Lahr hat „Chance vertan“: IHK kritisiert höhere Parkgebühren und Aus des Flächenmanagers

Blick auf die Lahrer Innenstadt: Sie wird keinen Flächenmanager erhalten – sehr zum Unmut der IHK.
BildsteinIn einer denkbar knappen – und am Ende konfusen – Abstimmung hat der Lahrer Gemeinderat am Montag das Aus eines Flächenmanagers beschlossen. Die Verwaltung hätte diese Rolle gerne geschaffen, um das Leerstandsmanagement in professionelle Hände zu geben. Die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein begleitet die Stadt seit einiger Zeit bei der Entwicklung der Innenstadt – und reagiert nun mit Kritik.
„Aus Sicht der IHK wäre die Einrichtung eines umfänglichen Flächenmanagements ein entscheidender Baustein für die nachhaltige Entwicklung der Lahrer Innenstadt gewesen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Ziel eines solchen Ansatzes wäre gewesen, Leerstände gezielt zu reduzieren, Nutzungen besser zu steuern und Immobilieneigentümer einzubinden. Die IHK hatte im Rahmen ihrer Innenstadtberatung ausdrücklich empfohlen, eine entsprechende Stelle zu schaffen und das vorhandene Förderprogramm des Landes zu nutzen. Dabei hätte ein Großteil der Kosten über Fördermittel gedeckt werden können, während der kommunale Anteil bei rund 96.000 Euro über drei Jahre gelegen hätte. „Die Aufgabe bleibt bestehen und es bleibt nun abzuwarten, inwiefern diese im vorhandenen städtischen Personalbestand angegangen werden kann“, erklärt Thomas Kaiser. Für den Innenstadtberater sei klar, „dass strategisches Management der über 450 gewerblichen Flächen in der Innenstadt nicht so nebenbei und schon gar nicht durch vermeintlich einfache Gespräche mit Eigentümern oder Mietern zu lösen sind“.
„Strukturen aufbauen wäre notwendig gewesen“
Die Analyse der IHK habe in Lahr Handlungsbedarf aufgezeigt. Der Einzelhandel verliere weiter an Bedeutung, Leerstände und auch genutzte Flächen müssten proaktiv gemanagt werden, denn 30 Prozent der betroffenen Betriebe blickten bereits jetzt skeptisch auf die kommenden zehn Jahre . „Gerade vor diesem Hintergrund wäre es notwendig, personelle Strukturen aufzubauen, um den nötigen Transformationsprozess aktiv zu gestalten.“
Kritisch sieht Kaiser zudem die Entscheidung zur Erhöhung der Parkgebühren. Der Rat hat am Montag einen Kompromiss getroffen und die Gebühren in einer neuen Tarifzone II auf einen Euro erhöht. Zusatzeinnahmen sollen über einen Innenstadt-Fonds dem Zentrum zugute kommen. „Nach dem Verursacherprinzip ist der Gedanke grundsätzlich nicht falsch, hat aber nur eine positive Wirkung, wenn im Gegenzug die Gesamtattraktivität das über Parkgebühren erworbene Eintrittsticket wert ist. Das ist derzeit nicht der Fall“, mahnt Kaiser. Wenn zusätzliche Einnahmen generiert werden, die aber nicht in gezielte strukturelle Maßnahmen zur Stärkung der Innenstadt fließen, entstehe ein Ungleichgewicht zu Lasten von Gewerbe und Besuchern.
