auch Dekan in Sulz.
Erster Tierschutzverein Europas
Seine Tochter Christiane ließ der Sulzer Kirchengemeinde zum 300. Reformationsjubiläum eine Spende von 3000 Gulden zukommen. 200 davon waren der „Beförderung des mehrstimmigen religiösen Gesangs“ gewidmet. Dies wurde auch zur Geburtsstunde der „Bauderschen Gesangsanstalt“.
Weit über Sulz hinaus bekannt ist Pfarrer Albert Knapp, der Liederdichter und Tierschützer. Zehn seiner Lieder sind im Evangelischen Gesangbuch enthalten. Jahrhunderts Pfarrer in Sulz und Holzhausen und war stark beeindruckt von der „Sulzer (pietistischen) Stunde“ und dort „bevollmächtigten Laien“.
Über sein kirchliches Engagement hinaus ist Albert Knapps Einsatz für den Tierschutz bekannt. Zusammen mit dem Pfarrer Christian Adam erarbeitete er an der Stuttgarter Leonhardskirche ein Programm für das Tierwohl als christliches Anliegen, das 1837 zur Gründung des ersten Tierschutzvereins in Europa führte.