Verhandlungen gescheitert: Ceratizit in Empfingen muss schließen

Ceratizti-Fahnen wehen am Standort in Empfingen. Doch jetzt ist klar, dass das Werk nicht gerettet werden kann. (Archivfoto)
Florian Ganswind„Mit großem Bedauern müssen wir mitteilen, dass die Verhandlungen zwischen der IG Metall, dem Betriebsrat mit der Geschäftsführung der Ceratizit zur Rettung des Standorts Empfingen endgültig gescheitert sind. Trotz monatelanger Gespräche, kreativer Lösungsvorschläge und unserem unermüdlichen Einsatz konnte keine Einigung erzielt werden, die den Fortbestand des Werks gesichert hätte.“ Das teilen der Betriebsrat und die IG Metall Freudenstadt in einer gemeinsamen Erklärung mit.
Dass die Unternehmensleitung trotz aller Argumente und tragfähiger Alternativen an der Schließung festhält, sei für den Betriebsrat und die IG Metall nicht nachvollziehbar. „Der Standort ist wirtschaftlich tragfähig – die Entscheidung ist rein strategisch motiviert und lässt die soziale Verantwortung gegenüber den Menschen vor Ort vermissen. Das Alternativkonzept, welches durch einen maßvollen Personalabbau, Beschäftigtenbeiträge sowie weitere Maßnahmen eine zweistellige Umsatzrendite in Empfingen ermöglicht hätte, ist dem Vorstand der Ceratizit und der Familie Schwarzkopf nicht genug. Nun wird der Standort der „Renditegier“ der Eigentümerfamilie geopfert.“
Große Enttäuschung
Betriebsrat und die IG Metall drücken ihre Enttäuschung aus: „Diese Entscheidung trifft uns alle tief. Sie bedeutet nicht nur das Ende eines erfolgreichen Standorts, sondern auch den Verlust von 230 Arbeitsplätzen – und damit die Existenzgrundlage vieler Familien. Dies wiegt umso schwerer, da die Beschäftigten über Jahrzehnte hinweg mit Herzblut, Fachwissen und Loyalität zum Erfolg der Ceratizit beigetragen haben.“
Der Dank gelte den vielen Menschen in Empfingen und darüber hinaus, die sich mit den Beschäftigten solidarisiert hätten – insbesondere den Teilnehmern der Kundgebung in Empfingen: Betriebsräte, Vertrauensleute der IG Metall, Bürgermeister Ferdinand Truffner sowie den rund 2000 Unterstützern der Onlinepetition. Die Welle der Solidarität habe gezeigt, dass es den Menschen nicht egal sei, was in Empfingen bei Ceratizit passiert.
Sozialplan vorgestellt
Nun habe der Arbeitgeber dem Betriebsrat einen Vorschlag über einen Interessenausgleich und Sozialplan vorgestellt. „Dieses Angebot des Arbeitgebers lässt eine mangelnde Wertschätzung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erkennen – sowohl seitens des Vorstands als auch der Familie Schwarzkopf. Das vorgelegte Angebot liegt weit unter dem Niveau der bislang abgeschlossenen Sozialpläne, die stets auf den Erhalt des Standortes ausgerichtet waren. Da dieses Ziel nun nicht mehr vom Vorstand verfolgt wird, fehlt dem aktuellen Angebot eine zentrale Grundlage“, heißt es in der Erklärung.

Der Betriebsrat von Ceratizit und Georg Faigle, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Freudenstadt (in der zweiten Reihe Dritter von links)
Foto: IG Metall„Wir fordern deshalb die Ceratizit auf, nun wenigstens im Rahmen eines Sozialplans ihrer Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern gerecht zu werden. Der Betriebsrat und die IG Metall werden sich mit aller Kraft dafür einsetzen, dass die Beschäftigten einen fairen und gerechten Ausgleich für den Verlust ihres Arbeitsplatzes erhalten“, schreiben Betriebsrat und IG Metall Freudenstadt.
Die Ceratizit-Geschäftsführung bestätigt gegenüber unserer Redaktion die Schließung des Werks in Empfingen „im Rahmen einer umfassenden Umstrukturierung des Produktionsnetzwerks“. Andreas Lackner, Spokesman of the Executive Board Ceratizit, sagt: „Die Produktion in Empfingen wird voraussichtlich bis Mitte 2026 schrittweise eingestellt.“ Das Unternehmen strebe einen fairen und sozialverträglichen Sozialplan an. „Die Gespräche mit dem Betriebsrat und den Sozialpartnern sind uns dabei sehr wichtig“, sagt Lackner.