Steigende Fixkosten
: Gratiscafé initiiert Spendenkampagne

Im Café Kreuzweg werden jede Woche mehr als 200 warme Mahlzeiten ausgegeben - kostenlos. Jetzt bittet das Gratis-Restaurant um Spenden.
Von
Barbara Ruda
Lörrach
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Das Team vom Café Kreuzweg (von links): Aniela Ianos, Robert Horvarth, Angie Horvarth, Nikola Malenica, Jennifer Wells, Maxim-Linus Möllenbruch, Karin Strauß und Oleksandr Zielinski

Das Team vom Café Kreuzweg (von links): Aniela Ianos, Robert Horvarth, Angie Horvarth, Nikola Malenica, Jennifer Wells, Maxim-Linus Möllenbruch, Karin Strauß und Oleksandr Zielinski

Barbara Ruda
  • Gratis-Café Kreuzweg in Lörrach gibt wöchentlich über 200 warme Mahlzeiten aus – kostenlos.
  • Finanzierungslage angespannt: Spenden sinken, Fixkosten liegen bei rund 3500 Euro im Monat.
  • Lebensmittelspenden von Hieber-Märkten und Bäckereien werden verwertet, Überschüsse gehen an lokale Stellen.
  • Stadt unterstützt bis 2027 mit 10.000 Euro jährlich, „Aktion Mensch“ finanziert eine Stelle bis Herbst 2027.
  • Zur Überbrückung läuft eine Spendenkampagne, in fünf Tagen kamen 11.600 Euro zusammen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Punkt 13 Uhr dreht Robert Horvarth den Schlüssel im Schloss, winkt in die Warteschlange und ruft: „Sehr geehrte Mitbürgerinnen und Mitbürger, das Café Kreuzweg ist eröffnet!“

Hovarth ist Vorstandsmitglied im Verein Diakonische Stadtarbeit Kreuzweg, der das Projekt initiiert und etabliert hat, und hat immer einen lockeren Spruch auf den Lippen. In seiner offenen Art spricht er die Gäste an. Die er kennt, begrüßt er mit Namen und fragt wie es geht, die anderen heißt er freundlich willkommen. „Kaffee“, sagt auf einmal ein Mann und drückt Robert Horvath eine Tüte in die Hand.

Sachspenden sind von großer Bedeutung

Solche Sachspenden sind für das Restaurant von großer Bedeutung. Dessen Alleinstellungsmerkmal: Man kann hier nichts kaufen, alles ist umsonst. Warme Mahlzeiten, Getränke (kein Alkohol), Kaffee und Kuchen, alles. Jede(r) darf kommen. Ohne einen Bedürftigkeitsausweis vorweisen zu müssen, genießen hier gesellschaftlich benachteiligte Menschen wie Wohnungslose oder Menschen mit Suchterkrankungen Seite an Seite mit Rentnern und Familien aus Lörrach und Umgebung eine Mahlzeit.

Am Dienstagmittag lässt die Sonne die Fassade des Hauses in der Teichstraße 24 in warmem Gelb leuchten. Nach und nach füllen Karin Stauß und ihr ehrenamtliches Team die Teller der Gäste. Die Auswahl an Speisen ist groß. Es gibt gutbürgerliche Küche mit unterschiedlichen Fleischgerichten, dazu Pasta und Pizza.

Das Café leistet auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit

„Das Tolle ist, wir müssen überhaupt nicht kochen“, stellt Horvath fest. Die hochwertigen Lebensmittel erhalten die Betreiber nämlich als Spende. Was bei den beiden Hieber-Märkten in Lörrach an den Wärmetheken und bei den Bäckereien abends übrig bleibt, wird mit dem vereinseigenen Transporter abgeholt und sofort in der Kühltruhe im Café gelagert. Am nächsten Tag muss das Essen lediglich aufgewärmt werden.

Damit leistet das Café zugleich einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Lebensmittel, die andernfalls weggeworfen würden, finden hier noch eine sinnvolle Verwendung. Überschüssige Backwaren werden zudem an das Frauenhaus, das Familienzentrum sowie an die Fairteiler beim Nellie Nashorn und auf dem Fabric-Areal verteilt.

Seit der Eröffnung im Jahr 2020 hat sich das Café Kreuzweg zu einer festen Anlaufstelle entwickelt und ist gut frequentiert. Es fand sich sogar ein ehrenamtliches Samstagsteam, so dass die Öffnungszeiten von drei auf vier Tage ausgeweitet werden konnten. Miete fällt nicht an, weil die Eigentümer Robert und Angie Horvath sowie Nikola Malenica das Gebäude dem Verein kostenlos zur Verfügung stellen.

Weniger Spenden treffen auf höhere Fixkosten

Insgesamt engagieren sich derzeit rund 20 Ehrenamtliche für das Café. Die beiden Ansprechpartner Robert Horvath, den viele augenzwinkernd als „Mundwerker“ bezeichnen, und Nikola Malenica, der „Handwerker“, arbeiten als Midijobber, Karin Stauß als Minijobberin. Die Teilzeitstelle der Caféleiterin Aniela Ianos wird noch bis Herbst 2027 durch die „Aktion Mensch“ finanziert. Danach möchte der Verein ihre Stelle erhalten, muss sie also künftig selbst finanzieren.

Das Projekt bekommt von der Stadt vorerst bis 2027 eine jährliche Förderung in Höhe von 10.000 Euro. Dennoch befindet es sich derzeit in einem finanziellen Engpass. Wegen der allgemein angespannten Wirtschaftslage sind die Spendeneinnahmen zurückgegangen, während die monatlichen Fixkosten inzwischen auf rund 3500 Euro gestiegen sind.

Für einen Betrieb, der zwischen 2022 und 2024 nach Angaben von Robert Horvath rund 30.000 warme Mahlzeiten ausgegeben hat, sei diese Summe lächerlich gering. Dennoch müssen die laufenden Ausgaben dauerhaft gedeckt werden.

Im Hintergrund arbeitet der Verein bereits an einer langfristigen Strategie: der Gründung eines Freundeskreises. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken und eine Insolvenz mit dem Verlust der Gemeinnützigkeit zu verhindern, initiierte Angie Horvath eine Fundraising-Kampagne. Innerhalb von fünf Tagen kamen da bereits 11.600 Euro zusammen.

Die Besucherzahlen bestätigen, dass der Bedarf an so einem Gratis-Restaurant nach wie vor groß ist – gerade auch gegen Ende des Monats, wenn vielen Menschen das Geld ausgeht. Woche für Woche werden im Café Kreuzweg mehr als 200 warme Mahlzeiten kostenlos ausgegeben. Ein Angebot, das für viele unverzichtbar geworden ist.

Der Link zum Spendenaufruf: https://gofund.me/26b423b82