E-Mobil-Brunch Nagold: Keine Angst vor der E-Mobilität

Volles Haus beim E-Mobil-Brunch auf dem Nagolder Wolfsberg. CEOs, GFs, Netzwerker, Fachleute, Interessierte, E-Mobil-Enthusiasten aus nah und fern waren gekommen.
SchörleNach längerer Pause fand jetzt der mittlerweile zehnte E-Mobil-Brunch auf dem Wolfsberg in Nagold statt. Gastgeber Hajo Schörle und Pit Thierer luden ins Atelier des Buch Bild Verlags ein, um über Elektromobilität als zentralen Baustein der Energiewende zu diskutieren.
Das Interesse war groß: Besucher aus Friedrichshafen bis Heilbronn reisten an, so dass sogar zusätzliche Sitzgelegenheiten improvisiert werden mussten.
Unter dem Motto „E-Auto als zentraler Baustein für die Energiewende“ ging es längst nicht mehr nur um den Austausch unter überzeugten Elektrofahrern. Vielmehr wurden vier unterschiedliche Blickwinkel auf die Mobilitätswende vorgestellt – von Gewohnheiten über Stromnetze und Weltmärkte bis hin zum Gebrauchtwagenmarkt.

Eugen Vorbeck war einer der Redner. Er widmete sich zusammen mit Tamas Monda dem Thema „Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos“.
Foto: SchörleHajo Schörle, Lehrbeauftragter für Elektromobilität an der Hochschule Rottenburg, eröffnete die Veranstaltung mit einem inspirierenden Vortrag über die Komplexität der Mobilitätswende.
Hajo Schörle über die Komplexität der Mobilitätswende
Er betonte, dass tiefgreifende Veränderungen bevorstehen, diese aber nicht Angst machen sollten. Stattdessen gelte es, die immensen Chancen zu erkennen, die sich durch den weltweiten Ausstieg aus fossilen Rohstoffen ergeben.
„Wir sollten uns nicht von Angst oder Verboten leiten lassen“, so Schörle, „sondern begeistert sein von unserer Fähigkeit, Lösungen zu finden und umzusetzen.“ Diese positive Haltung vermittelt er auch in seinen Kinderbüchern zur Energiewende, die er gemeinsam mit KEA-BW und VDE herausgibt.
Tobias Veith zum Thema Stromnetz
Einblicke in das komplexe Thema Stromnetz gab anschließend Professor Tobias Veith von der Hochschule Rottenburg. Anhand aktueller Ereignisse wie dem Blackout in Spanien erläuterte er anschaulich die Herausforderungen bei der Umstellung von trägen Schwerlastkraftwerken auf flexible regenerative Energiequellen. Mit Daten aus dem Projekt „Gridradar“, Europas einzigem professionellen Messsystem für Energiesystem-Analysen, zeigte Veith detailliert auf, wie Frequenzstörungen entstehen und wie selbst große Störungen beherrschbar bleiben.
Marcus Zacher zum Thema Elektroautomobil
Marcus Zacher, Geschäftsführer und Chefredakteur des Magazins „Elektroautomobil“, war online zugeschaltet und gewährte spannende Einblicke in den chinesischen Markt für Elektroautos. Er stellte innovative Hersteller wie Nio vor, die mit Wechselbatterien punkten wollen, sowie BYD, die sich innerhalb weniger Jahre zum Marktführer entwickelt hat. Seine Prognose: Von den zahlreichen chinesischen Herstellern werden letztlich nur wenige dauerhaft auf dem deutschen Markt Fuß fassen können – Qualität und Design seien bereits konkurrenzfähig; bei Nutzersoftware im Fahrzeug gebe es jedoch noch Nachholbedarf.
Eugen Vorbeck und Tamas Monda zum „Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos“
Ganz konkret wurde es schließlich beim Vortrag von Eugen Vorbeck (Klimapate Stadt Horb, Fokum Nagold Gruppe EMobilität) und Tamas Monda (Dekra-Kfz-Sachverständiger). Sie widmeten sich einem wichtigen Thema: dem Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos. Vorbeck zeigte eindrucksvoll auf, wie stark Vorurteile gegenüber Batterien verbreitet sind und welche Unsicherheiten potenzielle Käufer abschrecken. Gemeinsam präsentierten sie eine Methode zur realistischen Messung des Batteriezustands direkt am Fahrzeug eines Teilnehmers – inklusive aller Zahlen und Analysen. Solche klaren Fakten könnten helfen, bestehende Unsicherheiten abzubauen und den Handel mit gebrauchten E-Fahrzeugen anzukurbeln.

Nach den Vorträgen wurden noch viele informelle Gespräche rund ums Thema Elektromobilität geführt.
Foto: SchörleNach den Vorträgen nutzten viele Teilnehmer noch lange Zeit für informelle Gespräche rund um Elektromobilität und Klimaschutz. Auf Nachfrage zog Veranstalter Hajo Schörle ein positives Fazit: „Wer heute noch ernsthaft am Klimawandel zweifelt oder notwendige Veränderungen hinauszögert, wird bald feststellen müssen: Das Zögern hat seinen Preis.“ Er verwies dabei auf eine Studie des Stanford-Professors Mark Z. Jacobson („Low-Cost Solutions to Global Warming“), wonach ein weltweiter Umbau aller Energiesysteme auf erneuerbare Quellen zwar zunächst rund 63 Billionen Dollar kosten würde – sich aber bereits nach sechs Jahren amortisieren könnte. Schörles Appell an alle Autokäufer lautet daher klar: „Jede und Jeder sollte sich bewusst machen, wie viel Veränderung er oder sie bereit ist mitzutragen.“
Der zehnte E-Mobil-Brunch in Nagold machte deutlich: Die Transformation zur Elektromobilität ist keine Bedrohung – sondern eine Chance für nachhaltige Zukunftsgestaltung.