GeoTour am Schlossberg
: Wo in Nagold Wasser zu Stein wird

Dreck, Staub und Stein – wer genau hinsieht, blickt in über 200 Millionen Jahre Erdgeschichte! Die „GeoTour – Zwischen Meer und Wüste“ führt auf Halbhöhe über den Schlossberg und an der Nagold entlang und bietet dabei Einblicke in die Welt des Kreislaufs von Wasser, Erde und Steinen.
Von
Thomas Rahmann
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Unser Redaktionsvolontär Thomas Rahmann erkundet bei der GeoTour in Nagold an der Gabionenwand, wie Steine durch Ablagerungen entstehen.

Thomas Fritsch

Startpunkt der GeoTour ist das Museum im Steinhaus – beziehungsweise dessen dem Fluss zugewandte Außenmauer. „Die statisch wichtigen Kanten werden vom rötlich-farbenen Badischen Bausandstein stabilisiert“, steht in der Broschüre zur GeoTour, die ich mir zuvor aus dem Rathaus geholt habe. Die Mauer bildenden hellen Muschelkalk-Steine sind erdgeschichtlich etwas jünger als der Buntsandstein, erfahre ich beim Lesen.

Schwammsteine und Kristalle

Während der Buntsandstein durch Wüsten-Ablagerungen entstand, trug hauptsächlich die Sedimentation von Muschelresten auf dem Meeresboden zur Entstehung des Muschelkalks bei. Die Bausteine des Steinhauses spiegeln damit die Grenzlage von Nagold wieder – „Zwischen Meer und Wüste“, wie es im Untertitel der GeoTour heißt.

Das Infoheft lädt dazu ein, die Muschelkalk-Steine genauer zu betrachten. Ich gehe die Mauer entlang und schaue mir die Steine genauer an. Einige bestehen aus lauter zertrümmerten Muschelschalen und ähneln daher einem Schwamm, bei anderen hat sich der Kalk sichtbar auskristallisiert, andere zeigen versteinerte Seelilien-Stängel.

Meer trifft Wüste

Hier wird bereits deutlich: Die GeoTour ist etwas für alle, die interessiert darin sind, sich im Ort einen anschaulichen Einstieg in die Erdgeschichte zu bekommen – oder sich bereits auskennen und sich für die lokalen erdgeschichtlichen Eigenheiten interessieren. Wer die GeoTour aufsucht, sollte die Bereitschaft mitbringen, die Broschüre dabei zu lesen. Das Spektakuläre ist an vielen Stellen eher das Hintergrundwissen als das auf den ersten Blick Sichtbare.

Die Tour führt mich am Parkplatz Badepark den Schlossberg hoch und an einigen sogenannten „Aufschlüssen“ vorbei, die mir einen Blick in den Aufbau des Bodens geben. Der erste dieser Aufschlüsse ist zum Zeitpunkt meiner Begehung leider relativ zugewachsen. Am Weg aufwärts bietet sich mir allerdings ein schöner Blick auf eine Stelle, an der Muschelkalk direkt über Buntsandstein geschichtet ist: „Meer trifft auf Wüste!“, wie die Broschüre mich erinnert.

Höchster Punkt ist Carl-Lindmaier-Brunnen

Es ist ein heißer Sommertag. Der Weg den Schlossberg hinauf liegt zum Glück im Schatten teilweise sehr beeindruckend riesiger Bäume – Ahorn und andere Arten. An der Seite des Wegs reife, leuchtend-rote Walderdbeeren. Zwischen den Bäumen der Blick auf das Freibad, gedämpfte Geräusche spielender Kinder. Rotkehlchen-Gesang. Den höchsten Punkt der Tour stellt schließlich der Carl-Lindmaier-Brunnen dar.

Die Brunnenquelle „entspringt hier, weil im Untergrund Tonsteine des Unteren Muschelkalks das Wasser nicht weiter versickern lassen“, lese ich in der Broschüre. Von dort geht es wieder hinab, die Broschüre macht auf einige Pflanzen aufmerksam, die bis etwa Anfang Mai blühen – auf meiner Sommertour also leider schon verblüht sind.

Ein Einstieg in die Geologie

Spannend wird es noch einmal bei der Gabionen-Wand am Rande des Stadtparks, die für die Landesgartenschau 2012 gebaut wurde und an der dorthin geleitetes Quellwasser herunterrieselt. Einige Steine sind in den vergangenen 12 Jahren scheinbar gewachsen – sie umschließen einzelne Stäbe des Metallgitters, das sie umgibt. Darunter wachsende Pflanzen sind weiß und starr.

Der Kalktuff bildet sich auf Pflanzen und Stein, während das Wasser daran vorbeifließt. Irgendwann versiegt der Durchlauf durch die Gesteinsbildung und das Wasser sucht sich neue Wege.

Foto: Rahmann

Hier wird sichtbar, wie sich in Form von Kalktuff aus Wasser wieder Gestein ablagert: „Wenige Millimeter im Jahr“ wächst der Kalktuff, wenn das Bachwasser um ihn fließt, erfahre ich aus der Broschüre. Das weiß eingekalkte Moos auf den Steinen sieht ein wenig wie auf einem Waldboden im Raureif des Winters aus. Oder aus einer scheinbar stillgelegten Welt am tiefen Meeresboden.

Lesen und Erleben

Beim Wandern finde ich es manchmal mühsam, in der Broschüre herumzublättern – zumal sie gleichzeitig als Wegweiser der nicht ausgeschilderten Tour dient. Schließlich will ich meinen Blick ja vor allem auf die Natur in der Umgebung lenken.

Doch steigt auch etwas der Spannungsfaktor, wenn ich die Stationen und den Weg anhand der Beschreibungen teilweise suchen muss. Zusammen mit dem Infomaterial habe ich den Eindruck, einen Einstieg zum Anfassen in die Geologie bekommen zu haben. Es ist sicher sinnvoll, die Broschüre bereits vor der Tour zu lesen oder viel Zeit mitzubringen, so dass Lesen und Schauen möglich sind.

Hinweis

Vor der GeoTour müssen Besucher eine Broschüre beim Rathaus abholen oder auf der Webseite der Stadt herunterladen. Denn auf dem Pfad gibt es keine Infotafeln, alle Informationen stehen in der 34-seitigen Broschüre.

Nützliches zur Tour

Länge: 2,1 Kilometer

Entstehung: 2019 vom Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gefördert und von Andreas Megerle entwickelt

Parken: Wer gleich an der Station 5 einsteigt, kann am Parkplatz „Badepark“ parken, eine Tageskarte kostet dort 2,50 Euro.

Eignung für Rollstühle und Kinderwagen: Nein

Ausrüstung: GeoTour-Broschüre, Halt gebende Schuhe/ Wanderschuhe

Sportliche Herausforderung: gering

Gesamtanstieg: 60 Meter

Einkehrmöglichkeit: Café, Bar und Restaurant Longwy am Start-Endpunkt

CW-News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Calw Montag bis Samstag im kompakten Überblick.