Rinderzucht im Fokus
: Schuttertäler Landwirt tauscht sich mit Landespolitikern über Herausforderungen aus

Mathias Volk war Gastgeber einer rund 20-köpfigen Delegation, die sich auf dem Hof des Landwirts in Schuttertal traf, um über die Probleme bei der Rinderzucht zu sprechen – gerade auch hinsichtlich der großen Dürren.
Von
Wolfgang Künstle
Schuttertal
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fdf

Austausch über Rinderzucht (von links): Vor Ort waren unter anderem Schuttertals Bürgermeister Matthias Litterst, die Landtagsabgeordneten Sandra Boser und Marion Gentges sowie Landwirt Mathias Volk. Rechts hinter Boser ist Landtagsabgeordnete Stefanie Wernet aus Emmendingen zu sehen.

Wolfgang Künstle
  • Delegation auf Volks Hof diskutiert Rinderzucht-Probleme – Dürre dominiert den Austausch.
  • Futterknappheit akut: täglich 2,5 Tonnen Winterfutter, Vorrat nur bis Februar kalkuliert.
  • Katastrophenfall eröffnet Spielräume: Beweidung von Brachflächen und konventionelles Futter erlaubt.
  • Absatzprobleme bei Bio: Verbraucher greifen im Handel zu wenig zu, bessere Kennzeichnung gefordert.
  • Ministerin setzt auf Digitalisierung, weniger Kontrollen und mehr Beratung, aber strengere Sanktionen.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine schwarze Wolke am Himmel über dem Schuttertal wirkte für einen Moment wie ein Silberstreifen am Horizont. „Das ist schon vorbei“, dämpft Landwirt Mathias Volk jedoch schnell die Hoffnungen. „Wenn etwas kommt, dann von der anderen Seite.“

Eingeladen zu dem Austausch hatte die Arbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (AÖL) und neben Marion Gentges, Ministerin für Ländlichen Raum, Landwirtschaft und Heimat, waren auch die Landtagsabgeordneten Sandra Boser (Bündnis 90/Grüne) sowie Stefanie Wernet aus dem Wahlkreis Emmendingen (CDU) gekommen, um sich vor Ort zu informieren. Auch Schuttertals Bürgermeister Matthias Litterst war anwesend. Allen gemein war am Dienstagnachmittag der Wunsch, teils die Sehnsucht nach Regen. Denn ein erster Spaziergang auf die Weide des Bauernhofs zeigte triste, braune Wiesen.

Auf Volks Bauernhof sind die Kühe von drei Landwirten, die sich 2002 im Rahmen einer GbR zusammengeschlossen haben, vereint. Einer der beiden weiteren Höfe versorgt das Jungvieh. 2006 habe man sich gemeinsam für die Öko-Schiene entschieden. Der Grund: „Unsere Kühe haben Milch gegeben und wenn wir mehr verkaufen wollten, mussten wir das jedes Mal mit teurer Milchquote bezahlen“, schildert Volk. „Das war widersinnig.“ Während die Anforderungen an die Tierhaltung immer weiter stiegen, bleibe der Ertrag gleich. „Wir brauchen politische Rahmenbedingungen, die uns Sicherheit geben“, erklärt Volk, auch mit Blick auf die GAP-Verhandlungen der EU, in deren Zentrum die künftige Budgethöhe und strengere Umweltvorgaben stehen.

Prekäre Lage hinsichtlich Futter

Während die Wasserversorgung für die rund 180 Rinder dank zweier Quellen und dem notfalls verfügbaren Gemeindewasser zu bewerkstelligen sei, sei die Lage hinsichtlich des Futters deutlich prekärer: „Jeden Tag nehme ich derzeit zweieinhalb Tonnen Winterfutter heraus, um die Tiere zu füttern“, sagt Volk. „Nachwachsen kann nichts bei der Dürre; wir haben ausgerechnet, dass der Vorrat bis Februar hält. Dann fehlen uns zwei bis drei Monate.“ Etliche Landwirte würden Tiere schlachten, weil sie sie über den Winter nicht würden versorgen können.

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Gentges wies darauf hin, dass aufgrund der Futternot der Katastrophenfall ausgerufen worden sei. „Damit haben wir einen größeren Handlungsspielraum.“ Brachflächen dürften beweidet werden und auch wenn manche Tiere auf das, was da wachse, keine Lust hätten, sei es „mehr als nichts“. Außerdem sei im Katastrophenfall erlaubt, dass auch Öko-Landwirte ihre Tiere mit konventionellem Futter versorgen dürften, was in der Diskussionsrunde nicht nur auf Gegenliebe stieß. Viel böses Blut habe es vor Jahren gegeben, als die Öko-Landwirte gutes Geld für ihre Produkte erzielt hätten, obwohl sie das gleiche fütterten wie ihre Kollegen, die konventionelle Landwirtschaft betrieben.

Marion Gentges stattete den Rindern einen Besuch ab.

Marion Gentges stattete den Rindern einen Besuch ab.

Wolfgang Künstle

Kummer bereiten Volk und seinen Kollegen auch die Absatzprobleme der Ökoprodukte. „Viele Leute haben gar kein Gespür mehr, was wir hier machen“, sagt Volk. In den Einzelhandelsgeschäften stießen die Ökoprodukte auf viel zu wenig Interesse. „Der Verbraucher entscheidet im Geschäft, was er einkauft“, sagt Volk. Mancher Besucher gehe begeistert vom Hof, um dann doch im Laden die Bio-Produkte links liegen zu lassen.

Gentges: Verwaltung muss wieder mehr als Partner gesehen werden

„Wo Sie uns unterstützen können,“ wandte sich Marcus Arzt, einer von zwei AÖL-Vorsitzenden, an Marion Gentges, „ist, dem Verbraucher zu zeigen, was er mit seinem Einkauf bewirken kann.“ Die Kommunikation sei sehr wichtig.

Gentges entgegnete, dass in Frankreich die Herkunft eines Produktes sehr viel größer ausgeschrieben sei als in Deutschland. Hierzulande sei der Preis am auffälligsten zu erkennen. „Denn das ist es, auf was der Verbraucher in Deutschland in erster Linie schaut.“ Das sei nur schwer zu ändern.

Ganz allgemein wies die Ministerin darauf hin, welche Veränderungen sie in ihrem Ministerium bereits angestoßen habe. Gebundene Entscheidungen, bei denen kein Entscheidungsspielraum bestehe, sollen künftig vermehrt von Computern bearbeitet werden. „Die machen das schneller und verlässlicher.“ Die dadurch gewonnenen personellen Ressourcen sollen bei Fällen, bei denen Ermessen erforderlich ist, eingesetzt werden.

Außerdem setzt Gentges auf das Prinzip „weniger Kontrollen, mehr Beratung“. Die Verwaltung müsse wieder mehr als Partner gesehen werden. Allerdings würden die Sanktionen dann höher ausfallen. „Wenn jemand meint, tricksen zu müssen, weil weniger kontrolliert wird, müssen die Konsequenzen wehtun“, so Gentes.