Herrenberger Bahnhof
: Bürgermeister kämpfen um den Intercity-Halt

Die Bürgermeister aus Herrenberg und dem Gäu stellen sich gemeinsam gegen die geplante Streichung des Intercity-Halts am Herrenberger Bahnhof.
Von
Markus Katzmaier
Oberndorf
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Der Intercity soll nach Plänen der Bahn nicht mehr in Herrenberg Halt machen.

IMAGO/Arnulf Hettrich

„Mit großer Sorge und deutlichem Unverständnis haben wir die Planungen der Deutschen Bahn zur Kenntnis genommen, im Zuge des sogenannten Stabilisierungskonzepts Gäubahn den IC-Halt in Herrenberg ab dem Fahrplanwechsel entfallen zu lassen. Das ist schlichtweg inakzeptabel“, schreibt Nico Reith, Oberbürgermeister der Stadt Herrenberg, in einem offenen Brief an Clarissa Freundorfer, Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn AG Baden-Württemberg.

Rückendeckung von Gäu-Bürgermeistern

Reith zur Seite stehen mehrere Bürgermeister von Kommunen im Umland als Mitunterzeichner. So Hans Michael Burkhardt aus Jettingen, Benjamin Finis aus Mötzingen, Bernd Dürr aus Bondorf und Benjamin Schmid aus Gäufelden.

Das Ziel, die Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit auf der Gäubahn zu verbessern, sei richtig, und man verstehe, dass es Anpassungen bedürfe, schreibt Reith. Doch der nun gewählte Lösungsansatz – die ersatzlose Streichung zentraler IC-Halte – „ist aus unserer Sicht weder ausgewogen noch zukunftsorientiert.“

Die Deutsche Bahn selbst benenne Herrenberg als „größten Halt, den wir auslassen“. Gerade diese Aussage mache deutlich, wie gravierend der Einschnitt sei. Es handele sich nicht um einen marginalen Zwischenhalt, sondern um einen zentralen Verkehrsknoten im südlichen Landkreis Böblingen in einer Stadt mit 34.000 Menschen.

Mit dem Wegfall des IC-Halts werde das gesamte Obere Gäu mit mehr als 100.000 Menschen faktisch vom Fernverkehr in Richtung Bodensee und Schweiz abgekoppelt.

Auch Nachteil für Pendler

Pendler entstünden deutliche Zeitverluste und zusätzliche Umstiege. Für die regionale Wirtschaft bedeute dies einen Standortnachteil – gerade für ein wachsendes Mittelzentrum wie Herrenberg mit engen Verflechtungen in die Region Stuttgart und darüber hinaus. Für den Tourismus und die nachhaltige Mobilität sendet diese Entscheidung ein fatales Signal:

„Herrenberg ist weit mehr als ein Haltepunkt entlang der Strecke. Unser Bahnhof ist eine zentrale ÖPNV-Drehscheibe: Anfangs- und Endpunkt der S-Bahn-Linie S1 sowie der Ammertalbahn, Knotenpunkt für Busverkehre ins Umland und perspektivisch von wachsender Bedeutung durch weitere regionale Schienenprojekte. Diese Rolle wird durch den Wegfall des Fernverkehrshalts fundamental geschwächt.“

Besonders irritierend sei, dass seitens des Landes Baden-Württemberg angeregt worden sei, zumindest den Halt in Herrenberg beizubehalten – eine Empfehlung, die offenbar unberücksichtigt blieb.

Verdacht: politisch beeinflusst

„Ehrlich gesagt entsteht daher bei uns der Eindruck, dass dieser Vorschlag nicht nur auf fachlichen Gründen basiert, sondern unter Umständen politisch beeinflusst wurde. Anders können wir uns ein solches Vorgehen nicht erklären“, heißt es weiter in dem Schreiben.

„Wir schließen uns ausdrücklich der Forderung des Landrats des Landkreises Böblingen an, diese Entscheidung

vor der finalen Umsetzung nochmals zu überdenken und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen. So ist es jedenfalls nicht akzeptabel.“

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