Ärzte in Oberndorf
: Debatte um Praxisschließungen ist „persönlich verletzend“

Die SPD startet eine Umfrage, die Stadt streckt die Fühler aus: In der Diskussion um die ärztliche Versorgung in Oberndorf und Umgebung nehmen jetzt auch die Hausärzte Stellung.
Von
red/pm
Oberndorf
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Die Oberndorfer Ärzte versorgen ihre Patienten teilweise schon seit Jahrzehnten und vertreten sich bei Urlaub oder Krankheit wechselseitig. Dabei sind die beiden Dornhaner Hausärzte Dr. M. Schon und Dr. E. Hagn, die mit zum engen Oberndorfer Vertretungskreis gehören. Dr. E. Seyhoglu, Dr. K.-J. Schädle, Dr. G. Widmann, G. Kameni, M.D. L. Darwisch. Unten von links: Dr. M. Haug, Dr. B. Bühner, Dr. G. Sucker, Dr. M. Schon, Dr. E. Hagn. Es fehlt Dr. Y. Almassri

Die Oberndorfer Ärzte (hintere Reihe, von links) Ergun Seyhoglu, Karl-Josef Schädle, Gottfried Widmann, Ghislain Kameni, Leon Darwisch und Meike Haug (vordere Reihe, von links), Beate Bühner, Gabriele Sucker, Mihaela Schon, Elmar Hagn (es fehlt Yahya Almassri) versorgen ihre Patienten teilweise schon seit Jahrzehnten und vertreten sich bei Urlaub oder Krankheit wechselseitig.

Widmann
  • Oberndorfer Hausärzte weisen Kollaps-Debatte zurück und nennen sie sachlich falsch.
  • Neun Hausärzte in fünf Praxen versorgen die Stadt, unterstützt von rund 25 Fachangestellten.
  • Teams übernehmen mehr Aufgaben, neue Rollen wie Physician Assistant sollen entlasten.
  • Neue Patienten werden aufgenommen, Wechsel aus bestehenden Verhältnissen nur bei Konflikten.
  • Kooperation mit SRH-Krankenhaus ist wichtig – ein Kinderarzt in Oberndorf wird dringend gebraucht.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Durch die Schließung einer Reihe von Arztpraxen, die ohne Nachfolger blieben, mag der Eindruck einer stetigen Verminderung der hausärztlichen Versorgung entstanden sein. Die Patienten dieser Praxen hätten allerdings durch die anderen Praxen aufgenommen werden können, stellt Gottfried Widmann namens der Oberndorfer Hausärzte klar.

„Mit uns neun Oberndorfer Hausärzten in fünf Praxen arbeiten zusätzlich circa 25 hochqualifizierte medizinische Fachangestellte und weitere Berufsgruppen, teilweise mit hochwertigen Zusatzqualifikationen (‚VERAH', ‚NÄPA'). Sie sind in unseren Teams professionell und in vielen Bereichen in hoher Verantwortlichkeit tätig, haben viele, früher rein ärztliche, Tätigkeiten übernommen und werden dies zukünftig noch vermehrt tun. Neue medizinische Berufsbilder stehen vor der Tür, so zu Beispiel der ‚PA', der ‚Physician Assistant', die weitere bisher rein ärztliche Tätigkeiten wie etwa Ultraschalluntersuchungen, abnehmen werden“, so Widmann.

Umfängliche Begleitung

Kein Oberndorfer Bürger müsse ohne Hausarzt sein. Die Praxen nähmen auch alle neu zugezogenen Patienten auf, immer wieder auch von umliegenden Kommunen. „Zurückhaltend sind wir bei Hausarztwechseln. Sie erschweren eine gute langfristige Patientenbegleitung“, so Widmann. In Fällen von nachhaltigen Arzt-Patient-Konfliktsituationen, bei Vertrauensverlust, sei aber auch da ein Wechsel möglich.

Widmann: „Wir versorgen und begleiten aufwendige Patientengruppen umfänglich und hochengagiert: Pflegeheime in Oberndorf und Aistaig, Menschen mit Behinderungen, schwer chronisch Kranke, psychisch und psychosomatisch Erkrankte, Patienten in schwierigen Lebenslagen. Wir sind aber auch bei leichten Akuterkrankungen, für vielfältige Vorsorgeuntersuchungen und Impfungen da. Für die allermeisten Krankheitssituationen sind wir die erste Anlaufstelle, klären Dringlichkeiten ab, behandeln das meiste abschließend oder leiten an unsere fachärztlichen Kolleginnen und Kollegen oder ins Krankenhaus weiter.“

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Sachlich falsch

Das Miteinander von Haus- und Fachärzten in Oberndorf sei sehr gut, in dringlichen Fällen könne man in der Regel einen raschen Termin für die Patienten vermitteln. Schwieriger seien allerdings immer wieder Termine bei auswärtigen Fachärzten oder Psychotherapeuten, wo es leider teilweise zu langen Wartezeiten auf einen Termin komme.

Und dann wird Widmann deutlich: „Die medial aufgeheizte und aus unserer Sicht völlig unangemessen geführte, dazu auch (alters-) diskriminierende Debatte um ein absehbares Zusammenbrechen der hausärztlichen Versorgung in Oberndorf und im Kreis Rottweil ist sachlich falsch und persönlich verletzend“.

Gute Versorgung

Die Stadt Oberndorf mit ihren Teilorten sei auch in absehbarer Zukunft hausärztlich gut versorgt: „In unseren Praxen behandeln sowohl Praxisbetreiber als auch angestellte Ärzte die Patienten. Uns allen, Praxisbetreibern und angestellten Ärzten, sind die Koordinierung der Behandlung, die Betreuung und Begleitung unserer Patienten im Rahmen einer verlässlichen persönlichen Arzt-Patienten-Beziehung wichtig“, erklärt Widmann.

Die Arzt-Patienten-Beziehung gehe oft über Jahre und Jahrzehnte und umfasse manchmal mehrere Generationen: „Dieses wertvolle Grundprinzip hausärztlicher Tätigkeit, in der der Patient keine Nummer ist, sondern ein Mensch in Beziehung zum Arzt, der ihn kennt und begleitet, möchten wir auch zukünftig beibehalten und pflegen. Auch deshalb halten wir die hochwertige derzeitige hausärztliche Versorgung in Oberndorf für unverzichtbar und sehen in möglichen anonymen Großstrukturen aus vielerlei Gründen eine große Gefahr für die Zukunft der hausärztlichen Versorgung der Oberndorfer Bevölkerung.“

Die Zusammenarbeit mit dem SRH-Krankenhaus und sein Erhalt sei den Hausärzten ein großes Anliegen. Und: „Wir brauchen dringend einen Kinderarzt in Oberndorf und unterstützen alle Bemühungen hierzu.“ Weitere Facharztdisziplinen oder Psychotherapeuten, zum Beispiel im Rahmen eines fachärztlichen MVZ im SRH-Krankenhaus, würden die medizinische Versorgung in Oberndorf verbessern.