„Renten-Rebell“ der CDU
: Yannick Bury spricht über sein Verhältnis zum Kanzler

Der Abgeordnete des Wahlkreises Emmendingen/Lahr äußert sich im LZ-Sommerinterview über seinen Widerstand gegen die Rentenpläne der Regierung, seine Ansichten über eine gerechte Politik – und welche Folgen es für ihn hat, auf Konfrontationskurs zu Friedrich Merz zu gehen.
Von
Herbert Schabel
Lahr
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Yannick Bury, hier beim LZ- Redaktionsbesuch, gehört seit September 2021 dem  Bundestag an.

Yannick Bury, hier beim LZ- Redaktionsbesuch, gehört seit September 2021 dem Bundestag an.

Schabel
  • Yannick Bury verteidigt sein Nein zum Rentenpaket und lehnt das Etikett „Renten-Rebell“ ab.
  • Er betont Parlamentsdebatten statt Abnicken – mit Merz habe er regelmäßigen, guten Kontakt.
  • Bury fordert spürbare Steuerentlastungen und Ausgabenkürzungen, statt reiner Umverteilung.
  • Die kalte Progression müsse vollständig ausgeglichen werden, der Gesetzentwurf reiche nicht.
  • Im Wahlkreis drängt er auf Lösungen bei Bahnbrücke und Kreisstraße – Infrastruktur als Priorität.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Seit Bury im Dezember 2025 als einer von wenigen Unionspolitikern gegen das damalige Rentenpaket der Regierung und gegen die offizielle Linie seiner Fraktion stimmte, hat sich die Wahrnehmung seiner Person in der Öffentlichkeit verändert. Der hiesige Wahlkreisabgeordnete wird als mutiger Finanzpolitiker angesehen, der keinem Streit mit dem Regierungschef aus dem Weg geht, wenn es sein muss.

Herr Bury, wie gefällt Ihnen der Spitzname Renten-Rebell, den Ihnen einige Medien gegeben haben?

Ich würde ihn so nicht wählen. Es ging uns ja nicht um Krawall, sondern darum, ein Gesetz zum Besseren zu verändern und nicht Mehrausgaben in dreistelliger Milliardenhöhe zu beschließen, deren Finanzierung nicht gesichert war. Aber es tut sich ja etwas. Mittlerweile hat die Rentenkommission einen sehr guten Reformvorschlag vorgelegt, den es ohne die Debatte, die wir damals angestoßen haben, so heute nicht geben würde.

Ein anderes Etikett, das Ihnen verpasst worden ist, ist das des Merz-Kritikers. Erkennen Sie sich darin wieder?

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Nein, auch darin nicht. Ich kritisiere ja auch nicht den Bundeskanzler, der die wohl schwierigste Aufgabe hat, die man in der Politik haben kann. Ich trete in der Sache für das ein, was aus meiner Sicht richtig und erforderlich ist. Die Aufgabe von uns Abgeordneten ist es nicht, Dinge einfach abzunicken, sondern im Parlament zu hinterfragen, zu diskutieren und, wo es nötig ist, zu verbessern.

Wie ist Ihr Verhältnis zum Kanzler? Wirft Merz dem jungen, „aufmüpfigen“ Abgeordneten schon mal einen bösen Blick zu?

Ganz im Gegenteil, wir haben einen guten und regelmäßigen Kontakt, besonders wenn es um Fragen zur Haushalts- und Finanzpolitik geht.

Sie haben gemeinsam mit dem CSU-Abgeordneten Florian Dorn im April ein umfassendes Konzept für eine große Steuerreform vorgelegt. Das Modell zielt darauf ab, alle Einkommensgruppen spürbar zu entlasten. Was ist aus diesem Vorschlag geworden?

Im Moment noch zu wenig. Die Grundfrage ist, ob man entlasten will oder nur umverteilen. Aus meiner Sicht brauchen wir angesichts der Wirtschaftslage echte und spürbare Entlastung. Das geht nur, wenn wir die Ausgaben reduzieren und der Staat mit dem, was er tut, wieder kleiner wird. Wir haben ein Entlastungsvolumen von knapp 30 Milliarden Euro bis zum Ende der Wahlperiode vorgeschlagen. Diesen Betrag einzusparen braucht politischen Mut und ist unbequem, aber machbar. Insbesondere, wenn man sich die mittlerweile massiv aufgewachsenen Subventionsausgaben von rund 60 Milliarden Euro anschaut.

Der erste Gesetzentwurf von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil für eine Steuerreform sieht tatsächlich anders aus – und ist von Ihnen bereits kritisiert worden.

Was jetzt auf dem Tisch liegt, reicht aus meiner Sicht nicht und muss im Bundestag nochmal verbessert werden. Es muss selbstverständlich sein, dass wir die kalte Progression vollständig ausgleichen, spätestens wenn im Oktober der sogenannte Progressionsbericht vorliegt und wir die genauen Zahlen kennen. Alles andere wäre eine Mehrbelastung. Und ich finde, wir müssen uns auch nochmal anschauen, wie wir zu echter Entlastung kommen können. Das geht aber nur, wenn wir an anderer Stelle sparen und dazu auch nochmal über Grundzüge des aktuellen Haushaltsentwurfes sprechen.

Frustriert es Sie, wenn Ideen junger Abgeordneter übergangen werden?

In der Politik geht es immer auch um Kompromisse. Mir geht es darum, dass sich die Dinge in die richtige Richtung entwickeln. Es gäbe weder den aktuellen Vorschlag zur Rentenreform noch die derzeit laufende Diskussion um den Haushalt und Entlastungen, wenn wir die Debatten darüber nicht mit durchdachten Vorschlägen und guten Argumenten angestoßen hätten.

Sie sind in den vergangenen Monaten bundesweit bekannt geworden. Haben sich damit auch Ihre Ambitionen geändert?

Die Medienanfragen haben zugenommen, das stimmt. Ich bin aber vor allem auch deshalb in die Politik gegangen, um mich für eine nachhaltige und generationengerechte Finanz- und Haushaltspolitik einzusetzen. Dafür bin ich im Haushaltsausschuss genau an der Stelle, an der ich politisch arbeiten möchte.

Wie sollte eine nachhaltige Finanzpolitik aussehen?

Der einfache Grundsatz sollte sein, dass wir heutige Politik nicht auf Kosten der Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten kommender Generationen finanzieren. Die enormen Nachholbedarfe, die wir gerade für Sicherheit, Verteidigung und Infrastruktur finanzieren müssen, sind kurzfristig nur mit einer gewissen Kreditaufnahme stemmbar. Die Ausnahme der Verteidigungsausgaben aus der Schuldenbremse und die Sonderschulden für die Infrastruktur sind aber Übergangskonstrukte und dürfen nicht zur Dauerveranstaltung werden. Das zeigen schon die Zahlen: Im nächsten Jahr wird der Bund rund 200 Milliarden Euro neue Schulden aufnehmen. Wenn wir nicht gegensteuern, reichen die kompletten Steuereinnahmen des Bundes Mitte der 2030er-Jahre gerade noch, um die Ausgaben für Soziales, Verteidigung und Zinsen zu bezahlen. Das kann auf Dauer nicht gutgehen. Darum müssen wir jetzt damit beginnen, die Bundesausgaben so umzubauen, dass wir ohne eine dauerhaft hohe Kreditaufnahme langfristig mehr für Sicherheit und Infrastruktur ausgeben können.

Wie sieht die Lösung für die gesperrte Bahnbrücke in Lahr aus?

Ich finde die Vorschläge spannend, die nun in Sachen Stahlbrücke auf dem Tisch liegen. Hinzu kommt: Die Brücke hätte ja mit der Sanierung der Rheintalbahn ohnehin umgebaut werden müssen, dann aber mit finanzieller Beteiligung der Bahn. Wir sollten darum mit der Bahn auch darüber sprechen, ob sie ihre finanzielle Beteiligung nun vorzieht. Es wäre völlig absurd, wenn man mit der Sanierung der Bahnstrecke die Brücke nochmal umbauen müsste.

Ein weiteres großes Infrastrukturthema im Wahlkreis ist der Bau der Kreisstraße. Hinter dem Projekt stehen aber plötzlich nicht mehr alle Fraktionen im Lahrer Gemeinderat. Braucht es die Straße noch?

Es braucht vor allem die Entlastung für Kippenheim, die seit Jahrzehnten nicht nur notwendig, sondern auch versprochen ist.

Die Gemeinderatsfraktionen CDU, SPD und Grüne finden, dass man auf den Lahrer Teil verzichten kann, also auf die Umfahrung von Kippenheimweiler und Langenwinkel.

Wir sollten bei solchen Infrastrukturmaßnahmen langfristig denken. Eine gut ausgebaute Infrastruktur ist die Voraussetzung dafür, dass wir Wirtschaftsregion bleiben. Dass die Kommunalpolitik mittlerweile gezwungen ist, über solche Langfristinvestitionen zu diskutieren, zeigt vor allem, wie es um die Finanzlage der Kommunen steht und dass Bund und Land die Kommunen bei ihren Standards und Pflichtaufgaben entlasten müssen. Auch hier braucht es eine Aufgabenkritik.

Was wollen Sie bis zum nächsten LZ-Sommerinterview in einem Jahr erreicht haben?

Dass wir bei der Bahnplanung die nächsten sinnvollen Schritte gegangen sind, der Bau vorangeht und die damit verbundene Planung des Autobahnausbaus endlich Fahrt aufnimmt. Die Voraussetzung für alles andere ist aber, dass die wirtschaftliche Dynamik wieder zunimmt und der Arbeitsmarkt anzieht. Dafür müssen wir den Standort wieder wettbewerbsfähig machen. Darum kämpfe ich weiter dafür, dass wir die Sozialbeiträge stabilisiert bekommen, bei den Steuern entlasten können und bei der Entbürokratisierung vorankommen.

Bury fordert Glaubwürdigkeit

Laut Umfragen ist die AfD bundesweit zurzeit die stärkste politische Kraft, CDU/CSU nur Zweiter. Auf die Frage, wie sich das wieder drehen lässt, erwiderte Bury, dass die Union Glaubwürdigkeit verloren habe, die es wiederaufzubauen gelte – das gelinge nur durch Taten. „Sind wir in der Lage, notwendige Veränderungsprozesse aus der politischen Mitte heraus anzustoßen und zu erklären? Oder machen wir uns zum Verteidiger des Status quo und wundern uns dann, wenn Menschen, die Veränderungen wollen, sich extreme und gefährliche Kräfte suchen, die vermeintlich für diese Veränderungen sorgen?“ Diesen Fragen müsse man sich stellen.