Ältester Verein Lahrs
: Die Lahrer Schützengesellschaft blickt auf eine 500-jährige Geschichte zurück

Die Schützengesellschaft feiert ihren 500. Geburtstag. Entstanden ist sie in den Wirren der Reformation.
Von
Endrik Baublies
Lahr
Jetzt in der App anhören
Das historische Foto zeigt Mitglieder der Lahrer  Schützengesellschaft  beim Bau des  Vereinsheims an der Dammenmühle. Dort wird bis heute trainiert.

Das historische Foto zeigt Mitglieder der Lahrer Schützengesellschaft beim Bau des Vereinsheims an der Dammenmühle. Dort wird bis heute trainiert.

privat
  • Die Lahrer Schützengesellschaft feiert 500 Jahre Bestehen und wurde 1526 gegründet.
  • Ursprung in Reformationswirren: Bürger sollten wehrhaft sein – erstes Schießen nach Predigt.
  • Historische Orte: Schießrain, Hohbergsee, Im Ernet; Vereinsheim seit den 1930er-Jahren.
  • Heute rund 50 Aktive, kein Jugendbereich, Dachsanierung geplant – Sponsoren gesucht.
  • Stadtmuseum zeigt eine Ausstellung bis zum 20. September, mittwochs bis sonntags 11 bis 18 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Heute ist die Schützengesellschaft ein eingetragener Verein – und unterscheidet sich rechtlich nicht von anderen Vereinen. Das Alter der Schützengesellschaft allerdings, die 1526 von Bürgern gegründet wurde, ist außergewöhnlich.

Zur historischen Einordnung: Martin Luther hatte gerade einmal neun Jahre zuvor mit der Veröffentlichung seiner 95 Thesen in Wittenberg für Aufruhr gesorgt. Heute beschreiben einige Historiker mit dem Datum des Thesenanschlags, dem 31. Oktober 1517, den Beginn der Reformation und das Ende des Mittelalters. In Lahr gab es drei Jahre nach der Gründung der Gesellschaft einen Losentscheid, der ebenfalls mit der Reformation zusammenhängt. Die Stadt Lahr kam dabei zur Herrschaft des evangelischen Nassau, Mahlberg unter die Herrschaft der katholischen Markgrafen von Baden.

Bei einem Rundgang im heutigen Vereinsheim, das in den 1930er-Jahren an der Dammenmühle erbaut wurde, präsentiert Oberschützenmeister Martin Frank eine Chronik, die dem Alter der Gesellschaft gerecht wird. Zunächst fällt die ungewohnte Sprache in dieser ältesten erhaltenen Schützenordnung der Lahrer Gesellschaft aus dem Jahr 1622 auf. Sie klingt heute sehr antiquiert. Die Ordnung sollte kurz nach dem Ende des 30-jährigen Krieges das Leben der Mitglieder regeln: Artikel 25 etwa liest sich so: „In der Gesellschaft soll Zucht und Ordnung herrschen. Keiner soll fluchen oder schwören oder sich unbescheiden benehmen.“ Geschossen werden sollte „20 Sonntage nacheinander“, aber immer erst nach der Mittagspredigt.

Die Lahrer Schützen um Martin Frank (Dritter von rechts) feiern aktuell ihren runden Geburtstag.

Die Lahrer Schützen um Martin Frank (Dritter von rechts) feiern aktuell ihren runden Geburtstag.

privat

Die Gesellschaft hatte ihren Schießstand zuerst in einem Gewann am Fuß des Schutterlindenberges. Daher könnte der Name „Am Schießrain“ stammen. Das vermutet zumindest Frank, der im Gespräch mit unserer Redaktion die ehrwürdige Gesellschaft mehrfach und auf Neudeutsch als „das älteste Security-Unternehmen“ der Stadt Lahr bezeichnet.

LZ aktuell
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Kreis Lahr Montag bis Freitag im kompakten Überblick.

Das ist nicht aus der Luft gegriffen. Durch die Unruhen – Stichworte: Reformation und Bauernkriege – hielt es die Obrigkeit damals für angemessen, dass die Bürger wehrhaft seien. Laut einer Chronik, die Oberfinanzrat Gustav Kaiser vor rund 70 Jahren verfasste, sollten die Schützen eine „wehrhafte, kampffähige Mannschaft der Stadt“ darstellen. Die Herrschaft gewährte den Schützen „zur Erhaltung und zur Übung im Schießen zwei Pfund Pfennige“.

Erinnerung an besonderen Schuss wird aufbewahrt

Nach dem ersten Standort Schießrain folgten Schießanlagen am Hohbergsee und Im Ernet, bevor der Verein das heutige Schützenhaus in Eigenregie errichtete.

Und dort wird nach wie vor trainiert. Allerdings nicht mehr, um die Stadt zu verteidigen, sondern für Wettkämpfe. Frank stellt beim Gang durch die Anlage die Schießstände vor. Auf einer Bank liegt ein sogenannter Robin-Hood-Pfeil. Ein Mitglied der Schützengesellschaft, Richard White, hat einen anderen Pfeil, der in der Mitte der Scheibe steckte, so exakt getroffen, dass die zwei Pfeile eine Art Lanze bilden. Der Legende nach hat Robin Hood, den es allerdings nicht wirklich gegeben hat, mit seinem Pfeil einen anderen, der in der Mitte einer Schießscheibe steckte, gespalten. Den Pfeil hat der Verein als Erinnerung aufbewahrt.

Heute plagen den Verein Sorgen, die auch viele andere Vereine haben. Eine Jugendabteilung gibt es derzeit nicht. Dafür hat die Gesellschaft laut Frank etwa 50 aktive Mitglieder. Der älteste Schütze, Karl-Heinz Gawlizek, hält sich mit 93 Jahren mit dem Training fit. Das Dach des Schützenhauses sollte saniert werden. Der Verein sucht dafür Sponsoren. Allerdings blicken die Mitglieder mit der ruhmreichen Vergangenheit auch zuversichtlich nach vorn. Als nächster Termin steht das Königsschießen am 20. September an.

Ausstellung

Das Stadtmuseum widmet der Schützengesellschaft eine Ausstellung. Diese läuft noch bis zum 20. September. Neben der Geschichte der Schützengesellschaft gewährt die Schau Einblicke in das moderne Sportschießen und in die Geschichte anderer Schützenvereine in der Stadt. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Museums, Mittwoch bis Sonntag zwischen 11 und 18 Uhr, zu sehen.