Kritik am Rückzug wächst
: Lahrer Eltern fordern Alternative zum Bau der Breitmattenschule

Die Gesamtelternbeiräte der Lahrer Schulen und der Kitas schlagen nun Alarm, fordern eine andere Lösung. Die derzeitige Situation sei so nicht weiter hinnehmbar.
Von
Jonas Köhler
Lahr
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Die Breitmattenschule – hier eine Visualisierung, wie sie aussehen könnte – soll vorerst nicht gebaut werden. Eltern fordern nun einen anderen Weg, die Situation im Lahrer Osten zu entschärfen.

Stadt Lahr

„Kinder wachsen nicht nach Haushaltsjahren auf“ – mit diesem Appell wenden sich die Lahrer Elternvertreter an die Stadtverwaltung. Hintergrund ist das geplante vorübergehende Aus eines Schulneubaus im Lahrer Osten, das der Gemeinderat am Montag beschließen soll. Beim Gesamtelternbeirat (GEB) der Lahrer Schulen und dem GEB der Lahrer Kitas stößt dies auf Kritik, da aus ihrer Sicht keine akzeptablen Alternativen aufgezeigt werden.

Rückblick: Bereits im Februar 2024 haben die Elternvertretungen auf die Situation im Lahrer Osten hingewiesen. „Schon damals waren die räumlichen Kapazitäten an vielen Stellen angespannt. Schon damals war klar, dass neue Wohngebiete entstehen und Familien nach Lahr ziehen. Schon damals war offensichtlich, dass die Anforderungen an unsere Bildungseinrichtungen weiter steigen würden“, lassen die Elternvertreter verlauten. Im Lahrer Rathaus und im Gemeinderat herrschte daraufhin Einigkeit, dass man den Platzproblemen Abhilfe schaffen möchte. unter dem Arbeitstitel „Breitmattenschule“ wurde – nach einigen finanziellen Unsicherheiten – ein Neubau beim Wohnmobilstellplatz in Aussicht gestellt. Aufgrund „deutlich veränderter Rahmenbedingungen“ – unter anderem die städtische Haushaltslage – will die Verwaltung das Projekt nun via Gemeinderatsbeschluss jedoch vorerst auf Eis legen (wir berichteten).

Die Elternvertreter beklagen nun jedoch, dass die Situation heute „nicht entspannter“ sei. Die Situation funktioniere nur deshalb, „weil die Schulen und Bildungseinrichtungen seit Jahren mit außerordentlichem Engagement und großer Kompromissbereitschaft Lösungen ermöglichen, die eigentlich nicht zum Dauerzustand werden dürfen“. Insbesondere in Kuhbach, aber auch an der Geroldseckerschule, würden Räume mehrfach genutzt, auf notwendige Funktionsräume verzichtet und organisatorische Kompromisse eingegangen, um den Bildungsbetrieb überhaupt aufrechterhalten zu können. Wie dies in der Praxis aussieht, präsentierte die Kuhbacher Schule im Februar beim Besuch von Carsten Gabbert. Die Vertreter begrüßten den Regierungspräsidenten damals in einem Klassenzimmer, das früher Betreuungsraum war und auch als Küche und Lagerraum genutzt wird.

Appell an Stadt: Andere Lösungen sind vorzulegen

Man verkenne die Herausforderungen für die kommunalen Haushalte nicht, betonen die Elternvertreter. Ihnen sei bewusst, dass Städte und Gemeinden bundesweit unter erheblichem finanziellen Druck stehen und schwierige Entscheidungen treffen müssen. Wer den geplanten Neubau absage, übernehme jedoch gleichzeitig die Verantwortung dafür, eine tragfähige und funktionierende Alternative vorzulegen. „Ein Verzicht auf den Neubau darf niemals ein Verzicht auf die Lösung des Problems sein“, heißt es in der Pressemitteilung.

Insbesondere fordern die Elternvertreter folgende Fragen zu klären: Wie wird die bereits heute kritische Raumsituation an der Grundschule Kuhbach kurzfristig gelöst? Welche konkreten Maßnahmen sind vorgesehen, um die Situation an der Geroldseckerschule nachhaltig zu verbessern? Wie wird sichergestellt, dass die bisherige Kompromissbereitschaft der Schulen und Bildungseinrichtungen nicht dauerhaft als Ersatz für notwendige Investitionen missverstanden oder vorausgesetzt wird? Welche konkreten baulichen Maßnahmen treten an die Stelle des geplanten Neubaus und wann werden diese umgesetzt? Welche Investitionen sind an den bestehenden Standorten konkret vorgesehen? Welche finanziellen Mittel werden hierfür bereitgestellt? Welchen verbindlichen Zeitplan verfolgt die Stadt? Wann werden diese Maßnahmen beschlossen und umgesetzt?

Die Stadt argumentierte bei der Idee, die Breitmattenschule zurückzustellen, auch damit, dass sich die Einschätzung zur Entwicklung der Schul- und Betreuungsbedarfe verändert habe. „Ein Verweis auf langfristige Entwicklungen ersetzt kein Konzept für die tatsächlichen Herausforderungen von heute“, betonen die Elternvertreter.

Besonders kritisch sehe man die Gefahr, notwendige Entscheidungen immer weiter in die Zukunft zu schieben. „Die Geschichte der Bildungsinfrastruktur zeigt leider immer wieder das gleiche Muster: Solange der akute Mangel noch irgendwie improvisiert werden kann, wird gewartet. Erst wenn die Probleme offensichtlich geworden sind, entsteht Handlungsdruck – dann allerdings zu deutlich höheren Kosten und unter erheblich schlechteren Rahmenbedingungen“, mahnen die Elternvertreter und betonten abschließend: „Versäumte Bildungs- und Entwicklungschancen lassen sich nicht einfach in späteren Haushaltsjahren nachholen.“

Kritik aus dem Reichenbach Ortschaftsrat

Nachdem bereits massive Kritik aus Kuhbach kam (wir berichteten), hat der Ortschaftsrat Reichenbach am Montag über das Thema diskutiert. Senja Dewes von der Amtsleitung Amt für Soziales, Schulen und Sport und Silke Kabisch, Abteilungsleiterin Gebäudemanagement der Stadt, referierten ausführlich über die Gründe, die die Verwaltung dazu bewog, das Projekt Breitmattenschule zurückzustellen, darunter die höheren Investitionskosten, eine stringente Fristensetzung, die aktuelle Haushaltssituation sowie die Entwicklung der Kinderzahlen. In Reichenbach stünden genügend Räumlichkeiten zur Verfügung, dort könnten eventuell fehlende Plätze der Grund-schule Kuhbach kompensiert werden. Quer durch die Fraktionen ließ sich das Unbehagen über die neu entstandene Situation vernehmen. Hermann Kleinschmidt (SPD) bemängelte deutlich, dass es aufgrund der neuen Sachlage im ganzen Gebiet der Lahrer Oststadt kein Ganztagesangebot geben werde. Da jedoch keinerlei finanzieller Spielraum bleibe, müsse man sich den Fakten stellen, merkte Harald Günther (CDU) an.

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