Teilweise 200 Euro mehr im Monat
: Betreuung in Kappel-Grafenhausen wird deutlich teurer

Eltern müssen künftig mehr für die Betreuung ihres Nachwuchses bezahlen. Teilweise steigen die Kosten um satte 200 Euro pro Monat.
Von
Michael Masson
Kappel Grafenhausen
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Weil die Kosten für die Kinderbetreuung der Doppelgemeinde davonlaufen, müssen Eltern künftig mehr bezahlen. Dafür hat der Gemeinderat Kappel-Grafenhausen grünes Licht gegeben. (Symbolfoto)

Skolimowska

Bereits bei der vergangenen Sitzung hatte der Gemeinderat zum Kita-Thema sowohl eine radikal anmutende Antragsvariante auf unverändert bleibende Gebühren als auch einen erbetenen alternativen Vorschlag der Esslinger Kommunalberatungsfirma „Verwaltungsreform 21“ auf mehr oder weniger moderate Erhöhungen abgelehnt. Stattdessen hatten sich mehrere Gemeinderäte deutlich für einen aus ihren eigenen Reihen gekommenen Vorschlag auf teils sogar noch höhere Gebührenanpassungen ausgesprochen. Der hatte indes auch wenige niedriger angesetzte Beträge beinhaltet, nämlich unter besonderer Beachtung der bislang stets gewollten „Mehrkind-Förderung“. Dort sollte es gezielt abgestuft teils moderatere Gebührenerhöhungen geben. Allerdings sind spezielle Fälle mit sogar drei oder vier Kindern in Kitas samt größeren anrechenbaren Geschwistern recht überschaubar.

Der zugrundeliegende Anlass für die auch von der Verwaltung gründlichen Kostenberechnungen: Bislang beträgt der Elternanteil an den Kita-Kosten nur rund zwölf Prozent. Erreicht werden soll jedoch in mehreren Stufen nach und nach eine insbesondere von Kirchen und kommunalen Landesverbänden empfohlene 20- Prozent-Deckung. Dies nicht zuletzt, weil der Doppelgemeinde bei ihren drei eigenbetriebenen Einrichtungen die Kosten schon längst davonlaufen. Durch 200 000 Euro an zusätzlichen Personalkosten durch neue Tarifverträge betragen die Kosten nun satte 2,74 Millionen Euro pro Jahr.

Ein Modell kommt dazu, eine Eingewöhnungsform fällt weg

Doch von den perspektivisch angestrebten 20 Prozent einer Elternbeteiligung bleibt die Gemeinde mit den jetzigen Erhöhungen noch immer ziemlich weit entfernt.

Bürgermeister Philipp Klotz hatte nun die nach neu aufgetauchte Gemeinderat-Variante vorgetragen. Demnach steigen monatliche Kosten etwa für zwei gleichzeitige Kita-Kinder nun von 509 auf 602 Euro, bei gleichzeitig drei Kindern von 572 auf 811 Euro. Zwar hatten Gemeinderäte frühe Sympathien für den verständlichen Wunsch des angehörten Kindergartenkuratoriums samt zugehörigen Elternvertretern bekundet, die zweite Gebühren-Variante ohne Kostenerhöhungen zu wählen. Doch sahen sie sich allesamt nicht in der Lage, dies vor der Gesamtgemeinde finanziell zu verantworten.

Neu eingeführt wird jetzt wegen entsprechend geäußerter Nachfrage die spezielle Betreuungsform „GT Flex“ als flexible Ganztagsbetreuung mit wahlweise drei Tagen à 6,5 oder zwei Tagen à neun Betreuungsstunden. Nicht mehr angeboten wird hingegen ein bisheriger „Eingewöhnungsmonat“ im U3-Bereich. Das hat sich als zu arbeitsintensiv herausgestellt und wurde überdies bislang nur 19 Mal in Anspruch genommen.

Erneuten Gesprächsbedarf gab es jetzt im Gemeinderatsrund nicht mehr. Martin Häfele (CDU) bedauerte generell, dass die Geburtenrate sinke: „Es müssen mehr Kinder kommen.“

Gemeinderäte bedauern die niedrige Geburtenrate in Kappel-Grafenhausen

Am Liebsten sei ihm deshalb, kostenfreie Kita-Besuche anbieten zu können, wie schon in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Berlin. Doch hierzu verwies Bürgermeister Klotz auf die nächstjährigen Landtagswahlen: „Fragt dann mal die Kandidaten vorab danach.“ Auch er tue sich sehr schwer mit den jetzigen Gebührenerhöhungen und wünsche sich ein anderes Modell. Doch solange es das in Baden-Württemberg noch nicht gebe, erklärte Clemens Sedler (CDU) mit Verweis auf seine 25-jährige Gemeinderatstätigkeit und damit verbundener Verantwortung, „können wir nicht anders“. Wenigstens mache man jetzt nicht gleich den ganz großen Schritt auf die empfohlenen 20 Prozent, der aber leider wohl kommen müsse. Die Gemeinderäte sahen das offensichtlich nicht anders. Einstimmig votierten sie sowohl für die eigene Erhöhungsvariante und anschließend folgerichtig auch dafür, der katholisch getragenen Kappeler Kindergarten St. Cyprian und Justina eine entsprechende Erhöhung ihres Regelbetrages zur Anpassung auf ebenfalls mindestens 180 Euro pro Monat zu empfehlen.

Info – Die Erhöhung in Zahlen

Nur bei der Regelbetreuung (35 Stunden über drei Jahre) gleichen sich die ursprünglichen Varianten. Diese kostet Eltern jetzt 180 statt bislang 157 Euro pro Monat und erstem Kind. Die Halbtagsbetreuung wird hingegen deutlich teurer. Sie steigt nun bei fünf täglichen Stunden von 121 auf sogar 199 Euro. Verlängerte Öffnungszeiten (6,5 oder sieben Stunden täglich) fallen indes in der Erhöhung moderater aus (239 statt 217 Euro, 252 statt 234 Euro). Die tägliche Ganztagsgruppe kostet pro Kind jetzt statt 440 Euro indes nur sieben Euro mehr. Bei der U3-Krippenbetreuung steigen die Elterngebühren bei täglich fünf Stunden von 384 auf 406 und bei 6,5 Stunden von 458 auf 514 Euro. Ansonsten blieb es bei den mit beschlossenen Änderungen, die Ferienbetreuungsgebühr von aktuell 80 auf 100 Euro pro Woche und Kind zu erhöhen, überdies das Entgelt für ein warmes Mittagessen von 90 auf 120 Euro pro Monat, für Kinder unter zwei Jahren von 65 auf 95 Euro – dies entsprechend einer künftigen Kostenbeteiligung von 25 Prozent.

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