Fast 200.000 Patienten behandelt: Ortenau-Klinikum macht 2025 mehr als 30 Millionen Euro Verlust

Das hochdefzitäre Ortenau-Klinikum - unser Foto zeigt die Klinik am Offenburger Ebertplatz - fuhr im vergangenen Jahr ein Minus von rund 31 Millionen Euro ein.
Armbruster- Ortenau-Klinikum meldet 2025 ein Minus von rund 31 Millionen Euro – Trend bleibt negativ.
- Für das kommende Jahr erwartet der Verbund ein Defizit von rund 50 Millionen Euro.
- Behandelt wurden insgesamt 258.867 Patientinnen und Patienten, davon 65.000 stationär.
- Ambulante Fälle stiegen auf 194.060 und die Verweildauer sank leicht auf 5,40 Tage.
- Investitionen lagen bei 109,40 Millionen Euro, davon 94,2 Millionen für Baumaßnahmen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Das Ortenau-Klinikum befindet sich auf einer Defizit-Spirale: Insbesondere nach der Corona-Pandemie – konkret seit 2023 – schoss das jährliche Minus in den mittleren zweistelligen Millionenbereich. In den vergangenen drei Jahren fuhr der kreiseigene Klinikverbund so ein Minus von mehr als 100 Millionen Euro ein – allein 31 Millionen davon im vergangenen Jahr. Das geht aus dem Geschäftsbericht hervor, den das Klinikum dem Kreistag bei seiner heutigen Sitzung vorlegen wird.
Getragen werden die Verluste vom Kreis, der seinerseits im vergangenen Jahr ein Minus von 14 Millionen Euro zu verzeichnen hatte, ohne Klinik-Zuschuss also mit einem positiven Ergebnis im zweistelligen Millionenbereich abgeschlossen hätte. 2024 war das negative Bilanzergebnis mit fast 44 Millionen Euro noch höher.
Derweil sind die Aussichten düster: Mit dem mittlerweile beschlossenen „GKV-Spargesetz“ – also dem „Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung“ – wird sich die Situation ab 2027 nochmals verschlimmern. Für das kommende Jahr rechnet das Klinikum mit einem Defizit von rund 50 Millionen Euro.
Klinikum behandelt fast 200.000 Patienten
Die Ärzte, Pfleger und Co. des Klinikums behandelten im vergangenen Jahr rund 65.000 Patienten stationär. Im Vergleich zu 2024 entspricht dies einem Anstieg um 206 Fälle. Die sogenannte Ambulantisierung – also, dass immer mehr Behandlungen ohne stationären Aufenthalt ablaufen – setzte sich 2025 weiter fort: So stieg die Zahl der ambulant behandelten Personen von 188.791 im Jahr 2024 auf 194.060, was einer Zunahme von fast drei Prozent entspricht.Die Zahl der ambulanten Operationen stieg dabei um rund vier Prozent.
Insgesamt wurden im Ortenau-Klinikum 258.867 Patienten behandelt. Die durchschnittliche Verweildauer nahm gegenüber dem Vorjahr leicht von 5,44 auf 5,40 Tage ab. Die Umsätze sind bereinigt um 37,7 Millionen Euro gestiegen. Den größten Teil der Umsatzsteigerung erzielte das Klinikum bei den Erlösen aus Krankenhausleistungen. Die Zahl der Vollzeitstellen ist mit 3844 um rund 2,53 Prozent gegenüber 2024 gestiegen. „Dabei konnten wir im Bereich der Pflegefachkräfte den bewusst gewollten Zuwachs generieren“, heißt es im Geschäftsbericht.
Die Budgeterhöhungen lagen im vergangenen Jahr seit Jahren erstmals wieder über dem Anstieg der Tariflöhne. Der Budgetanstieg durch die Anpassung des Landesbasisfallwertes lag aufgrund bundesweiter Vorgaben bei fast sechs Prozent – die Tariflöhne stiegen im Schnitt nur um 3,3 Prozent. Die Freude darüber hält sich jedoch in Grenzen: Denn im Zeitraum von 1995 bis 2025 ist der Anstieg der Personalkosten weiterhin rund 48 Prozentpunkte höher als der Budgetanstieg. „Dies zeigt, dass Tarifabschlüsse und Sachkostenerhöhungen seit Jahren nicht durch entsprechende Budgetanpassungen ausgeglichen werden“, betont das Klinikum.
94 Millionen Euro fließen in Baumaßnahmen
Während die Tarifabschlüsse zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern frei ausgehandelt werden, wird das Krankenhausbudget vom Gesetzgeber vorgegeben. Dieser hat wiederum die Stabilität der Beitragssätze zur Krankenversicherung im Blick. „Die politischen Vorgaben führen dazu, dass sich die finanziellen Rahmenbedingungen bundesweit weiter verschlechtern“, konstatiert das Klinikum – wohl auch mit Blick auf das neue „GKV-Spargesetz“.
Die Investitionsausgaben des Jahres 2025 betrugen 109,40 Millionen Euro. Den größten Brocken nehmen dabei mit 94,2 Millionen Euro Baumaßnahmen ein. In den Ausgaben für Anlagen im Bau und sonstige Baumaßnahmen sind 60,17 Millionen enthalten, die mit Fördermitteln des Landes Baden-Württemberg bezuschusst werden. Das sind Ausgaben für die Klinikneubauten in Achern, Offenburg und Lahr in Höhe von insgesamt 57 Millionen Euro sowie Ausgaben für die notwendigen Interimsmaßnahmen am Standort Offenburg/Ebertplatz in Höhe von rund 3,2 Millionen Euro.
Kreis und Klinikum halten an Agenda 2030 fest
Parallel zu den künftigen Belastungen durch das „GKV-Spargesetz“ muss das Ortenau-Klinikum die geplanten Leistungsgruppen im Rahmen der Landeskrankenhausplanung im Herbst genehmigen lassen. „Vor diesem Hintergrund ist die weitere Umsetzung der Krankenhausreform für das Ortenau Klinikum mit erheblichen Unsicherheiten verbunden“, heißt es im Geschäftsbericht.
Dennoch halten Kreis und Klinikum weiterhin am Reformweg der Agenda 230 fest. „Entscheidend bleibt, dass die erforderlichen Investitionen in moderne Versorgungsstrukturen durch verlässliche Rahmenbedingungen sowie eine auskömmliche Finanzierung des Krankenhausbetriebs sichergestellt werden“, betont der Klinikverbund.
Kliniken bundesweit in Not
Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser ist nach einer Umfrage der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des Deutschen Krankenhausinstituts weiterhin massiv angespannt. Für das Geschäftsjahr 2025 rechnen 71 Prozent der Krankenhäuser mit einem Jahresfehlbetrag. Im Vorjahr lag der Anteil der defizitär wirtschaftenden Krankenhäuser bereits bei 66 Prozent, wie das Deutsche Krankenhausinstitut im Krankenhaus-Barometer 2025 berichtet. Als Grund für die schlechten Ergebnisse wurden vor allem überproportionale Preissteigerungen bei den Personal- und Sachkosten angegeben.