Spektakel am Himmel: Dieser Wolfacher jagt der Sonnenfinsternis hinterher

Mario Makaro vom Astronomischen Verein Ortenau zeigt, worauf zu achten ist: Wer die Sonnenfinsternis sehen will, sollte eine Schutzbrille aufsetzen.
privat- Am Mittwoch ist ab etwa 19.20 Uhr eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen, Maximum 20.17 Uhr.
- In Baden-Württemberg ist die Abdeckung am stärksten – im Raum Freiburg bis zu 90 Prozent.
- Der Astronomische Verein Ortenau beobachtet das Ereignis, Frank Hirsch erklärt Effekte wie Temperaturfall.
- Tipp für Sichtbarkeit: erhöhte Standorte mit freiem Blick nach Westen nutzen, Schutzbrille zwingend.
- Mario Makaro reist nach Spanien, um die totale Phase zu erleben, und streamt auf „Make-Astronomie“.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Frank Hirsch ist die Begeisterung anzumerken, wenn er über das seltene astronomische Ereignis spricht, das seine Vereinskollegen und ihn an diesem Mittwoch in den Bann ziehen wird: Eine Sonnenfinsternis sei einer der bemerkenswertesten Zufälle im Universum, betont der 53-Jährige. Dass sie überhaupt möglich ist, liege an einer fast exakten mathematischen Übereinstimmung: Weil der Mond rund 400-mal kleiner ist als die Sonne, aber auch rund 400-mal näher, erscheinen beide am Himmel gleich groß. Schiebt sich der Mond zwischen die Erde und die Sonne, kann er deshalb die Sonnenscheibe verdecken, sei es ganz oder teilweise.
Dieses faszinierende Himmelsschauspiel ist in unserer Region ab etwa 19.20 Uhr zu erleben – seinen Höhepunkt erreicht es gegen 20.17 Uhr. Die hiesigen Astronomiefans haben es dabei besonders gut, denn in Baden-Württemberg fällt die partielle Sonnenfinsternis deutschlandweit am stärksten aus. Die größte Verfinsterung wird im Raum Freiburg erwartet, dort werde die Sonne zu 90 Prozent vom Mondschatten bedeckt sein, hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt mitgeteilt.
Die Temperatur sinkt, Vögel verstummen
Hirsch, der beim Astronomischen Verein Ortenau für die Pressearbeit zuständig ist, beschreibt, wie sich dieses Ereignis auf der Erde auswirkt: Das Licht kippt, die Umgebung bekommt einen silbrig-grauen Ton, die Temperatur kann sinken, Vögel verstummen. „Es jagt einem Schauer über den Rücken“, sagt er.
Der Astronomische Verein Ortenau, der 2028 sein 50-jähriges Bestehen feiern wird, hat rund 40 Mitglieder. Es sind zu 90 Prozent Männer meist älteren Semesters, von denen viele im IT-Bereich tätig sind, wie Hirsch erzählt. Geführt wird der Verein von Christian Flick aus Lahr, der die vierteljährliche Mitgliederzeitschrift „Der Sternfreund“ herausgibt und sich mit Angeboten für Kinder und Jugendliche auch um die Nachwuchsarbeit verdient macht. Der stellvertretende Vorsitzende Stefan Kranz kommt ebenfalls aus Lahr. Die Mitglieder, ob Einsteiger oder erfahrene Sternengucker, treffen sich an jedem letzten Freitag im Monat im Gasthaus Linde in Biberach, um sich über astronomische Themen auszutauschen.

Frank Hirsch wird die partielle Sonnenfinsternis von einer Anhöhe im Schwarzwald aus beobachten und fotografieren.
privatDie Astronomie sei ein sehr vielseitiges Hobby, da sie wissenschaftliche Neugier, Naturerlebnis, aber auch künstlerische Kreativität miteinander verbinde, sagt Hirsch. Man habe etwa Mitglieder, die sich für komplexe Physik und die Entstehung des Universums interessieren, andere wollten vor allem spektakuläre Bilder erzeugen. „Deep-Sky“-Aufnahmen von Planeten, Gasnebeln und fernen Galaxien seien zum Beispiel sein persönliches Steckenpferd.
Für alle Vereinsmitglieder ist die partielle Sonnenfinsternis ein absoluter Höhepunkt, den jeder auf seine Weise zelebrieren wird. Einer tut sich dabei ganz besonders hervor: Mario Makaro aus Wolfach ist mit dem Auto nach Spanien gefahren, denn die iberische Halbinsel ist einer der besten Orte auf der Welt, um die totale Sonnenfinsternis zu sehen. Neben einer Internetseite (www.make-astronomie.de) betreibt Makaro einen Youtube-Kanal („Make-Astronomie“) mit 2020 Abonnenten, auf dem er am Mittwoch live streamen wird, wie sich der Mond komplett vor die Sonne schiebt.
Der 57-Jährige ist einer der größten Astronomie-Begeisterten im Ortenauer Verein. Es ist deshalb auch nicht das erste Mal, dass er eine Reise nicht wegen der Strände oder der Sehenswürdigkeiten macht, sondern nur, um tagsüber im Freien einen kurzen Moment der Dunkelheit zu erleben. Vor zwei Jahren flog er in die USA, genauer gesagt nach Texas, um bei einer totalen Sonnenfinsternis dabei zu sein. Nach Spanien ist er nun aber nicht geflogen, sondern hat das Auto genommen, um seine ganze Ausrüstung - Teleskop und Kameras - transportieren zu können.
Unsere Redaktion erreichte ihn, als er am Dienstagnachmittag gerade sein Hotel bezogen hatte. „Eine Sonnenfinsternis ist das Spannendste, was Astronomiefans erleben können“, drückte er seine Vorfreude aus. Ein tieferes Schwarz habe er noch nie gesehen als bei einer Sonnenscheibe, die komplett vom Mond verdeckt wird.
Jetzt kann er für dieses Erlebnis in der Alten Welt bleiben. Dabei ist es das erste Mal seit fast 30 Jahren, dass von einigen Orten in Europa aus eine vollständige Sonnenfinsternis zu sehen sein wird. Der Pfad der Totalität – so nennt man in der Fachsprache den Bereich, in dem die Sonnenfinsternis komplett ist – verläuft durch Spanien sowie Teile Portugals, Islands und Grönlands. Makaro wird das Spektakal auf dem spanischen Festland südlich von Barcelona miterleben.

Über dem Abendhimmel in unserer Region ist am Mittwoch eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen, wobei die Sonnenscheibe zu 90 Prozent verdeckt wird - also deutlich mehr als auf diesem Foto.
Stratenschulte/dpaÜber dem Lahrer Raum und dem Kinzigtal wird der Mond die Sonnenscheibe zwar nicht zu 100 Prozent, aber doch zu weiten Teilen verdecken. Nur noch eine leuchtende Sichel wird von ihr knapp über dem Horizont sichtbar sein. Frank Hirsch rät allen, die das Spektakel nicht verpassen wollen, sich einen guten Blick zu verschaffen, am besten auf einer Erhöhung mit freier Sicht nach Westen. Er selbst werde ein Teleskop in der Nähe seines Wohnorts Renchen errichten, um „Nahaufnahmen“ davon machen zu können.
Ohne Schutzbrille drohen Augenschäden
Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) warnt indes eindringlich, dass auch während einer partiellen Sonnenfinsternis der Blick in die Sonne ohne eine spezielle Sonnenfinsternis-Brille die Augen stark schädigen könne. Auch die hohe Abdeckung der Sonne während der Sonnenfinsternis durch den Mond in Deutschland oder die einsetzende Dämmerung seien keine Gründe, die Augen weniger gut zu schützen. Das BfS warnt auch vor Tipps, die etwa im Internet kursieren: Kein zuverlässiger Schutz für die Augen, sondern gefährlich seien etwa schwarze Filmstreifen, mit Kerzenruß geschwärzte Gläser, gefaltete Rettungsdecken, gewöhnliche Sonnenbrillen (auch mehrere übereinandergelegt), Schweißerbrillen oder Gletscherbrillen, Röntgenbilder und CDs.
