Nach dem Zweiten Weltkrieg
: Wie die Friedenskapelle Wallburg zur deutsch-französische Versöhnung beitrug

Die Kapelle in Wallburg steht seit ihrer Errichtung für die deutsch-französische Versöhnung. Daran wurde bei einem emotionalen Friedensfest erinnert.
Von
Sandra Decoux
Ettenheim
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Die Musikkapelle Wallburg stimmte die Besucher ein.

Decoux

Mit dem feierlichem Geläut begann am Sonntag die Friedensfeier an der Friedenskapelle in Wallburg – ein Programmpunkt im Rahmen des 800-jährigen Ortsbestehens. „Traditionen aufleben zu lassen, war der Wunsch vieler Bürger zum Jubiläum“, betonte Ortsvorsteherin Marion Ibert in ihrer Begrüßung. Die Friedenskapelle sei tief mit Wallburg verbunden und erinnere heute mehr denn je daran, wie wichtig es sei, den Frieden zu bewahren und immer wieder neu zu stärken.

Anschließend zeichnete Franz Föhrenbacher als Sohn des Erbauers die Entstehungsgeschichte des besonderen Ortes nach. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätten Witwen die Marienstatuen gestiftet. Sein Vater stellte das Gelände zur Verfügung und verwirklichte Schritt für Schritt seine Vision. Zunächst entstand 1963 an den Wasserläufen die Grotte. Schon damals habe sein Vater die Idee gehabt, an dieser Stelle eine Kapelle zu errichten. „Damals war hier nur eine Wiese, kein einziger Baum stand hier“, erinnerte er. Heimlich habe sein Vater Steine den Hang hinaufgetragen und damit den Grundstein für das spätere Bauwerk gelegt. 1987 wurde die Friedenskapelle schließlich eingeweiht – als Ort der Erinnerung an die Schrecken des Krieges und zugleich als Ort des Friedens. Über viele Jahre hinweg veranstalteten die Mitglieder des Heimkehrerverbands dort die jährliche Friedensfeier. Der Heimkehrerverband Ettenheim setzte nach dem Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit Gästen aus dem Elsass bewusst Zeichen der deutsch-französischen Aussöhnung. Regelmäßig kamen Menschen beiderseits des Rheins zusammen, um Freundschaft, Verständigung und ein friedliches Miteinander in Europa zu fördern.

Kapelle ist ein Zeichen der deutsch-französischen Versöhnung

Es brauche genau solche Menschen, die an etwas glauben und Visionen verwirklichen, betonte Brigitte Klinkert, Co-Vorsitzende des Deutsch- Französischen Parlaments Frankreich. Frieden beginne nicht mit Verträgen, sondern mit der Bereitschaft, auch in schwierigen Situationen andere Wege zu suchen, Kompromisse einzugehen und aufeinander zuzugehen. Die Kapelle sei dafür ein eindrucksvolles Sinnbild. „Ich sehe hier mehr als ein liebevoll erbautes Gebäude“, sagte Klinkert. In ihr spiegelten sich Respekt, Geduld, Durchhaltevermögen, Widerstandskraft und Vertrauen wider. Frieden gleiche dem Bau der Kapelle: Am Anfang stehe eine Idee, dann brauche es ein Fundament, Steine und Mörtel.

Auch politische Lokalprominenz nahm am Friedensfest teil – darunter Lahrs OB Markus Ibert (von links), Agrarministerin Marion Gentges und die Bundestagabgeordneten Yannick Bury (CDU) und Johannes Fechner (SPD).

Foto: Decoux

Besonders eindringlich erinnerte Klinkert an die deutsch-französische Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg. Rund 130.000 Elsässer seien damals zwangsweise in die Wehrmacht eingezogen worden, viele hätten ihr Leben in einer Uniform verloren, die nicht die ihre gewesen sei. Umso bedeutender seien die späteren Zeichen der Freundschaft gewesen. Symbolisch verwies sie darauf, dass der Bau der Grotte 1963 im selben Jahr begann, in dem mit dem Élysée-Vertrag die Grundlage für die deutsch-französische Freundschaft gelegt wurde. Es seien Visionäre gewesen, die damals den Mut hatten, zu sagen: Nie wieder Krieg. Umso bedrückender sei die Tatsache, dass heute, nur rund 1200 Kilometer von Wallburg entfernt, wieder Krieg in Europa herrsche.

Redner betonen die tiefe Bedeutung der Friedenskapelle

Auch die Pfarrer Martin Kalt und Martin Grösser teilten Gedanken zum Thema Frieden. Oft werde heute schon über Menschen aus Nachbardörfern oder pauschal über Franzosen schlecht gesprochen. Frieden beginne jedoch im Kleinen. „Auch kleine Leute können Werkzeuge des Friedens werden.“ Mit „Selig sind, die Frieden stiften“, erinnerten sie an ein Gebet, das Christen während des Ersten Weltkriegs gesprochen hatten.

Pfarrer Martin Kalt und Martin Grösser (linkes Bild) teilten ihre Gedanken zum Thema Frieden.

Foto: Decoux

In den Grußworten wurde mehrfach die Bedeutung der Friedenskapelle als Mahnmal und Begegnungsstätte hervorgehoben. „Möge die Friedensglocke noch lange für den Frieden läuten“, lautete der Wunsch von Agrarministerin Marion Gentges. Denn Frieden sei sowohl von außen als auch von innen bedroht und müsse jeden Tag aufs Neue verteidigt werden. CDU-Bundestagsabgeordneter Yannick Bury erinnerte, dass Deutschland und Frankreich in ihrer Geschichte 23 Mal gegeneinander Krieg geführt hätten. Umso wertvoller sei die heutige Zusammenarbeit. Als Beispiel nannte er die Arbeit des deutsch-französischen Parlaments. Dort engagieren sich Bury auf deutscher und Klinkert auf französischer Seite als Vizepräsidenten für die Vertiefung der Partnerschaft und ein starkes Europa.

Info -Schüler setzen ein Zeichen

Einen bewegenden Beitrag leisteten Schüler des städtischen Gymnasiums Ettenheim, die das Gedicht „Liberty“ aus dem Jahr 1942 vortrugen. Als Symbol ihrer eindrucksvollen Botschaft verteilten sie anschließend Friedenstauben an die Besucher.

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