Justizgeschichte in Baden
: Wie Wolfacher Amtsrichter Max Güde mit Prinzipien gegen das NS-Regime stand

Der Wolfacher Amtsrichter Max Güde wirkte beim Wiederaufbau der Behörden nach dem Zweiten Weltkrieg mit.
Von
Frank Schrader
Oberndorf
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Das ehemalige Amtsrichterhaus in Wolfach, in dem Max Güde von 1933 bis 1945 wohnte.

Schrader (Repro)

Vor 75 Jahren, am 1. Oktober 1950, wurden in Karlsruhe der Bundesgerichtshof und die Bundesanwaltschaft gegründet. Wesentlichen Anteil am Aufbau der neuen Behörden hatte der ehemalige Wolfacher Amtsrichter Max Güde.

Geboren wurde Güde im Jahre 1902 in Donaueschingen. Seine Schulzeit verbrachte er in Oberkirch und Heidelberg. Sein Jurastudium absolvierte er von 1920 bis 1924 in Heidelberg und Bonn, seine Referendarzeit in Mannheim, Lörrach und Neustadt im Schwarzwald. 1929 wurde er Staatsanwalt in Mosbach und 1932 Amtsrichter in Bruchsal.

Als er kurz nach der Machtergreifung Hitlers 1933 im Kollegenkreis die Einlieferung von SPD-Mitgliedern ins KZ Kislau als eine Schande bezeichnete, wurde er an das Amtsgericht in Wolfach strafversetzt.

Güde war gläubiger Katholik

Als sein Vater ihn danach fragte, ob es nicht sinnvoll wäre, in die NSDAP einzutreten, bevor man Schwierigkeiten bekomme, widersprach sein Sohn und sagte, dass man einfach Courage haben müsse. Und genau diese Courage zeigte er dann auch als Amtsrichter.

Als gläubiger Katholik besuchte er in der NS-Zeit weiterhin regelmäßig die Gottesdienste und lief auch bei den Prozessionen mit, was den Nazis ein Dorn im Auge war. In einem „Personalblatt für Beamte“ des NSDAP-Gaus Baden steht über ihn geschrieben, dass seine „weltanschauliche Haltung sehr zu wünschen übrig“ lasse und er „politisch vollständig uninteressiert“ sei.

Deshalb gelang es Güde trotz mehrfacher Versuche auch nicht, wieder an ein größeres Amtsgericht versetzt zu werden, obwohl er sogar 1940 in die NSDAP eintrat, um seine Chancen zu erhöhen.

Aufgrund seiner distanzierten Haltung zum NS-Regime überrascht es auch nicht, dass er den Wolfacher NSDAP-Kreisleiter Eugen Baumann bei einer nichtöffentlichen Sitzung aus dem Gerichtssaal im Wolfacher Schloss verwies und in sehr scharfer Weise die Unabhängigkeit der Justiz gegenüber der NSDAP verteidigte.

Er setzte sich für eine gute Behandlung von Gefangenen ein

Auch weigerte er sich 1942 an der Erhängung des polnischen Zwangsarbeiters Bernard Podziński in Schiltach teilzunehmen, die er als „offenkundigen Willkürakt“ bezeichnete. Er empfand dadurch sein „Amt als geschändet, da ein Mensch, der sicher nicht todeswürdige Schuld auf sich geladen hatte, in aller Öffentlichkeit ermordet wurde“.

Als im Juli 1942 mehrere elsässische Gestapo-Gefangene ins Wolfacher Amtsgefängnis eingeliefert wurden, setzte sich Güde für eine gute Behandlung der Gefangenen ein und stellte ihnen auch Bücher aus seiner Bibliothek zur Verfügung.

Als Jurist konnte er schnell wieder Fuß fassen

Aufgrund seiner nachweisbaren Distanz zum NS-Regime gelang es Güde nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, als Jurist schnell wieder Fuß zu fassen. Nach der Gründung des Bundesgerichtshofs und der Bundesanwaltschaft 1950 wurde er zunächst zu einem von nur zwei Bundesanwälten ernannt und stieg sechs Jahre später zum Generalbundesanwalt auf.

1961 wechselte Güde in die Politik und blieb bis 1969 CDU-Bundestagsabgeordneter in Bonn. Er starb 1984 in Werl-Hilbeck.

Wiedersehen der Inhaftierten

1964 kam es in Wolfach zu einem Wiedersehen der 1942 im Amtsgefängnis inhaftierten elsässischen Gefangenen, darunter der Schriftsteller und Maler Robert Heitz und der Rechtsanwalt Pierre Schreckenberg, mit ihrem damaligen „Kerkermeister“ Max Güde, die ihm stets dankbar blieben für die menschliche Behandlung während ihrer Haftzeit. Güde habe ihnen gezeigt, dass in Deutschland in der NS-Zeit nicht nur die Gestapo herrschte. Von diesem Treffen existiert noch die Aufnahme eines Interviews des Radioreporters Klaus Schönfeldt mit Güde, Heitz und Schreckenberg, das in der ARD-Audiothek angehört werden kann. Max Güdes 1940 geborener Sohn Wilhelm veröffentlichte 2019 eine ausführliche Biographie seines Vaters, in der auch der Text des Interviews abgedruckt wurde.

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