Tausende Besucher kamen
: Das war bei der großen 800-Jahre-Feier in Ringsheim geboten

Drei Tage Programm, drei Bühnen, eine waghalsige Show und Tausende Besucher: Von Samstag bis Montag herrschte in der Gemeinde Ausnahmezustand. Vereine arbeiteten Hand in Hand, Gäste tanzten bis tief in die Nacht. Für das Orga-Team ging somit ein Projekt zu Ende, in dem intensive Planung steckte.
Von
Michael Masson
Ringsheim
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Bürgermeister Pascal Weber eröffnete das Festwochenende.

Bürgermeister Pascal Weber eröffnete das Festwochenende.

Decoux
  • Ringsheim feierte 800 Jahre mit drei Tagen Programm, drei Bühnen und Tausenden Besuchern.
  • Bürgermeister Pascal Weber eröffnete das Fest, begleitet von der Musikkapelle in neuen Uniformen.
  • Höhepunkt war die Hochseilshow der Geschwister Weisheit – Artistik bis 62 Meter Höhe.
  • Vereine bewirteten in sechs Lauben, Straßen waren thematisch zu Bergbau, Wein und Tabak geschmückt.
  • Jubiläumswein wurde ausgeschenkt, das Orga-Team um Thomas Maurer und Eva Obergföll erhielt Dank.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Die offizielle bürgermeisterliche Eröffnung am Samstagabend wurde von der heimischen Musikkapelle gebührend umrahmt, die selbst ihr 175-jähriges Bestehen in brandneuen Uniformen feierte. Rathauschef Pascal Weber hatte eine lange Begrüßungsliste der Ehrengäste abzuarbeiten, denn neben dem SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Fechner und Lahrs Oberbürgermeister Markus Ibert hatten sich gleich sechs Amtskollegen des Südbezirks eingefunden – dazu auch Yves Chipier als Bürgermeister der französischen Partnergemeinde Albigny.

Die Musikkapelle Ringsheim präsentierte sich in neuen Uniformen.

Die Musikkapelle Ringsheim präsentierte sich in neuen Uniformen.

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Schließlich bat Weber auch Emely Reymann als symbolische Ringsheimer Winzerin, Andreas Lachenicht als Bergmann und Detlef Erny als sinnbildlichen Tabakbauern auf die Bühne und erklärte, dass Ringsheim ein Ort war und noch sei, in dem Menschen miteinander leben, arbeiten, füreinander einstehen und gemeinsam ihre Heimat gestalten – und das im Laufe der Jahrhunderte über manch wechselnde Herrschaften, Berufe und Lebensweisen samt technischen Neuentwicklungen hinweg. Über Generationen haben, so Weber, Wein, Bergbau und Tabak Ringsheim in harter Arbeit geprägt, bis sich die Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zum Gewerbe- und Tourismusstandort entwickelt habe.

Nachdem Gerlinde Person-Weber in geraffter Form auf die Ringsheimer Geschichte einging (siehe Info), berichtete Festchef Thomas Maurer von langer Organisationsarbeit hinter den Kulissen mit unzähligen Sitzungen im entsprechenden Komitee.

Für die Gäste gibt es den neuen Jubiläumswein

Unter dem Slogan „In Ringse daheim“ habe man dank mehreren hundert Helfern und Vereinen gemeinsam ein tolles Festprogramm auf die Beine gestellt. Nach obligatorischem Absingen des Ringsheimer Liedes stach Weber nicht nur ein Freibier-Fass an. Zusätzlich wurde auch der frisch in Flaschen abgefüllte Ringsheimer Jubiläumswein eine Weile gratis ausgeschenkt.

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Es waren sicher schon mehr als tausend Besucher allein am Samstagabend, die sich durch die gesperrte Rathausstraße, Kirchstraße, Herrenstraße und einen Teil der Hauptstraße drängten. Die waren überdies in drei Sektionen liebevoll themenbezogen geschmückt, nämlich in Erinnerung an den Bergbau etwa mit alten Kipploren, Erzsäcken, Grubenlampen und sogar einer nachgebauten Stoff-Tunnelstrecke samt tropfendem Deckenwasser. Als Reminiszenz an den Weinbau gab es einige alte Rebstöcke und zahlreiche Rutenbündel vom letzten Rebschnitt und schließlich viele echte Tabakpflanzen in großen Töpfen zur Erinnerung an den früheren extensiven Tabakanbau samt alter Leinensäcke, laut originalem Aufdruck etwa von August Wieber aus dem Jahr 1883. Ansonsten gab es in sechs großen Lauben genügend Gelegenheit zum Verschnaufen. Die Rämässer-Narrenzunft, der Turn- und Sportverein, Tennisclub, Musikverein, die närrischen Erzklopfer und Stollehexen sowie die Feuerwehr sorgten nicht nur für genügend Sitzplätze, sondern auch für ein reichhaltiges Speisenangebot. Überdies sorgten zahlreiche Getränkestände – einschließlich Weingüter-Angeboten – dafür, dass niemand der Besucher verdursten musste.

Ein Höhepunkt im Programm: die waghalsige und historische Show „Anno dazumal“.

Ein Höhepunkt im Programm: die waghalsige und historische Show „Anno dazumal“.

Decoux

Gefühlt war das komplette Ringsheim während der drei Festtage auf den Beinen, überdies waren auch zahlreiche Begegnungen von „Auswärtigen“ zu beobachten, die sich in Ringsheim wieder trafen. So ging es – ob in den Gassen oder bei Laubenhocks – ausgesprochen kommunikativ zu.

Auf insgesamt drei Bühnen sorgten über das komplette Wochenende einschließlich des Montags abwechselnd gleich zwölf Musikgruppen für zeitweilige Unterhaltung, darüber hinaus auch der Orschweier Musikzug, die Wiedener Bergmannskapelle und eine lebendige Musikbox. Mehrfach präsentierten sich unter großem Beifall diverse Tanzgruppen des TuS auf der Straßenbühne.

Motorrad-Hochseilshow zieht die Blicke auf sich

Besonderer Publikumsmagnet war natürlich an allen drei Tagen die spektakuläre Hochseiltruppe der Geschwister Weisheit aus Gotha. Da begaben sich nach und nach gleich neun Familien-Artisten in schwindelnde Höhen. So erklomm Natalja nicht nur den 40 Meter hohen Gittermast, sondern gleich auch noch eine schwankende Stange darauf. In exakt 62 Metern Höhe führte sie waghalsige Kunststücke bis hin zu Handständen und einarmiger Waage vor. Auf drei parallel gespannten Seilen knatterten ebenso viele Motorradfahrer teils gleichzeitig 40 Meter bis zum Stand hinauf, dabei auch noch mit weiteren Artisten auf den darunter hängenden Stangengondeln. Später präsentierte Europas größtes Hochseilensemble in dann „nur“ vier Metern Seilhöhe eine historische Schau „Anno dazumal“ in nostalgischen Kleidern mit Balance-Akten bis hin zu besetztem Stuhl samt Tisch auf dem Seil.

Das Hochseilensemble begeisterte mit spektakulären Auftritten und zog damit die gespannten Blicke der Besucher auf sich.

Das Hochseilensemble begeisterte mit spektakulären Auftritten und zog damit die gespannten Blicke der Besucher auf sich.

Decoux

Weber bedankte sich ausführlich beim Organisationsteam mit Ruth Volz und Lydia Schütte als Dekorationsverantwortliche, Christian Feist für Sicherheit und Verkehrslenkung zuständig, Andreas Kollmer, Tobias Fischer und IG-Vorsitzendem Manfred Weber für Infrastruktur samt Bewirtung und Technik, Mira Hummel fürs Musikprogramm, Juliane Köberle als „Frau für alle Fälle“ samt sonntäglichem interreligiösem Gottesdienst, Tina Zepezauer als Chefredakteurin für die demnächst fertige Festschrift und Kalana Gerber-Chavez für Einladungen und Offizielles. Besonders lobte Weber auch Thomas Maurer als Festchef für die Gesamtkoordination und Eva Obergföll als Hauptorganisatorin.

Die Geschichte der Gemeinde

Erwähnt wird Ringsheim erstmals in einer römischen Papsturkunde von 1226. Darin be-stätigt Honorius III. dem Ettenheimmünsterer Kloster, dass dem auch Ringsheim gehöre. Schon im siebten Jahrhundert, also vor weit mehr als 1000 Jahren, war hier hochwertiges Erz geschürft worden. Zeitsprung: Um 1650 lebten nur 150 Menschen in Ringsheim (heute sind es rund 2750 Einwohner). Fruchtbarer Lößboden begünstigte den Weinbau. Erst 1784 spendierte der damalige Klosterabt eine neue Pfarrkirche. Im 19. Jahrhundert nahm die Dorfentwicklung richtig Fahrt auf – etwa durch den Bau der Eisenbahn samt Bahnhof und die neue Sonderkultur des Tabakanbaus. Damals hatte der Ringsheimer Tabakbauer Georg Köbele sogar auf der Pariser Weltausstellung 1855 eine Goldmedaille für seine Zigarren erhalten. Indes waren schon in den 1840er-Jahren viele Ringsheimer wegen Missernten, Arbeitslosigkeit, Hunger und Not nach Amerika ausgewandert. Manche scheiterten und kehrten wieder zurück. Ganz dunkel wurde es im Dritten Reich, als auch Ringsheim politisch gleichgeschaltet wurde. Es fanden Zwangssterilisationen statt, der einzige jüdische Ringsheimer Bürger wurde deportiert und umgebracht. Nach Kriegsende 1945 tat sich dann der in Ringsheim geborene frühere Freiburger Schulleiter und Nazi-Gegner Karl Person als Politiker besonders hervor. Er wurde in der entstehenden BRD Präsident des ersten badischen Landtags und unterzeichnete als solcher das neue Grundgesetz mit. Schließlich, so Gerlinde Person-Weber in ihrem historischen Schnelldurchlauf, hatte sich nach 1945 vieles zum Guten gewendet, etwa mit dem Bau der Autobahn und einer Kanalisation. Die bisherige Bedeutung der Landwirtschaft ging zugunsten von Handwerk und Industrie zurück. Die Wirtschaft florierte und auch im sozialen Bereich änderte sich einiges. So sei das Ortsbild stetig verschönert worden. Ausführliches dazu wird demnächst in der neuen Festbroschüre stehen.