Oberwolfacher Geschichte: Darum wurde der „Flori“ in Walke zum Treffpunkt für alle

Die Baiersbauernfamilie von Matthäus Groß lebte auf der „Insel“.
Allgaier (Repro)Beim heimatkundlichen Rundgang durch den Oberwolfacher Ortsteil Walke mit Wolfgang Sum hat man natürlich auch auf der Insel Halt gemacht. Gleich nach dem Rathaus gab es auf diesem auch historisch interessanten Flecken viel zu erzählen.
Die Gewannbezeichnung „Insel“ ist wohl dadurch zu erklären, dass man sich hier am Bergfuß auf dem auslaufenden Geländezipfel zwischen Rankachbächle und Wolfbach sozusagen von der Natur umschlossen wie auf einer Insel wohnend vorkommt.
Im Zusammenhang mit der Begehung des für die Walke so wichtigen Bereichs hat sich der in der Nachbarschaft aufgewachsene Martin Allgaier auf einen ganz besonderen Abschnitt neuerer Walker Historie besonnen: den „Flori“.
Auf der „Insel“ war viel Handwerk vertreten
Vor 50 Jahren war er auf der Insel an der Walke eine wichtige Institution – vor allem für die jüngere Generation. Die Insel im Oberwolfacher Ortsteil Walke ein Kleinod, gelegen zwischen Wolf und Rankach, eben eine Insel, war immer geprägt vom dortigen Baiersbauernhof , der Baiermühle und angesiedeltem Handwerk.
Am bergseitigen Hang, dem „Leimeloch“ wurde Lehm abgebaut und daneben in der „Ziegelhütte“ wurden die Tonziegel gebrannt. Schmied, Wagner, Schuster und die Mühle ergänzten den Standort Insel bei der Walke mit den damals wichtigen Handwerken.
Qualm der Zigarren und Stumpen im ganzen Haus
Oben zwischen Hof und Ziegelhütte stand das Schusterhäusle von Florian Groß und seiner Frau Karoline „Karlie“. Der „Schuehmacher-Flori“ war ein Bruder des Baiersbauern Matthäus Groß und ein echtes Walker Original.
Sein Haus beherbergte eine Stube mit Werkstattraum und Kachelofen, einen Schlafraum, ein kleines Küchele mit etwa vier Quadratmetern ohne fließendes Wasser und daneben ein außenliegendes Plumpsklo. Ferner gab es noch einen Schopf mit Waschkessel und Holzlager.
Dies genügte dem „Flori“ und seiner Frau und war eigentlich schon damals museumsreif. Das tägliche Wasserholen am „Stöcklebrunnen“, der Hauswasserversorgung des Baiersbauernhofes, verband er aber immer mit einem Gang in den Keller seines Bruders, um seinen leeren Mostkrug wieder zu füllen.

Die Ziegelei Walke um 1930 in der Lehmgrube auf der „Insel“
Foto: Allgaier (Repro)Schon früh in den 70er-Jahren hat sich der „Flori“ einen Fernseher angeschafft und war somit damals im Ortsteil Walke wohl einer der ersten mit „Blick in das Weltgeschehen“. Seine große Leidenschaft waren allerdings nicht die Nachrichten, sondern Wildwestfilme.
Da er ziemlich schwerhörig war, drehte er den Apparat immer auf volle Lautstärke. Bei offenem Fenster konnte man das Indianergeheul und das Revolvergeknalle bis auf die Walker Brücke hören. Deshalb war das „Schuehmacherhuus“ schon damals Anlaufpunkt sowohl für Kinder wie auch für viele Erwachsene, einfach zum „Fernsehgucken“.
Das „Hisli“ war dann vor allem an den Wochenenden gerammelt voll – und auch vom Qualm der Zigarren und Stumpen schier überquellend. Alle auffindbaren Sitzgelegenheiten wurden herbeigeschafft. Ab 1975 stand das Häusle leer, das jedoch noch sei einiges erleben sollte.
Inspiration
Wolfgang Sum, Fachwart für Heimatpflege, hatte als Veranstaltung im Rahmen von „750 Jahren Oberwolfach“ zu einem Rundgang durch den Teilort Walke eingeladen.