Nagolder Historiker
: Was S 21mit der Anbindung von Nagold zu tun hat

Ein spektakuläres Ziel hatte sich der Verein für Heimatgeschichte Nagold für seine erste Halbtagesexkursion ausgesucht: die Monsterbaustelle von Stuttgart 21.
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(red/pm)
Oberndorf
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Mitglieder und Gäste des Vereins für Heimatgeschichte Nagold besichtigten die Baustelle „Stuttgart 21“.

Albrecht Rieber

Bewusst wurde zur Anreise die Bahn ab Nagold gewählt, damit alle Teilnehmer die Strecke einer eventuellen zukünftigen Metropolexpressanbindung von Nagold über Hochdorf – Herrenberg – Böblingen kennenlernen konnten.

Exkursionsleiter Albrecht Rieber gab zunächst einen Überblick über die Baugeschichte der Nagoldtalbahn und über den Streckenabschnitt von Nagold über Hochdorf nach Horb und über die Verbindung der Strecke zur Gäubahn von Stuttgart nach Horb, Rottweil, Singen und Zürich, als auch über den Abzweig von dieser Strecke nach Freudenstadt.

Viele der Bauarbeiter waren Italiener

Interessante Details über den Hochdorfer Tunnel mit einer Länge von über 1550 Metern, einst der längste Tunnel Württembergs, kamen zur Sprache. Die Bauarbeiter des Tunnels als auch der Nagoldtalbahnstrecke mit ihren vielen Bauten waren in ihrer Mehrzahl in den Jahren 1868 bis 1874 Italiener, etliche der im Tunnelbau erfahrenen Arbeiter verblieben in der Region, heirateten und gründeten Familien. Die Namen Martini und Monauni bezeugen dies bis heute.

Die zukünftige Anbindung von Nagold mit der Bahn/Bus nach Herrenberg und Stuttgart war ein weiterer Diskussionspunkt während der Fahrt nach Stuttgart. Vorgestellt wurden die Ergebnisse der vom Kreistag in Auftrag gegebene Studie des Verkehrswissenschaftlichen Institutes Stuttgart und der von der Stadt Nagold in Auftrag gegebene Studie der Ingenieursberatung sma in Zürich.

Baubeginn in 20 Jahren wäre eine große Enttäuschung

Einig waren sich die Teilnehmer, dass nach jahrzehntelanger Diskussion eine schnelle Entscheidung der beteiligten Gremien über die Trasse sehr wünschenswert und ein Baubeginn erst in 15 oder 20 Jahren eine große Enttäuschung wäre.

Bei der geplanten Kappung der Gäubahn wegen des Baues des neuen Tiefbahnhofes Stuttgart in Vaihingen spielt für die zukünftige Anbindung der Gäubahnstrecke, und damit auch für den Bahnanschluss von Nagold an den neuen Hauptbahnhof Stuttgart der Pfaffensteigtunnel von Böblingen zum Flughafen Stuttgart eine entscheidende Rolle.

Die Nagolder Gruppe konnte einen erstaunlich hellen Bahnhof besichtigen.

Foto: Albrecht Rieber

Angekommen im Stuttgarter Hauptbahnhof wurde die Gruppe der Vereins für Heimatgeschichte im Infoturm zunächst kompetent und ausführlich über das Bahnhofsprojekt und die Neubaustrecke Stuttgart – Ulm informiert. Auch die unglaublichen Preissteigerungen und die extrem belastenden Verzögerungen der Fertigstellung des Bahnhofsprojektes kamen zur Sprache.

An die Einstellung des Baues während der Moderation durch Heiner Geissler für 18 Monate wurde erinnert und auch an die nach heftigen politischen Kontroversen in einer Volksabstimmung bestätigten Baupläne.

Probleme mit der signaltechnischen Ausrüstung

Der die Gruppe durch die Baustelle führende Ingenieur nannte als Grund für die erneute Verzögerung des Fertigstellungstermins von Stuttgart 21 gravierende Probleme mit der Lieferung der signaltechnischen Ausrüstung der Neubaustrecken und des Bahnhofes mit dem europäischen Zugsicherungssystem ETCS durch den Wechsel des Anbieters von der Firma Thales zum neuen Anbieter Hitachi.

Die Nagolder Gruppe konnte bei der Besichtigung des technisch hochkomplexen Bauwerkes einen durch einfallendes Tageslicht über die architektonisch hervorragend gelungenen Kelchstützen hellen und funktionalen Bahnhof besichtigen.

Fast alle Teilnehmer von der Architektur angetan

Fast alle waren von der Architektur der Projektes mit seinen runden Formen und den insgesamt für die Fläche des Bahnhofes ausgesprochen wenigen Stützpfeilern angetan. Auch die Verbindung mit dem alten Empfangsgebäude (Bonatz-Bau) scheint schlüssig zu gelingen.

Von der Königsstraße wird es über einen verkehrsberuhigten Vorplatz in Zukunft einen niveaugleichen Zugang zum neuen Bahnhof und dem dahinterliegenden Neubauareal auf der Fläche des ehemaligen Gleisvorfeldes geben. Nach glaubhaften Berechnungen liegt die Kapazität des Bahnhofes trotz geringerer Gleiszahl deutlich über der des bisherigen Kopfbahnhofes.

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