Nach vielen Erfolgen
: Darum verlässt der Lahrer Bassist Nicolai Hoch die erfolgreiche Band „Setyoursails“

Über Jahre stand Nicolai Hoch auf der Bühne – zuletzt mit einer aufstrebenden Kölner Metalcore-Band. Nun hat er die Gruppe verlassen. Im Gespräch blickt er auf die vielen Höhepunkte zurück, spart aber auch die düsteren Seiten nicht aus.
Von
Pascal Lienhard
Lahr
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Jahrelang stand Nicolai Hoch mit unterschiedlichen Bands auf der Bühne. Nun legt er eine Pause ein. Das Foto entstand im Dezember 2025 beim Auftritt von „Setyoursails“ in der Hamburger Sporthalle.

Jahrelang stand Nicolai Hoch mit unterschiedlichen Bands auf der Bühne. Nun legt er eine Pause ein. Das Foto entstand im Dezember 2025 beim Auftritt von „Setyoursails“ in der Hamburger Sporthalle.

Maria Lydia Frames
  • Bassist Nicolai Hoch hat die Kölner Metalcore-Band Setyoursails verlassen.
  • Er spielte seit 2006 in Bands, war 14 Jahre fast durchgehend auf Tour – Freude ging verloren.
  • Höhepunkte: ausverkaufte „Bad Blood“-Tour, Auftritte bei Wacken und Summer Breeze.
  • Gründe: fehlende Routine, hoher Stress, Belastung durch Tourleben; Trennung verlief freundschaftlich.
  • Er legt eine Pause ein, schreibt erste eigene Songs und lobt die Rockwerkstatt in Lahr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

„Zum ersten Mal seit 2006 spiele ich aktuell in keiner Band“, sagt Nicolai Hoch – und muss erstmal schlucken. „Das wurde mir gerade erst klar. Das finde ich jetzt selbst krass.“

Hoch ist in der Region kein Unbekannter und auch überregional hat er sich den vergangenen Jahren einen Namen gemacht – zunächst als Mitglied der Freiburger Rockband „Von Welt“ und seit 2022 als Bassist der Kölner Metalcore-Kombo „Setyoursails“. Mit den beiden Gruppen ist er in eigenen Worten „um die halbe Welt gereist.“

14 Jahre war Hoch konstant auf Tour

In seine erste Band stieg der heute 33-Jährige vor 20 Jahren ein, seit 17 Jahren steht er regelmäßig auf der Bühne, seit 14 Jahren ist er mehr oder weniger konstant auf Tour. Alleine mit „Setyoursails“ hat er in den vergangenen vier Jahren „mehrere Hundert Shows“ gespielt – unter anderem auf den Metal-Festivals „Wacken“ und „Summer Breeze“.

Bis vor einigen Wochen – da teilte der Musiker via Instagram mit, dass seine Zeit bei der Metalcore-Band zu Ende ist. „Der Gedanke ist schon länger gereift“, blickt Hoch im Gespräch mit unserer Redaktion zurück. In den vergangenen Monaten habe er bemerkt, dass ihm Freude und emotionale Erfüllung verloren gegangen seien. Selbst Konzerte seien für ihn zu einer Belastung geworden. „Das ist mir so in den vergangenen 17 Jahren nicht passiert“, betont Hoch. Er habe es sich dann zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, woher dieses Gefühl kommt. Letztlich seien es mehrere Faktoren gewesen, die zu der Situation beitrugen. Im Gespräch mit seinen Bandkollegen sei man schließlich gemeinsam zum Schluss gekommen, dass es das Beste für Hoch sei, die Band zu verlassen. „Das ist alles freundschaftlich abgelaufen“, stellt er klar.

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„Setyoursails“ feierten in den vergangenen Jahren große Erfolge. Der auf Spotify erfolgreichste Song der Formation – ein rockiges Cover von „Shallow“ von Lady Gaga und Bradley Cooper – kommt auf rund 2,5 Millionen Streams. Die Zeit mit den Kölnern sei ein einziger Adrenalinrausch gewesen, beschreibt es der Lahrer.

Dabei hat er viel erlebt. Ein Highlight sei die Tour zum Album „Bad Blood“ von 2024 gewesen. „Da haben wir so viele Läden ausverkauft und mehr Karten verkauft, als wir je gedacht hätten.“ Was die vier Musiker in den vergangenen Jahren erreicht haben und wie sie gewachsen seien, das könne ihnen niemand nehmen.

In den Jahren mit „Setyoursails“ habe Hoch mit Künstlern und in Locations gespielt, von denen er früher nur habe träumen können. Einst habe er sich DVDs von Bandauftritten im Londoner O2 Shepherd’s Bush Empire angesehen – mit seiner Gruppe trat er dann selbst in der voll besetzten Halle auf.

Als Musiker fehlt oftmals die alltägliche Routine

Doch ist es dem Lahrer auch wichtig, nichts zu beschönigen. Die allermeisten Menschen haben seiner Meinung nach falsche Erwartungen, was das Leben als Musiker anbelangt. „Viele sehen nur die Konzerte, das Positive.“ Er selbst habe 100 Prozent der Zeit, die nicht essenziell für Job und Privatleben waren, in die Band gegeben, pendelte dafür von Lahr nach Köln. „Da habe ich mir auch schonmal nach der Show ein Auto gemietet, um es rechtzeitig auf die Hochzeit von Freunden zu schaffen.“

Man sei als Musiker oft für Wochen oder Monate weg, habe keine Routine beim Essen, beim Sport, beim Schlaf. Manchmal bliebe nichts anderes übrig, als mit Hilfe von Medikamenten auch krank auf die Bühne zu gehen. Der stressige Alltag könne einen psychisch und physisch an die Grenze bringen.

Auch viele Freundschaften können auf diese Weise zerbrechen, berichtet Hoch. Er selbst habe ein riesiges Glück, einen „super Freundeskreis“ zu haben. Erst jetzt realisiere er, was bei vielen seiner Freunde über die Jahre alles passiert sei.

Trotz dieser Erfahrungen stellt Hoch klar: „Ich würde also noch einmal genauso machen.“ Jeder, der sich vorstellen kann, Musiker zu werden, solle es ausprobieren. „Man darf nur nicht verblendet reingehen, es ist nicht nur Glamour.“ Hoch ist sich sicher, dass die Entscheidung zum Ausstieg richtig war: „Es geht mir wieder besser und ich habe den Kopf frei für andere Sachen.“

Wie und ob es für den Lahrer nun musikalisch weitergeht, kann er noch nicht sagen. Zunächst einmal wolle er eine Pause einlegen. Doch verrät er auch, dass er schon wieder angefangen habe, erste eigene Songs zu schreiben. „Ich will aber alles behutsam angehen und mich nicht direkt auf das nächste Projekt stürzen.“

Lob für Rockwerkstatt

Nicolai Hoch hofft, dass es in Lahr und der Region bald wieder mehr Konzerte junger Formationen gibt. Insgesamt beobachte er, dass sich immer weniger junge Menschen zu Bands zusammenschließen. In diesem Kontext kritisiert er die fehlenden Proberäume in Lahr. Dabei gebe es mit der Rockwerkstatt einen wirklich tollen Verein. „Ohne den wäre ich selbst nie aus der Stadt rausgekommen“, berichtet der Bassist. Wenn junge Musiker Unterstützung brauchen, finden sie diese bei der Rockwerkstatt, lobt er.