Stadt ändert ihre Pläne: Schulneubau im Lahrer Osten rückt in weite Ferne

Hier in den Breitmatten in Kuhbach – in östlicher Verlängerung des Lahrer Wohnmobilstellplatzes – sollte die neue Grundschule gebaut werden. Ein Großteil der Fläche steht im Eigentum der Stadt.
BaubliesEs ist seit Jahren das Thema in der Geroldsecker Vorstadt, Reichenbach und vor allem in Kuhbach: die beengten Verhältnisse an den dortigen Grundschulen und Kitas. Der in den Stadtteilen erhoffte Schulneubau wird nun aber weiter auf sich warten lassen, wie einer Pressemitteilung der Stadt zu entnehmen ist.
Hintergrund seien deutlich veränderte Rahmenbedingungen seit der Antragstellung im Jahr 2024. „Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Konzeption auf Grundlage verlässlicher Rahmenbedingungen neu bewertet werden“, so die Verwaltung.
Die ungünstige Förderkulisse, die angespannte Haushaltslage der Stadt sowie bauliche und schulorganisatorischen Anforderungen hätten dazu geführt, dass die bisherige Konzeption nicht mehr wirtschaftlich und organisatorisch sinnvoll umgesetzt werden kann. Parallel hierzu hätten sich auch die Einschätzungen zur Entwicklung der Schul- und Betreuungsbedarfe verändert.
Problematisch ist aus Sicht der Verwaltung die aktuelle Förderkulisse: Die Förderbedingungen verlangten eine räumliche Trennung von Ganztags- und Pflichtbereich. Dadurch müssten mehrere eigenständige Gebäude errichtet werden, was man im Rathaus schulorganisatorisch, planerisch und wirtschaftlich für wenig sinnvoll hält.
Zudem sei die geplante Turnhalle nicht förderfähig. Darüber hinaus würden aufgrund der engen zeitlichen Vorgaben des Förderprogramms erhebliche Risiken für eine fristgerechte Umsetzung bestehen.
Ursprünglich war die Verwaltung auf Grundlage der damaligen Datenlage im Sozialreport von einem Bedarf für eine drei- bis dreieinhalbzügige Grundschule im Lahrer Osten ausgegangen. Der Klärungsprozess zum künftigen Bedarf habe jedoch erst im Frühjahr 2026 abgeschlossen werden können.
Danach habe das Regierungspräsidium Freiburg die langfristige Entwicklung mit einer zweizügigen Schule im Lahrer Osten beurteilt und dabei eine längerfristige Stagnation der dortigen Schülerzahlen bestätigt. Gleichzeitig zeigten Bedarfsanalysen, dass mit Einführung des Rechtsanspruchs auf Betreuung die bestehenden Betreuungsangebote in der Oststadt den künftig erwarteten Bedarf abdecken können, so die Verwaltung. Auch die finanziellen Rahmenbedingungen hätten sich stark verändert. Die bisher vorgesehene Gesamtplanung mit Ganztagsbereich, Pflichtschulbereich und Turnhalle würde Investitionskosten von rund 21 Millionen Euro verursachen.
Stadt müsste Kosten von 13 Millionen Euro stemmen
Trotz möglicher Fördermittel von etwa 8,2 Millionen Euro bliebe eine Belastung von rund 13 Millionen Euro für den städtischen Haushalt. Hinzu kämen Folgekosten durch den Betrieb. Dabei seien die Kosten des Umbaus der jetzigen Kuhbacher Grundschule zur Kita noch gar nicht berücksichtigt.
In dieser Gemeinderatssitzung am 22. Juni wird die Stadt auch den Beschlussvorschlag vorlegen, der Schaffung der baulichen und organisatorischen Voraussetzungen für die Ganztagsbetreuung an der Johann-Peter-Hebel Schule und der Eichrodtschule zuzustimmen. Mit der Einrichtung von Ganztagsschulen – neben der Schutterlindenbergschule, die bereits eine Ganztagsschule ist – an diesen beiden Standorten realisiert die Stadt den Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder, der in Baden-Württemberg ab 2026/2027 stufenweise umgesetzt wird.
Um dem prognostizierten Bedarf von etwa 210 Schülern 2028/2029 gerecht zu werden, plant die Stadt einen Neubau für die Ganztagsbetreuung auf dem Grundstück der Johann-Peter-Hebel-Schule. Die aktuelle Kostenprognose, Stand Januar 2026, liegt bei rund 6,56 Millionen Euro. Für das Projekt wurde eine Förderung aus dem Investitionsprogramm Ganztagsausbau über 3,824 Millionen Euro bewilligt. Der Förderanteil beträgt rund 58 Prozent der förderfähigen Kosten. Auch an der Eichrodtschule möchte die Stadt die baulichen und organisatorischen Voraussetzungen zur Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung schaffen.
Geplant sind der Umbau und die Instandsetzung freier Flächen im Gebäude Lotzbeckstraße 20, die durch die schrittweise Schließung des Horts sowie die Verlagerung des Pinocchio-Schulkindergartens frei werden.
Der Schulkindergarten soll an einen anderen Standort verlegt werden; hierfür werden derzeit Optionen geprüft, darunter die Schutterflöhe und der Altbau der Theodor-Heuss-Schule. Darüber hinaus wird der bisherige Hortbetrieb in eine ergänzende kommunale, betriebserlaubnisfreie Schulkindbetreuung in Trägerschaft der Caritas im Rahmen des Ganztagskonzepts überführt. Die aktuelle Nettobelastung unter Berücksichtigung möglicher Förderungen liegt laut Stadt geschätzt bei rund 1,4 Millionen Euro.
Thema im Gemeinderat
Die Verwaltung schlägt dem Gemeinderat vor, das Projekt in der bisherigen Form zurückzustellen und die weitere Entwicklung der Schul- und Betreuungsbedarfe sowie der Förder- und Finanzierungsbedingungen zu beobachten. Ziel bleibe es, mittelfristig auf Grundlage verlässlicher Rahmenbedingungen eine tragfähige Lösung für den Bildungsstandort im Lahrer Osten zu entwickeln. Die abschließende Beratung und Beschlussfassung durch den Gemeinderat ist für Montag, 22. Juni, vorgesehen.