„Kappel-Grafenhausen ist nun Heimat“
: Dieses Fazit zieht Philipp Klotz nach einem Jahr als Bürgermeister

Ein neuer Bürgermeister, ein neuer Gemeinderat und viel neues Personal im Rathaus: Mit der Wahl von Philipp Klotz vor einem Jahr hat die Doppelgemeinde einen Neustart hingelegt. Nach einem Jahr zieht der 27-Jährige nun Bilanz.
Von
Julia Göpfert
Kappel Grafenhausen
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Schwarzwälder Bote

Ein Jahr ist Philipp Klotz nun als Bürgermeister von Kappel-Grafenhausen im Amt – und hat in der Gemeinde schon einiges umgekrempelt. Mit unserer Redaktion sprach er über schöne Erlebnisse, Widrigkeiten und wie der Neustart mit einem neuen Gemeinderat verlief.

Herr Klotz, mit welchen drei Begriffen würden Sie Ihr erstes Jahr als Bürgermeister von Kappel-Grafenhausen beschreiben?

Aufregend: Kein Tag ist wie der andere.

Glücklich: Ich freue mich, dass ich von der Bevölkerung und den Mitarbeitern so herzlich empfangen wurde und ich achte auch darauf, dass ich die Leute noch besser kennenlerne. Bei den Vereinen, die ihr Jubiläum feierten, habe ich zum Beispiel auch mal eine Schicht im Festzelt übernommen.

Und schließlich stressig: Ich arbeite meist deutlich mehr als 40 Stunden pro Woche. Allein im Veranstaltungskalender der Gemeinde stehen mehr als 100 Termine für dieses Jahr: Nach Möglichkeit will ich bei allen dabei sein. Ich war schon vorher sehr aktiv – aber das lässt kaum noch Zeit für Nebenprojekte. Das muss sich vielleicht noch ein wenig einspielen. Aber es macht mir auch Spaß! Es ist anstrengend, aber auch erfüllend.

Ja, ich sehe es auch an dem Lächeln: Sie sind definitiv immer noch glücklich mit Ihrer Entscheidung, zu kandidieren ...

Ja, das habe ich bisher keinen Tag bereut.

Jubiläumsfeier der Musikkapelle Grafenhausen blieb besonders im Gedächtnis

Gab es unter all diesen Veranstaltungen eine, die für Sie besonders war?

Das 200-Jährige der Musikkapelle Grafenhausen war schon wirklich herausragend – in jeder Hinsicht. Das Wochenende mit dem großen Konzert war beeindruckend. Die Mitglieder haben ungeheuer viel Aufwand reingesteckt: Alles war durchgetaktet, aber mit Sinn und Verstand und einem Kassensystem, das man noch nie so hier in der Gemeinde gehabt hatte. Die Musiker haben viel Neues mit reingebracht und waren zugleich top organisiert. Ich selbst hatte im Bierwagen bei den Hexen mitgeholfen – das hat echt Spaß gemacht. Das erlebt man echt selten, dass so viel Arbeit im Ehrenamt geleistet wird für ein einziges Fest. Das wird auch ein wenig die Blaupause für unsere Jubiläumsfeier zu 50+1-Jahre Kappel-Grafenhausen werden.

Vieles dauert länger als gedacht

Das war jetzt etwas, das positiv herausgeragt ist, gab es auch negative Erlebnisse?

Dass viele Projekte einfach länger brauchen als man denkt – auch bei Kleinigkeiten. In den Bushäuschen waren bisher keine Bänke. Das habe ich im Wahlkampf versprochen zu ändern. Die Bänke zu bestellen und bis sie dann gekommen sind, hat sechs Monate gedauert. Und es ist auch schwierig und zeitintensiv, Angebote zu erstellen, Firmen – die auch kein Personal haben – daran zu erinnern, Angebote abzugeben. Dann hat man vielleicht nur ein Angebot, braucht aber noch zwei andere. Das verbraucht einfach ungemein viel Zeit, da bin ich oft auch einfach sehr ungeduldig.

Den angesprochenen Widrigkeiten zum Trotz: Was war das größte Projekt, das Sie verwirklicht haben?

Dass wir die offenen Stellen im Rathaus alle besetzen konnten: Ich habe den neuen Bauamtsleiter eingestellt. Im Bereich Schule, Kindergarten gibt es nun eine Sachbearbeiterin. Und schließlich gibt es nun meine Stabsstelle, die sich um Themen wie das Jubiläum kümmern kann, aber auch um Kleinigkeiten, die einfach liegen geblieben sind. Ein Beispiel: Wir haben mittlerweile 30 Fahrzeuge abgeschleppt, die einfach abgemeldet hier in der Gemeinde herumgestanden sind. Durch die neuen Mitarbeiter kam nun aber auch die Notwendigkeit das Rathaus umzubauen. Also mein Vorzimmer zum Beispiel war bisher ein Arbeitsplatz. Jetzt müssen dort zwei Leute sitzen. Beim ehemaligen Hauptamtsleiterzimmer wurde auch aus einem Büro drei. Der nächste Schritt ist nun, dass das Rathaus nutzbar für die Bürger wird – gerade im Hinblick auf die Barrierefreiheit. Aus dieser Hinsicht bin ich der Sparkasse dankbar, dass wir die Fläche der früheren Filiale gegenüber kaufen konnten. Zusammen mit der Rathausstraße 4 haben wir somit Potenzialfläche für die Entwicklung des Rathauses.

Neustart ist gelungen

Nicht nur Sie und viele Rathausmitarbeiter sind neu ins Amt gestartet, sondern auch neun der 14 Gemeinderäte. Wie lief das?

Wir haben uns professionelle Hilfe geholt und Schulungen angeboten. Zudem haben wir die Klausurtagungen genutzt, um zueinander zu finden. Dabei haben wir auch die gegenseitigen Erwartungen von Gemeinderat und Verwaltung ausgelotet. Wir wollen unsere Sitzungskultur ändern: Wir haben zwei neue Ausschüsse geschaffen, in denen wir die Kompetenzen der einzelnen Räte nutzen können. So haben wir etwa im technischen Ausschuss das Glück, auf die Expertise der Räte, die im Baugewerbe sind, zurückgreifen zu können. Zudem trifft sich der Rat jetzt häufiger, um Themen in Ruhe durchdiskutieren zu können. Alles in allem muss ich sagen: Wir haben einen super Gemeinderat mit viel Motivation.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft in Kappel-Grafenhausen?

Dass wir möglichst viel umgesetzt bekommen und dass mir das tolle Personal, das wirklich gute Arbeit leistet, erhalten bleibt.

Letzte Frage: Wie geht es mit dem Umzug nach Kappel-Grafenhausen voran?

Es ist echt schwierig, die Region hat einen ordentlichen Druck auf dem Wohnungsmarkt – besonders dann, wenn man wie in meinem Fall ein Grundstück zum Bebauen sucht, weil man nicht die Zeit hat, ein altes Haus herzurichten. Aber: Kappel-Grafenhausen ist jetzt meine Heimat, ob ich hier wohne oder nicht.

Wie steht’s mit den Wahlversprechen?

Bei einem Rundgang im November 2023 hat Philipp Klotz, damals noch Bürgermeisterkandidat, an fünf Stationen seine Pläne für Kappel-Grafenhausen vorgestellt. Was ist nach einem Jahr im Amt daraus geworden?

Rathaus:
Die personelle Aufstockung des Rathauses war eines der Dinge, die Klotz als Erstes anging. Nun geht es an den Umbau des Gebäudes, um Platz für die Mitarbeiter zu schaffen und den Bürgern einen barrierefreien Zugang zu gewähren.

Mühlenareal mit Festplatz:
Zu den neuen Wohnungen im Mühlenareal gehören auch neue Kita-Plätze, war Klotz 2023 klar. An der Naturkita für die Doppelgemeinde ist Klotz dran. Für die Schulen werden aktuell Machbarkeitsstudien erstellt, um den Raumbedarf zu ermitteln. „Da sind wir mittlerweile auf einem guten Weg“, erklärt Klotz. Dass Kappel-Grafenhausen 50 Jahre Eingemeindung 2024 nicht feiern sollte, fand er bereits im Wahlkampf schade. Zusammen mit den Vereinen holt er das nun nach – mit einer großen Feier am 24. und 25. Mai und mehreren kleinen das Jahr über.

Altes Feuerwehrgerätehaus in Grafenhausen:
Bevor Klotz daran gehen will, alte Gemeindegebäude sanieren, will er zunächst, dass die Gebiete ins Landessanierungsprogramm aufgenommen werden, damit die Gemeinde Zuschüsse erhält. „Bislang hatte Kappel-Grafenhausen dort noch nie ein Sanierungsgebiet“, berichtet er. Aktuell arbeiten er und die Verwaltung mit Hochdruck daran, einen Antrag stellen zu können.

Gewerbegebiet Rhinova:
Der Dachbegrünungszwang im Gewerbegebiet Rhinova ist bereits gefallen. Dennoch erklärt Klotz, dass man nochmals an den Bebauungsplan heranmüsse, damit Rhinova an Attraktivität gewinnt: „Er ist relativ restriktiv.“ So ist etwa auch die Anordnung der Grünstreifen geregelt. „Das passt zu vielen Gewerbetreibenden, die sich dort ansiedeln wollen, einfach nicht“, so Klotz.

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